Was macht eigentlich...?

Hannes Bongartz

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Als Spielerberater unterwegs

Für viele ist Hannes Bongartz ein Begriff im deutschen Fußball. Der in Bottrop lebende Übungsleiter ist momentan als Spielerberater unterwegs. Er betreut junge, talentierte Spieler und versucht sie so hoch wie es geht zu vermitteln. Aktuell sucht Herr Bongartz nach einer Aufgabe als Trainer. NRW-Liga oder Regionalliga, alles kein Problem für den 59-jährigen Bottroper. Die Auf'mPlatz-Redakteure Holger Czeranski und Sebastian Matheus trafen sich mit Hannes Bongartz auf einer Tasse Kaffee und lauschten seinen Geschichten. Zur Spielerbeobachtung war Bongartz in Brasilien unterwegs gewesen. Beim Club Atletico Paranaense entdeckte er einen jungen Mittelfeldspieler mit dem Namen Ramires. Bongartz ließ seine Kontakte spielen und heuerte beim SV Werder Bremen an. Der Manager Klaus Allofs war nicht ganz von dem Brasilianischen Talent überzeugt. Kurze Zeit später angelte sich Benfica Lissabon Ramires und verkaufte ihn später für knapp 20 Mio. € an den FC Chelsea London. „Solche Ausflüge sind immer sehr interessant und bringen mir auch sehr viel Freude“, so Hannes Bongartz.

Auch das Talent Bruno Soares, aktuell beim MSV Duisburg unter Vertrag, hatte Bongartz in Brasilien im Blickfeld genommen. Aber auch zu seinen ehemaligen Spielern wie Thorsten Fink, Markus Schupp, die Altintop-Brüder oder Uwe Neuhaus pflegt der Spielerberater die Kontakte und stattet ihnen, wenn die Zeit es zulässt, auch einen Besuch ab. „Es ist natürlich schön zu sehen wie sich der ein oder andere gemacht hat. Das man immer noch in Kontakt steht, ist sehr schön. Und die Besuche, wie zum Beispiel beim Thorsten Fink in Basel, machen mir auch Spaß und sind immer eine gelungene Abwechslung“, so der Bottroper. Zu einem aktuellen Bottroper Spieler im Dress des VfB Kirchhellen, Markus Katriniok, hat er leider keinen Kontakt mehr. Früher haben beide einen Steinwurf voneinander entfernt gewohnt, sind aber nie zusammen zum Training gefahren. „Ich als Trainer war immer sehr viel früher am Platz und nach dem Training blieb ich meistens bis zum frühen Abend an der Geschäftsstelle. Im Notfall hätte es aber funktioniert. Ich scheue mich nicht einen Spieler mitzunehmen.“ Auch zu den aktuellen Themen aus der Bundesliga hat Bongartz eine eigene Meinung. „So eine Disziplinlosigkeit einiger Spieler in der Bundesliga gab es früher nicht. Überwiegend ausländische Profis mit einer anderen Mentalität stehen wegen solchen Eskapaden in den Medien. Und da geht es ja nicht um paar Euros, sondern schon um hohe Millionen Beträge. Früher war an solchen Aktionen nicht zu denken.“

Hannes Bongartz mit Auf'mPlatz Redakteur Sebastian Matheus
Hannes Bongartz mit Auf'mPlatz Redakteur Sebastian Matheus

Als Spieler begann Hannes Bongartz beim Bonner SC seine Karriere. Nach zwei Jahren ging es zur SG Wattenscheid 09. Drei Jahre später zog er das große Los und unterschrieb beim Erstligisten FC Schalke 04. Damals hatte der damalige Präsident der Blauen, Oscar Siebert, eine kuriose Idee gehabt. Jede Eintrittskarte wurde um ein oder zwei Mark erhöht, damit man Hannes Bongartz zu den „Knappen“ holen kann. „Oscar Siebert hatte immer solche lustigen Ideen auf Lager gehabt. Noch heute, wenn ich durch Gelsenkirchen laufe, sprechen mich die älteren Herren an und sagen zu mir das sie von mir noch 2 Mark bekommen.“, erinnerte sich Bongartz zurück. Plötzlich schellte sein Handy und es ertönte die Melodie vom Aktuellen Sportstudio. Das Gelächter war groß und man merkte in der Situation wie sehr Hanens Bongartz noch am Ball ist. Ein Österreichischer Spielervermittler wollte den Bottroper sprechen. Auf'mPlatz-Redakteur Sebastian Matheus meinte, dass er ruhig dran gehen könnte. Aber das verneinte Bongartz ganz kurz und knapp mit dem Argument, dass der Vermittler immer lange telefoniert. Nach dem amüsanten Ereignis ging die äußerst lockere Unterhaltung weiter. Nach vier Jahren auf Schalke wechselte Bongartz in die Pfalz zum 1.FC Kaiserslautern, wo er nach sechs Jahren seine aktive Karriere beendete. In diesen Jahren bei den „Roten Teufel“ erlebte er sehr viel.

im Dress der Nationalmannschaft
im Dress der Nationalmannschaft

Im Europapokal spielte der Mittelfeldspieler gegen den SSC Neapel mit dem damaligen Ausnahmekicker Diego Armando Maradonna. Aber von einem Internationalen Spiel sprach er ganz besonders von. Anfang der 80iger musste der FCK gegen die Königlichen aus Real Madrid ran. In Spanien verlor man das Hinspiel 3:1. „Die Madrilenen haben getreten was sich nur bewegte. Nach dem Spiel haben wir uns geschworen, die bekommen im Rückspiel alles zurück. Die nächsten 14 Tage war die Bundesliga egal. Im Training sah man es auch jeden an. Alle waren vor lauter Hass so heiß auf Real Madrid. Vor dem Spiel hatten wir sprichwörtlich Schaum vor dem Mund.“ Zur Pause führten die Lauterer mit 2:0. Nach dem Wechsel erhöhte dann Hannes Bongartz zum 3:0. „Danach flogen noch zwei von denen vom Platz und wir gewannen das Spiel 5:1. Eine Genugtuung für uns.“ Nach seiner Karriere wollte er den Trainerschein machen. In der Sommerpause meldete sich ein ehemaliger Verein 1.FC Kaiserslautern an und meinte, dass sie den Hannes unbedingt brauchen. „Drei Monate nach meinem letzten Spiel für die Pfälzer sollte ich als Trainer beim FCK anfangen.

1975; Bongartz beim FC Schalke 04
1975; Bongartz beim FC Schalke 04

Dabei hatten sie eigentlich mit Alex Ristic einen...aber der war wohl nicht gern gesehen.“ Also unterschrieb Bongartz als Trainer und trainierte seine ehemaligen Mitspieler beim 1.FCK. „Es war natürlich schon etwas komisch aber wir haben eine sehr gute Mischung gefunden und wunderbar harmoniert“, blickte Hannes Bongartz zurück. Er war auch der erste Trainer in Deutschland, der die Viererkette einführte. „Mich hat dieses System beim IFK Göteborg imponiert. Der jetzige Trainer vom englischen Club Leicester City, Sven-Göran Erkisson, trainierte damals die Göteborger. „Es war unheimlich wie die uns bekämpft haben. Am Betzenberg rannten die uns über den Haufen, was sich sonst keine Mannschaft getraut hat. Das hat mir sehr imponiert.“ In seiner Viererkette spielte ein Verteidiger, den man wegen seiner Spielweise ein Schweinehund nennt. Die Rede ist vom jetzigen U21 Trainer der Polen, Stefan Majewski. „Der hat alles weg gehauen. Klaus Fischer rief damals an und sagte mir, dass, wenn der Majewski spielt, er gar nicht kommen brauch.“, so der 59-jährige Bottroper. Erfolge konnte Bongartz auch feiern. Unter anderen stieg er mit der SG Wattenschied 09 im Jahre 1990 in die 1.Bundesliga auf. „Leider hatten wir in Wattenscheid keinen Balkon gehabt und es waren auch nicht so viele Fans da wie bei Borussia Dortmund oder Schalke 04, aber der Sinn und Zweck wurde erfüllt. Für die Region war es ein ganz besonderer Tag, wo alle stolz waren.“, so der damalige Trainer der SGW. Jeder dachte das Hannes Bongartz mit der SGW direkt wieder runter geht aber die 09er hielten sich vier Jahre im deutschen Oberhaus.

Hannes Bongartz mit Auf'mPlatz Redakteur Holger Czeranski
Hannes Bongartz mit Auf'mPlatz Redakteur Holger Czeranski

Nach dem Arrangement in Wattenscheid ging es über MSV Duisburg und Borussia Mönchengladbach wieder zurück zu den Schwarz-Weißen, wo er sechs Jahre lang Übungsleiter war und Hamit und Halil Altintop trainieren durfte und sie auch später groß heraus brachte. 2004 ging es dann für Hannes Bongartz zu den Sportfreunden Siegen, wo er aber nicht länger als ein Jahr blieb. Vor drei Jahren flog dann Bongartz ins warme Griechenland. In Athen traf er sich mit dem Präsidenten des Erstligisten Skoda Xanthi. Er sollte Sportdirektor werden und Jörn Andersen sollte als Trainer angestellt werden. Aber Andersen hielt sich nicht lange. „Ich musste Jörn als Trainer feuern, dabei hat er noch nicht einmal mit der Mannschaft trainiert.“ Der Nachfolger von Andersen war dann ein Übungsleiter vom Club Brügge. Bongartz flog zur Spielerbeobachtung für zwei Wochen nach Buenos Aires. Sein Verein ruft ihn dann an und beorderte ihn drei Tage früher als geplant zurück nach Griechenland. „Ich flog dann wieder zurück und als ich in Griechenland ankam, sollte ich mit dem neuen Trainer ins Trainingslager nach Holland fahren. Aber ich war vom Training nicht so begeistert und reiste nur zu den Testspielen an.“ Auch der Präsident von Xanthi hatte andere Vorstellungen von Neuverpflichtungen. „Der Präsident bestellte mich ins Büro. Ich sollte nach Zürich reisen und Verhandlungen mit Ailton tätigen.“ Also machte er sich auf zur Schweiz, konnte aber Ailton nicht zu Xanthi holen. „Die Gehaltsvorstellungen war nicht in unserem Rahmen.“ Als dieser Transfer scheiterte, ging es ein Jahr lang noch immer hin und her, so dass Bongartz im April 2008 das Amt nieder legte und zurück nach Deutschland flog. „Es war ein schönes Leben für mich und meine Frau in Griechenland. Fußballerisch war es nicht so gut. Aber ich bin wie bei allen Vereinen im Guten auseinander gegangen und pflege noch heute einen guten Kontakt zum Präsidenten“, betonte Bongartz. Zum Ende einer lockeren Unterhaltung machte sich Hannes Bongartz auf dem Weg zu einem Jugendspiel um seine Spieler zu beobachten. Das Auf'mPlatz-Team bedankt sich bei Hannes Bongartz für das Interview und wünscht Ihm alles Gute für die Zukunft!

Text und Umsetzung: Sebastian Matheus

Bild: Holger Czeranski, Sebastian Matheus