Tim goes NRW

4 Stadien in London an 4 Tagen

Tag 1          Craven Cottage: FC Fulham vs. Man City

 

3.30 Uhr – der Wecker klingelt. An anderen Tagen hätte der Wecker wohl dran glauben müssen, aber nicht an diesem. Man quält sich gerne durch die ersten Stunden des Tages, denn es wartet nix geringeres, als die Fussballmetropole schlechthin. London !

Um 7.10 Uhr verschwindet der Flieger schließlich in den Wolken des Kölner Morgenhimmels. Der Zeitplan für den Samstag ist eng geschnürt. Flughafentransfer in die City, Bahntickets gekauft, Check-in im Hotel und weiter geht’s mit der London Tube Richtung Fulham FC. Das altehrwürdige Craven Cottage sollte Austragungsort sein für ein atemberaubendes Premier League Match. Zu Gast war kein Geringerer als der amtierende Last-Minute-Meister Manchester City. Unsere Plätze in Reihe 5 sollten die ersten Reisestrapazen schnell vergessen machen. Über den Rasen will ich erst gar nicht sprechen, denn da würde der ein oder andere Bundesligist blass werden.

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. Zabaleta kam gegen Riise einen Schritt zu spät und ließ dem Referee nur eine Wahl. Elfmeter ! Mladen Petric, ein alter Bekannter aus der Bundesliga, ließ sich nicht zweimal bitten und verwandelte sicher zum 1-0. Fortan lief das Spiel nur noch in eine Richtung. City kombinierte schnell durchs Mittelfeld, fand aber in Strafraumnähe nie die richtigen Mittel, um die Fulham-Defensive auszuhebeln. Kurz vor der Pause war der Bann gebrochen. Sergio Agüero schaltete nach Mark Schwarzers Blitzreflex am schnellsten und staubte ab zum 1-1.

In Halbzeit zwei nahezu dasselbe Bild. City machte das Spiel, Fulham war nur nach Standardsituationen gefährlich. City-Coach Mancini versuchte alles. Mit Agüero, Balotelli und Dzeko war letzendlich fast die komplette City-Offensive auf dem Platz. In der 87. Minute war es schließlich Edin Dzeko, der den Ball Sekunden nach seiner Einwechslung im gegnerischen Gehäuse unterbrachte. Fulham war geschlagen und der Away-Sector bebte.

Tag 2         Emirates Stadium:   Arsenal London

 

Nach einem kurzen Frühstück in der Bahnhofshalle gings in Richtung Londoner Norden, dem Zuhause des FC Arsenal.

Die rund einstündige Stadiontour bot alles, was sich das Fussballerherz nur wünschen kann. Ein guter Mix aus Vergangenheit und Gegenwart bringt jedem den Club Arsenal ein Stück näher. Die VIP-Loge, der sogenannte Diamond Club, stellt wahrscheinlich nahezu jeden Bundesligisten in den Schatten. Dort bleibt nun wirklich kein Wunsch unerfüllt. Sogar die Blumen werden extra für jedes Heimspiel neu angeliefert … in der Farbe des Gastvereins versteht sich.

Weiter führte der Weg in die Katakomben des Emirates. Selbst die Gästekabine war groß genug, um sich darin zu verlaufen. Getoppt wurde dies nur noch durch die Heimkabine der Gunners. Alleine das Ermüdungsbecken war wahrscheinlich teurer als manche Landesliga-Anlage. Mittlerweile versteht man, wieso ein Herr Podolski den endgültigen Abschied aus Köln gewagt hat.

Raus aus den Kabinen – rein in den Spielertunnel. Wenn man überlegt, welch namenhafte Größen des europäischen Spitzenfussball diesen Weg schon beschritten haben, läuft es einem eiskalt den Rücken herunter.

Kurze Zeit später stand man in Arsene Wengers Wohnzimmer und blickte ins weite Rund. Ein unbeschreibliches Gefühl. Die Spuren der 1-2 Niederlage vom vorherigen Tag gegen Chelsea waren dem Rasen noch anzusehen. Genau aus diesem Grund bestand das gesamte Spielfeld nahezu aus Infrarotleuchten, die dafür sorgen sollten den Rasen fürs nächste Heimspiel wieder auf Vordermann zu bringen.

Nach einigen Schnappschüssen auf der Ersatzbank, gings weiter in den Presseraum. An Spieltagen finden hier bis zu 250 Journalisten Platz. Das Ende der Tour wurde durch einen Besuch im Arsenal-Museum abgerundet. Dort wurde einem die Geschichte des Clubs ein wenig näher gebracht. Viele Bilder und Videos luden dazu ein, das ein oder andere Spiel revue passieren zu lassen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Zum Abschluss gabs noch einen kleinen Abstecher in den Arsenal-Store, um das ein oder andere Souvenir einzutüten.

Tag 3         Loftus Road: Queens Park Rangers vs. West Ham  

 

Der dritte Tag begann mit einer kleinen Sightseeing Tour, da das eigentliche Highlight erst am Abend wartete. Am frühen Abend gings schließlich via U-Bahn Richtung Loftus Road. Ausstieg an der Haltestelle White City, einen guten Kilometer Fußmarsch, nachdem endlich erste Züge eines Fussballstadions sichtbar wurden. Anhand der Fassade war erkennbar, dass das Stadion die besten Zeiten hinter sich hatte. Aber schließlich wird seit über 100 Jahren in diesem Stadion um Punkte gekämpft. Noch 2 Bier an der Stadionbude und dann konnte es losgehen, das Monday-Night Match. Flutlicht an…It´s Derbytime ! Was kann es geileres geben?

Eines kann ich vorweg nehmen. Man wurde nicht enttäuscht !

Nach drei Minuten platzte der Auswärtsblock zum ersten Mal aus allen Nähten. Keeper Julio Cesar, davor in Diensten von Inter Mailand, unterlief eine Flanke und Matthew Jarvis bedankte sich gekonnt mit einem Kopfball ins rechte untere Eck. QPR fand nicht ins Spiel und konnte sich nur aufgrund mangelnder Chancenauswertung der Gäste bedanken, dass die Partie nicht nach 20 Minuten schon verloren war. Erste Angriffe der Rangers ließen erahnen, welche Qualität eigentlich in der Offensivabteilung steckt. Mit Ji-Sung Park, Bobby Zamora und Djibril Cisse verfügt man über namenhafte Verstärkung, die sich bereits im europäischen Fussball einen Namen gemacht hat. Doch es kam wie es kommen musste. West Ham nutzte auch den zweiten katastrophalen Abwehrfehler eiskalt aus und ging mit 2-0 in Führung. Ricardo Vaz Te war nach schöner Vorarbeit von Guy Demel zur Stelle. Dies war gleichzeitig auch der Halbzeitstand. Während die West Ham Anhänger ihr Team mit Beifall in die Kabine begleitete, war auf der anderen Seite ein gellendes Pfeifkonzert zu hören.

In Halbzeit zwei schickte QPR-Coach Mark Hughes Adel Taarabt aufs Feld. Nach knappen 10 Minuten sollte jedem im Stadion klar geworden sein, dass es eine Fehlentscheidung war, den Jungen auf der Bank schmorren zu lassen. Taarabt beschäftigte die West Ham Defensive fast im Alleingang. Eben dieser Taarabt war es auch, der mit einem fulminanten Schlenzer aus 25 Metern das Spiel wieder spannend machte. In den letzten 20 Minuten warf QPR alles nach vorne, schwächte sich aber selbst durch den Platzverweis von Samba Diakite. West Ham setzte mit dem einzigen Stürmer Andy Carroll nur noch auf Konter. Das ein oder andere Mal stockte dem West Ham Block noch der Atem, aber die Mannschaft schaukelte den knappen Sieg gerade noch über die Zeit.

Ein geiles Derby, in dem Referee Mark Clattenburg alle Hände voll zu tun hatte, ging zu Ende.

Zahlreiche hart geführte Zweikämpfe, 10 gelbe Karten, 1 gelb-rote Karte, 3 Buden, geile Stimmung. Fussballherz, was willst du mehr ?

Tag 4         Stamford Bridge: Chelsea London

 

Der letzte Tag stand ganz im Zeichen des FC Chelsea. Nachdem wir bereits am Samstag im Londoner Süden beim FC Fulham Premier League Luft schnuppern durften, war nun der (Alle Bayern-Fans mögen es mir verzeihen) amtierende Champions League Sieger an der Reihe. Identisch zum FC Arsenal wurde auch hier das gesamte Repertoire aufgefahren, was es in einem Fussballstadion zu sehen gibt. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde unserer international angehauchten Gruppe (Australier, Mexikaner, Brasilianer, Norweger,Amerikaner) gings sofort in den Presseraum. Im Gegensatz zum FC Arsenal war alles ein wenig kleiner und eher weniger modern. Kaum vorstellbar, dass an einem Champions League Spieltag dort über 200 Journalisten Platz finden sollen. Beeindruckend war jedoch das Gefühl, auf dem gleichen Stuhl Platz nehmen zu dürfen, wie es einst Jose „The Special One“ Mourinho tat.

Die Gäste-Kabine sollte hier eher weniger erwähnt werden, da diese nichts besonderes versprühte. Dennoch brachte sie die lustigste Anekdote des Tages mit sich. Vor ein paar Jahren war es wohl vor jedem Spiel gegen Manchester United an der Tagesordnung, dass Bedienstete von ManU darum baten, dass doch der Spieler mit der Nummer 7 gerne einen Spiegel neben seinem Platz hätte. Den Fussballfachleuten brauch ich ja nicht erklären, wer regelmäßig für diesen Eklat sorgte…

Anschließend durften wir einen Blick in die Kabine der „Blues“ wagen. Auch hier wurde deutlich, dass die Stamford Bridge schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Kurios allerdings ist die Anordnung der Sitzplätze. Alle Spieler, die die gleiche Muttersprache sprechen, sitzen beim FC Chelsea nebeneinander. Demnach gibt es sowohl eine englische, eine spanische und eine brasilianische Ecke. Neuzugänge wie Marco Marin sitzen nah bei den englischen Spielern, um die Amtssprache schneller zu lernen.

Danach gings endlich raus „on the pitch“. Unser Guide erläuterte kurz die wichtigsten Daten und ließ allen Leuten genug Zeit, die nötigen Schnappschüssen einzufangen. Die Tour endete am sogenannten Matthew-Harding-Stand, der Heimkurve der Blues.

Auch hier war eine anschließende Tour durchs Clubmuseum im Preis enthalten, wo zahlreiche Erfolge der nahen Vergangenheit unter Roman Abramowitsch ihre Erwähnung fanden.

 

Am Abend wurde noch ein letztes Mal auf einen unvergesslichen Trip angestoßen, sodass man am Folgetag ruhigen Gewissens die Heimreise Richtung Deutschland antreten konnte.

London: 4 Stadien in 4 Tagen - die Impressionen