Auf'm Platz on Tour

in Wolfsburg!

Samstag, 15:30 Uhr. Für jeden Liebhaber des Fußballs ist dies meist die Zeit, wo man entweder selber im Stadion ist oder es sich zuhause vor dem Fernseher gemütlich macht, um seinem Lieblingsbundesligaverein die Daumen zu drücken, oder sich entspannt die Konferenz anzuschauen. Auf'm Platz-Redakteur Ben Tautz nutzte am vergangenen Samstag seine Freizeit und reiste mit dem Zug seinem FC Schalke 04 nach Wolfsburg hinterher, der nach mittlerweile zehn Jahren zum ersten Mal mit drei Punkten die Heimreise aus der Autostadt antreten konnte.

Von Ben Tautz

Als ich am frühen Sonntagmorgen erschöpft in mein Bett fiel und den Tag Revue passieren ließ, stellte ich fest: Die Ein-Tages-Tour nach Wolfsburg hatte sich, trotz der stolzen 18,70 € für eine Stehplatzkarte, voll und ganz gelohnt, denn der FC Schalke 04 konnte nach zehn langen Jahren endlich wieder beim VfL Wolfsburg siegen (zuletzt am 25. Januar 2003 mit 2:1).

Die VW-Arena von außen.
Die VW-Arena von außen.

Schon um 8.06 Uhr sollte der Zug am Samstagmorgen in Richtung Wolfsburg vom Hauptbahnhof in Gelsenkirchen abfahren. Heißt: Um halb 7, also für ein Wochenende mitten in der Nacht, aufstehen, um überhaupt erst einmal zum Hauptbahnhof zu kommen. Dort angekommen, eben schnell meine Leute begrüßt und ein Zugticket gekauft. 8,40€ für den ganzen Tag durch Deutschland fahren. Ein Schnapper!

   Schon konnte die Reise losgehen. Mit Umstiegen in Essen, Bielefeld und Hannover erreichten wir gegen 14 Uhr, also nach knapp sechs Stunden Fahrzeit, die Autostadt. Übrigens ist es kein Wunder, warum man mit der Stadt Wolfsburg immer Autos in Verbindung bringt. Denn es ist, zumindest was ich gesehen habe, alles voller irgendwelcher VW-Werke. Doch viel von Wolfsburg habe ich nunmal nicht gesehen. Wir verließen den Wolfsburger Bahnhof und nach knapp fünf Minuten Fußmarsch in Begleitung vieler Polizisten, die entweder auf Pferden oder auch zu Fuß unterwegs waren, konnte man schon die VW-Arena sehen. Nur wenige Minuten später stand ich schon im Stadion.

Die VW-Arena kurz nach Stadionöffnung.
Die VW-Arena kurz nach Stadionöffnung.

"Ist das ein hässliches Stadion", höre ich einen Schalker unweit von mir sagen. Damit hat er nicht unrecht, denn die VW-Arena ist definitiv nur mehr Schein als sein. Von außen ist es recht schön, aber sobald man das Stadioninnere betritt ist dieser Eindruck schnell erloschen. Einfach ein Stadion wie viele andere auch, nichts besonderes eben. Auch die Sicht aus dem Stehplatzgästeblock lässt von vielen Plätzen zu wünschen übrig, denn vor allem in den unteren Reihen hat man die einmalige Chance das Spiel durch einen Zaun zu gucken.

   Wie immer ging es an den üblichen Bratwursttest, der allerdings heute anders ausfallen sollte: Das Backfischbrötchen für 3,90 € war zwar sehr teuer, aber lecker. Doch der VfL scheint mit allen Mitteln Geld machen zu wollen. So muss man, um sich ein Getränk oder etwas zu Essen zu kaufen, sich zunächst eine Bezahlkarte aneignen, die zehn Euro Pfand kostet. Clever ist es dann von den Wolfsburgern, nur zwei dieser Bezahlkartenstände zu machen, so dass es nach Abpfiff der Partie unter Umständen sehr lange dauern kann, diese zehn Euro wieder zu bekommen.

Leider etwas unscharf, aber dennoch zu erkennen: Der Stehplatzgästeblock komplett umzäunt.
Leider etwas unscharf, aber dennoch zu erkennen: Der Stehplatzgästeblock komplett umzäunt.

Das Stadion füllte sich mehr und mehr und die Spieler liefen zum Warmlaufen ein. Begrüßt von einem Gesang gegen den Erzfeind aus Dortmund wurde den Profis sofort verdeutlicht, was nächste Woche anstehen solle: das Derby. Zum Einlaufen der Mannschaften reckten einige Schalker-Fans im Stehplatzblock "ViaNoGo"-Zettel in die Luft, was ein Protest gegen die Internetplattform Viagogo ist, welche Eintrittskarten zu überteuerten Preisen verkauft. Diese Plattform ist ab kommender Saison offizieller Sponsor des FC Schalke 04 und die aktiven Fans versuchen durch eine Unterschriftenaktion diesen Beschluss außer Kraft zu setzen. Um Protestaktionen zu verhindern, scheinen die Schalker Offiziellen übrigens alles zu tun: So wurde es nur wenige Stunden vor Stadionöffnung verboten, DIN A4-Zettel mit "ViaNoGo" mit ins Stadion zu nehmen, doch dies half nichts und so fanden sich doch einige viele Zettel im Block wieder.

 

Begleitet wurden die Schalker  von vielen Polizisten. Hier sind zwei von diesen zu sehen.
Begleitet wurden die Schalker von vielen Polizisten. Hier sind zwei von diesen zu sehen.

Sowohl auf dem Platz, als auch auf den Rängen wurde schnell klar, welcher Verein am heutigen Samstag das Sagen haben sollte. Schalke spielte über weite Strecken klar besser und ging durch Julian Draxler mit 1:0 in Führung, welcher kurze Zeit später die Chance zum 2:0 auf dem Fuß hatte, doch der Torpfosten wusste dies zu verhindern, so dass es mit 1:0 in die Halbzeit ging. Auf den Rängen hörte man nicht einmal einen VfL-Fangesang, im Gegenteil. Man hörte ausschließlich Schalke.

   In Hälfte Zwei glichen die Wolfsburger aus, bevor Schalke durch Tore von Draxler, Jefferson Farfan und Klaas-Jan Huntelaar mit 4:1 gewinnen konnte. Die Spieler gingen freudestrahlend in die Schalke-Kurve und wurden mit Liedern, die verdeutlichten, welch wichtiges Spiel am kommenden Samstag anstehen soll, zum Duschen geschickt.

   Der Rückweg sollte auch wieder knappe sechs Stunden dauern, doch anstatt einem Umstieg in Hannover, gab es einen in Minden. Dort verhinderte die Polizei ein Zusammentreffen der Schalke- und Hannover Fans und auch der Umstieg in Essen verlief mehr oder weniger ohne Probleme.

   Definitiv muss ich sagen, dass Wolfsburg an sich überhaupt keine Reise wert ist, aber was tut man nicht alles für seinen Verein?!

Aufstellungen, Tore & Zuschauer

VfL Wolfsburg:

Benaglio - Hasebe (76. Fagner), Naldo (30. Kyrgiakos), Kjaer, Schäfer - Josué (67. Perisic), Polak - Vieirinha, Diego, Olic - Dost


FC Schalke 04:

Hildebrand - Höger, Höwedes, Matip, Kolasinac - Jones, Neustädter (46. Metzelder) - Farfan, Draxler (89. Raffael), Bastos (78. Barnetta) - Huntelaar


Tore: 0:1 Draxler (33.), 1:1 Olic (50.), 1:2 Draxler (63.), 1:3 Farfan (79.), 1:4 Huntelaar (86.)


Zuschauer: 29.326

 

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)