Auf'm Platz on Tour

in Uerdingen

Beim Betreten des Stadions, der altehrwürdigen Grotenburg Kampfbahn, fühlt sich der Besucher in die Vergangenheit versetzt. Es riecht nach ehrlichem Fußball, nach Leidenschaft, ja es riecht nach Europokal. 1986 spielte der FC Bayer 05 Uerdingen in der heimischen Grotenburg im Halbfinale des ‚Europapokal der Pokalsieger‘ gegen Atletico Madrid. Im vorangegangenen Viertelfinale konnten sich die Uerdinger gegen den DDR Meister Dynamo Dresden durchsetzen. Dabei sah es hoffnungslos aus. Im damaligen Ostdeutschland wurde das Hinspiel mit 0:2 verloren.

präsentiert von:

Von Michael Ketzer

Im Rückspiel führte der Gast aus Dresden mit nach 45 Minuten mit 3:1. Bayer 05 schien ausgeschieden. Doch eine denkwürdige zweite Halbzeit nahm ihren Lauf. Fünf Tore waren nötig – Uerdingen erzielte sechs und gewann mit 7:3. Im vorangegangenen Jahr, am 26. Mai 1985, gewann Uerdingen im Olympiastadion in Berlin vor 70.000 Zuschauern den DFB Pokal. Gegen den großen FC Bayern München konnte man sich am Ende mit 2:1 durchsetzen.

Horst Feilzer und Wolfgang Schäfer egalisierten den Führungstreffer von Dieter Hoeneß. Erfolgstrainer war ein gewisser Karl-Heinz Feldkamp. Weitere, bekannte Mitglieder des Erfolgteams waren u.a. Friedhelm Funkel, Wolfgang Funkel, Rudi Bommer, Toni Puszamszies, Michael Dämgen oder Werner Vollack. Es schien so, als würde den Krefeldern eine glorreiche Zeit bevorstehen. Doch, die Platzierungen im Oberhausen wurden kontinuierlich schlechter. Die ältere Generation der Uerdinger Fans ist bis heute der Meinung, dass mit dem Weggang Feldkamps, 1987 in Richtung Frankfurt, auch der Niedergang des Vereins begann. Aufgestiegen 1983 konnte sich der FC Bayer 05 bis 1991 in der Bundesliga halten, ehe man sich wieder in die 2.Liga verabschiedete. Unter dem mittlerweile als Trainer agierenden Friedhelm Funkel entwickelte sich der Verein zu einer so genannten Fahrstuhlmannschaft und es folgten erneute Auf- und Abstiege. 1995 geriet der Traditionsverein in finanzielle Schieflage. Die Bayer AG sah sich nicht mehr in der Lage, zwei Profiklubs im deutschen Fußball zu unterstützen. Man entschied sich für Leverkusen und gegen den Standort Krefeld. Im Jahre 1996 absolvierte der mittlerweile neugegründete und umbenannte Verein, KFC Uerdingen 05, das bisher letzte Bundesligaspiel. Mit 2:0 wurde am Hamburger Millerntor der FC St. Pauli besiegt. Damaliger Doppeltorschütze war ein gewisser Eric Meier.

Es folgte eine jahrelange Misswirtschaft und der traditionsreiche Verein aus dem Krefelder Stadtteil Uerdingen fand sich nach finanziellem wie auch personellem Missio Sanguinis in den Niederrungen des deutschen Fußballs wieder. In nur 13 Jahren stieg der Verein von der ersten Bundesliga bis in die sechstklassige Niederrheinliga (ehemals Verbandsliga) ab. Lange war es ruhig um den ehemaligen Werksverein, dessen Stadion direkt neben dem Krefelder Zoo liegt. 2009, Präsident und Mäzen des Vereins ist mittlerweile ein gewisser Agissilaos Kourkoudialos, welchen alle nur ‚Lakis‘, dem Namen seiner Immobilienfirma, rufen, sorgte der Verein in Deutschland wieder für Schlagzeilen, welche es bis in die Nachrichtenausgaben einiger TV-sender geschafft hat. Aílton Gonçalves da Silva, bekannter unter seinem Rufnamen Ailton, wurde vom chinesischen Club Chongqing Lifan verpflichtet. Doch bekannter war der neue Star in der rheinischen Stadt natürlich durch seine Zeit bei Werder Bremen. 2004 holte er mit den Werderanern das Double als auch den Titel des besten Torschützen der Bundesliga. Doch Ailton war eben Ailton und er machte was er wollte. Nach mehreren Undiszipliniertheiten, 13 spielen und vier Toren verabschiedete sich der Kugelblitz wieder aus Krefeld und heuerte beim FC Oberneuland an.

Nach 17 Jahren sportlicher Talfahrt feierte der KFC Uerdingen im Frühjahr 2011 endlich mal wieder einen Aufstieg. Unangefochten auf Platz 1 der Niederrheinliga stieg das Team in die mittlerweile wieder abgeschaffte NRW-Liga auf. Der Verein wollte viel und gab den Durchmarsch in die viertklassige Regionalliga als Ziel aus. Dieses Ziel wurde allerdings verpasst. Als Achtplazierter so gerade noch die Relegation erreicht, musste man sich in dieser dem aus Essen stammenden FC Kray geschlagen geben. Doch der KFC schien den Tiefschlag zu verkraften. Aktuell spielen sie in der neuformierten Oberliga Niederrhein und sind dort nach 20 absolvierten Spieltag unangefochtener Tabellenführer. 18 Mal konnte der KFC als Sieger den Platz verlassen, zwei Mal musste man sich die Punkte teilen. Verloren wurde schlussfolgernd in dieser Saison, stand heute, 15.12.2012, nicht. Am heutigen Samstag wurde Sieg Nummer 18 eingefahren. Mit 1:0 konnte man den von der Insolvenz bedrohten ETB SW Essen wieder zurück zum Uhlenkrug schicken. Jedoch sah es nicht von Beginn an so aus, dass der ETB als Verlierer vom Platz gehen würde.

Unbeeindruckt von den negativen Medienberichten, beispielsweise über eine eventuelle Schwierigkeit bezüglich der Gehaltszahlungen, gewann SW Essen zuerst an Überhand und scheiterte enteder am Krefelder Schlussmann, Sascha Samulewicz, oder an den eigenen Nerven. Mitte der ersten Hälfte gestaltete sich das Spiel zu einem ausgeglichenem solchen. Uerdingen kam in Fahrt doch Schwarz-Weiß Torhüter Tobias Ritz parierte des Öfteren hervorragend. Die Krefelder Emreh Uzun, Benjamin Baltes und El Houcine Bougjdi konnten auch hier den Ball nicht im Tor unterbringen. Nach einem relativ fairen und ausgeglichenen ersten Durchgang wurde die Gangart in Hälfte zwei ruppiger. Essens Kapitän Kamil Bednarski konnte einen sehenswerten Lupfer zwar über Samulewicz bringen, jedoch landete dieser nicht im Tor sondern auf dessen Netz. Auf der anderen Seite waren es Issa Issa und Erah Uzun, welche den Ball nicht ins Tor beförderten. Wie bereits erwähnt, die Mittel wurden unfairer und entsprachen oft nicht der im Reglement stehenden Richtlinien. In Minute 70 begannen verrückte sechs Minuten. Zuerst wurde Essens Mahmoud Najdi nach wiederholtem Foulspiel unter die Dusche geschickt. Drei Zeigerumdrehungen später erzielte der Toschützevom Dienst, Issa Issa, sein Tor Nummer 22 in dieser Saison. Kompromisslos hämmerte der gebürtige Beiruter den Ball aus 10 Metern in die Maschen. Erneute drei Zeigerumdrehungen später war der Gast aus Essen sogar nur noch zu neunt. Pier Schulz folgte Najdi in die Kabine, da er ebenfalls die Ampelkarte gesehen hat. Da wusste noch niemand, dass die Gäste vom Essener Uhlenkrug das Spiel sogar mit nur sieben Mann beenden wird. Der Krefelder Publikumsliebling Meik Kuta setzte in der Manier eines David Odonkors seine unfassbare Schnelligkeit ein und entwich der schwarz-weißen Hintermannschaft wie im Fluge. Beim Versuch den Essener Torwart, Tobias Ritz, zu umkurven senste dieser Kuta regelrecht um und sah folgerichtig die rote Karte. Nach einigen Tumulten auf dem Feld konnten die letzten drei Minuten des Spiels noch absolviert werden.

Aufstellungen:

 

KFC Uerdingen:

Samulewicz – Yavuz, Jakubowski, Alexiou, Korte – Issa, Ellguth – Baltes (80. Kremer), Saka (58. Celik), Bougjdi – Uzun (63. Kuta)

 

ETB SW Essen:

Ritz – Forsmann (85. Oertgen), Kasak, Clever, Rott – Walther, Najdi – El-Hossaini, P. Schulz, Bednarski – Essomé (88. J. Schneider)

 

Tore: 0:1 Issa Issa, 73. Minute

 

Zuschauer: 1.851

 

Bes. Vorkommnisse: Gelb-Rote Karten Najdi (ETB, 70., wdh. Foulspiel), P. Schulz (ETB, 76., wdh. Foulspiel), Rote Karte Ritz (ETB, 87., grobes Foulspiel)

Impressionen zum Spiel: