Auf'm Platz on Tour

beim kleinen Revierderby!

Was lieben Fußballer auf der Welt Derbys. Ob es jetzt Schalke gegen Dortmund ist, das Mailänder Derby oder City gegen United. Es gibt aber auch noch die sogenannten kleinen Derbys, wie beispielsweise Bochum gegen Duisburg. In der heutigen Zeit sind es gerade diese Spiele, die den Fan wieder Leben einhauchen in einer sportlich schwierigen Zeit. So ist es auch für die zweite Liga nicht selbstverständlich, wenn über 14.000 Zuschauer nach Bochum pilgern, um 90 Minuten Fußball sehen zu können. Auf'm Platz-Redakteur Ben Tautz schloss sich kurzerhand dieser Masse am letzten Freitag an.

Von Ben Tautz

Man stelle sich einmal folgendes Telefonat mit Alex, einem guten Freund, am letzten Donnerstag vor: „Ey Ben, hast du morgen Abend schon was vor?“ - „Nein, bisher nicht.“ - „Hast du Bock Fußball gucken zu gehen?“ - „VfL Bochum- MSV Duisburg? Bin dabei!.“ Anschließend schnell im Internet geguckt, wie teuer die Karten sind und am nächsten morgen fragten Alex und ich in der Schule herum, ob noch wer Bock hatte mitzukommen.

Das rewirpowerSTADION - die Heimat des VfL Bochum seit über 100 Jahren.
Das rewirpowerSTADION - die Heimat des VfL Bochum seit über 100 Jahren.

Schließlich erbarmte sich Henry und wir trafen uns um 16 Uhr am Gladbeck West Bahnhof. Ohne Verspätung kamen wir am Bochum Hbf an, doch keiner kannte sich aus. Auch Alex nicht, der trotz seiner Leidenschaft zum VfL, eher selten im Stadion ist. Soweit so gut. Einfach der Masse hinterher in die Bahn eingestiegen, bis durch die Lautsprecher „Nächster Halt rewirpowerSTADION“ ertönte. Waren das noch Zeiten, als es den Fußball ohne Sponsor-Stadionnamen gab. Ich kann mich noch gut an ein Spiel von Schalke im guten alten Ruhrstadion erinnern, welches ganz früher Stadion an der Castroper-Straße hieß. Doch seit Beginn der Saison 2006/2007 hat auch die zunehmende Kommerzialisierung im Fußball den Stadionnamen der Bochumer erwischt.

Die Fans des VfL Bochum singen "Bochum" von Herbert Grönemeyer unmittelbar vor Anpfiff.
Die Fans des VfL Bochum singen "Bochum" von Herbert Grönemeyer unmittelbar vor Anpfiff.

Wir stiegen aus der Bahn aus und blickten direkt aufs Stadion, welches meiner Meinung nach zu einem der schönsten in ganz Deutschland gehört und ich habe schon einige gesehen. „Einfach ein astreiner Ort um guten Fußball zu sehen“, flachste Alex, kurz bevor wir unsere Karten kauften. Nach kurzen Diskussionen in welchen Block der „Ostkurve“ - der Heimat der aktiven Fußballfans - wir gehen sollten, setzte ich mich (ja, da bin ich schon stolz drauf) schließlich durch und wir fanden uns recht mittig hinterm Tor wieder. Es waren noch fünf Minuten bis zum Anpfiff: Während Alex ganz hibbelig seinen Schal herausholte um ihn zu den Worten von Herbert Grönemeyers „Bochum“ in die Luft zu streckten lauschten Henry und ich der Atmosphäre. Knapp über 14000 Zuschauer fanden sich für das kleine Revierderby im Stadion ein, wovon ich schätze ca. 2000 Zebras aus Duisburg den Weg in den Gästeblock fanden. So sang der Rest laut und inbrünstig „Bochum, ich komm aus dir“, bevor die Mannschaften das Spielfeld betraten. Beide Teams kamen nur sehr schwer ins Spiel und man kann auch sagen, dass es über die gesamten 90 Minuten kein gutes Fußballspiel war. Die Zebras gingen zwar vor der Halbzeit in Führung, „aber ein Rückstand ist beim VfL ja nichts neues“, erzählte mir ein Anhänger der Bochumer in der Halbzeitpause am Bratwurststand. Ergebnis: 2,50€ für eine Bratwurst, aber schmeckt sehr hervorragend!

Eine Spielszene in der zweiten Halbzeit.
Eine Spielszene in der zweiten Halbzeit.

   Die Bochumer kamen nach der Halbzeit besser ins Spiel und gingen schließlich mit 2:1 in Führung, welche bis zur 89. Minute stand hielt. Timo Perthel, eigentlich linksfuß, schnappte sich den Ball, zog von der linken Seite in die Mitte und hämmerte den Ball aus 25 Metern mit dem rechten Spann unhaltbar in den Winkel. Die Fans verließen fluchtartig das Stadion und man merkte an den Blicken, dass es beim VfL auch schon einmal bessere Zeiten gab. In der Saison 2003/2004 wurde man sogar in der Bundesliga 5. und erreichte die UEFA-Cup Qualifikation. Doch nach dem verpassten Direktaufstieg nach dem Abstieg 2009/2010 läuft es beim VfL nicht rund. Letzte Saison wurde n die Bochumer 11. und derzeit ist man nur 13. mit nur fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz zum Klassenerhalt.

   Wir erwischten direkt die erste Bahn zum Bochum Hbf, stiegen ohne große Probleme in Essen um und erreichten Gladbeck am frühen Abend. Den Abend ließen wir gemütlich ausklingen und ich schmiedete schon Pläne für meine nächste „Auf´m Platz-onTour-Story“: nächsten Sonntag geht’s quer durch Deutschland zum Spiel VfL Wolfsburg – FC Schalke 04. Ich freu mich!

Aufstellungen, Tore & Zuschauer:

VfL Bochum:

Luthe - Rothenbach, Maltritz, Eyolfsson, Lumb - Kramer, Sinkewicz - Goretzka, Toski (66. Iashvili), Rzatkowski - Scheidhauer (79. Gelashvili)

 

MSV Duisburg:

Wiedwald - Brosinksi, Bomheuer (46. Lachheb), Baijic, B. Kern (64. Dum) - Koch, T. Öztürk - Brandy, Wolze, Perthel - Exslager

 

Tore: 0:1 Exslager (37.), 1:1 Sinkewicz (51), 2:1 Kramer (56.), 2:2 Perthel (89.)

 

Zuschauer: 14.127