Auf'm Platz on Tour

beim FC St. Pauli, Millerntor

Ein Sommerjahr kann man 2012 nicht nennen - zumindest nicht in unseren Städten. Was macht man? Urlaub. Was macht man, wenn das Wetter dort auch durchwachsen ist? "... on Tour" sein. Der Jüngste der Auf'm Platz-Familie machte sich von seinem Urlaubsort auf und besuchte das Vorbereitungsspiel St. Pauli gegen den FC Aberdeen, den schottischen Erstligisten. Doch bis es wirklich dazu kam, wurden die Nerven von Ben Tautz ordentlich strapaziert. Beim Betrachten der Bilder bekommt man aber auch den Eindruck, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

präsentiert von:

Von Ben Tautz

Sommerpause. Da fallen mir spontan viele Assoziationen ein: Langeweile, Sommerloch, Nichts zu tun, trocken, ereignislos,... . Sicherlich würden mir da noch mehr einfallen, aber für den begnadeten Fußball Fan – nein, damit meine ich nicht diejenigen, die sich dem EM-Hype anschließen und auf einmal für vier Wochen die größten Fanatiker auf der ganzen Welt sind, damit meine ich diejenigen, die sich nichts sehnlicher wünschen als den Saisonstart im Profi,- bzw. Amateurfußball – ist das alles nicht das Gelbe vom Ei.

Einfach eine geile Eintrittskarte
Einfach eine geile Eintrittskarte

Deshalb habe ich mich schon lange vor meinem mehrwöchigen Sommerurlaub in Husum auf den Homepages vieler Nordvereine nach Testspielen erkundigt und hatte mir ein paar Schmankerl herausgesucht, doch viele geplante Fahrten sind geplatzt. 100 Jahre Deutsche Meisterschaft Jubiläumsspiel von Holstein Kiel gegen Hamburger SV – kein Fahrer, 125 Jahre Hamburger SV – FC Barcelona – keine Karte, Holstein Kiel gegen FC St. Pauli – verpasst. So fiel die Wahl auf das Testspiel am vergangenen Samstag, FC St. Pauli gegen FC Aberdeen im Stadion am Millerntor auf St. Pauli. Der Tabellenvierte der vergangen Zweitligasaison (punktgleich mit dem Aufsteiger Düsseldorf) gegen den neunten der schottischen Liga. Bereits zwei Wochen vorher kaufte mein Cousin Tim die Karten über den Pauli-Ticketshop. „Geil“, dachte ich mir, „Oberrang über der Heimkurve und dann auch noch erste Reihe.“ Wir fieberten dem Tag entgegen, bis er endlich gekommen war. Schnell noch das Frikadellenbrötchen von der Mutti eingepackt und dann um Punkt 8:31Uhr in den Zug von Husum nach Hamburg. Zwei Stunden später, nach einem Umstieg in Elmshorn betraten wir Hamburger Boden. Es regnete. Kurzweilig waren die noch zu vertreibenden fünf Stunden bis zum Anpfiff des Spiels. Einmal kurz durch die Hamburger Innenstadt geschlendert, am Rathaus vorbei bis zum Jungfernstieg. Ein paar Geschäfte auf dem Weg dorthin abgeklappert, ehe es dann nach Jim Block zum Hamburger essen ging – der Schuppen ist echt nur zu empfehlen! Von da aus ab nach St. Pauli: Einmal über die Reeperbahn, wo die Schotten in einem britischen Pub feierten und die Kirmes, dem Hamburger Dom, gelaufen und danach ging es zum Stadion.

Auf'm Platz am Millerntor
Auf'm Platz am Millerntor

Am Vereinsheim schnell noch ein leckeres Bierchen gekauft, ein paar Fotos geschossen und dann ab in das Stadion, welches zur Zeit umgebaut wird. Deshalb waren nur die Heimkurve und die Haupttribüne geöffnet. Jedoch wird es nicht mehr lange Zeit dauern, bis die Gegengerade auch offen ist. Der Gästeblock war für die ca. 200 anwesenden Schotten auch geöffnet. Wir setzten uns auf unsere Plätze und hatten sogar richtiges Couchfeeling. Gepolsterte Sitze und dann konnte man sogar noch die Füße auf eine kleine Mauer legen.

So kann man nicht überall sitzen
So kann man nicht überall sitzen

Das Stadion füllte sich langsam und es fanden sich am Ende satte 8402 Zuschauer ein. Für ein Testspiel eines Zweitligisten meiner Meinung nach echt viel. Eine nette Geste von Pauli war es, knapp zwanzig Minuten vor Anpfiff das Vereinslied von Aberdeen zu spielen. Unmittelbar vor Anpfiff wurde Fabian Boll, Spieler vom St. Pauli, für zehn Jahre bei ein und demselben Verein geehrt. Das Spiel selbst kann man in wenigen Sätzen beschreiben: Chancen auf beiden Seiten, mehrmalige Aluminum-Treffer in der ersten Hälfte und ein Halbzeitstand von 0:0. In der zweiten Hälfte das gleiche Bild, aber in der 63. Minute konnte Marius Ebbers für die 1:0-Führung sorgen. Nach einer Unachtsamkeit in der Pauli-Abwehr gelang Niall McGinn kurze Zeit später der Ausgleich. (71.). Die Stimmung war während der ganzen 90 Minuten ganz gut, allerdings weiß ich nicht wie diese sonst bei Pflichtspielen ist, wenn auch die heimischen Ultras für Unterstützung der Mannschaft sorgen.

Gehört zu einem Besuch in Hamburg einfach dazu: die Reeperbahn!
Gehört zu einem Besuch in Hamburg einfach dazu: die Reeperbahn!

Nach Abpfiff entstand ein witziges Szenario: Während die Paulianer schon in der Kabine waren, bat Aberdeen-Trainer Craig Brown seine Akteure, die heute nicht zum Einsatz kamen, zu kurzen Sprintübungen. Beim Ankommen der Spieler an der Außenlinie wurden diese von den Anhängern der Heimmannschaft mit Laola-Wellen bejubelt.

   Wir verließen unsere Plätze und gingen über die Haupttribüne in Richtung Gästeblock, wo die ersten 6-7 Reihen vom Zustand her große Ähnlichkeit mit dem Gladbecker Stadion hatten – echt kein schöner Anblick.

   Anschließend ging es noch einmal zur Kirmes, ehe es mit einem kurzen Zwischenstopp an den Landungsbrücken, wo der Welt-Astra-Tag mit einigen Bands gefeiert wurde, zum Bahnhof Hamburg-Altona. Dort wurde der Zug nach Husum genommen und gegen 23 Uhr lag ich todmüde, nach einem schönen Tag mit viel Spaß, vielen Impressionen und vor allem mit Live-Fußball, im Bett.

Impressionen