Udo Hauner: „Platz sechs bis neun wäre schon eine echte Hausnummer“

Mannschaftsvorstellung

Der SV Adler Osterfeld begeisterte in der Vorsaison die Massen und zählte zu den positiven Überraschungen. Mit ganz gezielten Verpflichtungen sieht Cheftrainer Udo Hauner den nach wie vor finanziell klamm aufgestellten Bezirksligisten nun noch breiter aufgestellt. Qualität bringen die Neuzugänge auch alle mit. Dennoch glaubt Hauner das Ergebnis aus der letzten Spielzeit nicht wiederholen zu können. Obwohl es keinen einzigen Abgang gab. Nach dem ersten Pflichtspiel blickt das Team aus dem Waldstadion Rothebusch trotz Pokal-Aus optimistisch in die Zukunft - obwohl der Saisonstart holprig werden dürfte.

Von Raphael Wiesweg

Mannschaftsvorstellung Adler Osterfeld

Bezirksliga

„Chaotisch. Aber das war es sicher nicht nur bei uns, sondern auch bei vielen, anderen Vereinen.“ Adler Osterfelds Cheftrainer Udo Hauner blickt auf eine sehr unruhige Saisonvorbereitung zurück. Zahlreiche Spieler waren verletzt oder im Urlaub. Letzteres wird sogar noch zu Saisonbeginn der Fall sein, so dass etablierte Stammkräfte fehlen werden. Hauner ist bereits wieder voll in seinem Element. Zeit zum Abschalten gab es nach der letzten Spielzeit kaum. Zu wichtig waren die Personalplanungen. Dabei hätten alle Verantwortlichen Grund genug gehabt, länger und genüsslich zurück zu blicken.

Der Moment im Niederrheinpokalspiel gegen TuRa 88 Duisburg, als Kevin Imasua Schlimmstes befürchtet. Später sollte es sich bewahrheiten: Mittelfußbruch!
Der Moment im Niederrheinpokalspiel gegen TuRa 88 Duisburg, als Kevin Imasua Schlimmstes befürchtet. Später sollte es sich bewahrheiten: Mittelfußbruch!

   Saisonplatz drei hieß es am Ende der letzten Bezirksliga-Saison. Dafür, dass insbesondere die Tageszeitung den Adler als Abstiegskandidat Nummer eins vor Beginn der Spielzeit ansah, ließ sich das Endergebnis sehr gut lesen. Nur fünf Punkte hinter BW Oberhausen und die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga. So kann es weitergehen. Allerdings ist der Verein nach wie vor nicht auf Rosen gebettet. Der Geld-Schuh drückt noch gewaltig. Hauptsponsor Becker macht eigentlich nichts mehr, ziert dennoch die Brust des Adlers. „Unser Vorstandsvorsitzender kennt Becker seit 30, ich seit 20 Jahren. Wir haben ihm sehr viel zu verdanken, uns wurde jahrelang praktisch der Arsch hinterher getragen. Aus Respekt und Dankbarkeit haben wir auch weiterhin die Werbung von Becker auf unseren Trikots“, erklärt Hauner, der aber zugibt, weitere Kooperationen in naher Zukunft anzustreben. So unter anderem mit einem griechischen Restaurant, das ganz in der Nähe ansässig ist. „Wir können kein Geld bezahlen, die Spieler kriegen hier nichts. Deswegen muss man sie anders locken“, so Hauner. Somit bekommt man schon einen ersten Vorgeschmack auf die Gründe für die Transferaktivitäten. Denn wer sich die Neuzugänge anschaut, könnte denken, dass Adlers Übungsleiter den Zuschauern und Lesern nicht ganz die Wahrheit erzählt.

Udo Hauner: „Aus Respekt und Dankbarkeit tragen wir Becker auch weiter auf der Brust“

Kevin Strauch knüpfte in Runde eins des Niederrheinpokals mit teils überragenden Reflexen an seine bärenstarken Leistungen aus der Vorsaison an.
Kevin Strauch knüpfte in Runde eins des Niederrheinpokals mit teils überragenden Reflexen an seine bärenstarken Leistungen aus der Vorsaison an.

   Doch es stimmt tatsächlich. „In dieser Saison haben wir jetzt tatsächlich ausschließlich Spieler, die schon mal hier gespielt haben. Ob im Junioren- oder Seniorenbereich“, so Hauner. Ein Mehmet Dag hätte beispielsweise vom FSV Duisburg nicht unbedingt an die Siepenstraße wechseln müssen. „Mehmet hatte einige andere Angebote, auch höherklassig als Bezirksliga“, verrät sein Trainer. Serkan Al wollte auch schon länger zurück, weil es woanders „einfach nicht so funktioniert hat“. Jan Golombiewski trainiert in der Jugend schon bei Adler Osterfeld und spielt nun nicht mehr beim SV Rhenania Bottrop, sondern bei „seinem“ Stammverein. Torwart Norman Seitz war seit der D-Jugend bei den Adlern, ehe er für zwei Jahre sich bei Arminia Klosterhardt probierte. „Marius Baensch hat beispielsweise schon letztes Jahr zugesagt, hier hin zu kommen“, freut sich Hauner über mehr Optionen. „Letzte Saison war mir mulmig, weil wir wenige Spieler hatten. Jetzt ist mir mulmig, weil wir so viele gute Optionen haben.“ Ein Luxusproblem, das in der Bezirksliga nicht alltäglich ist. „Klar, wir haben uns nicht verschlechtert, aber die neue Liga ist auch noch stärker als in der Vorsaison. Wäre alles beim alten geblieben, hätte ich gesagt, dass wir wieder unter die ersten Fünf kommen. Jetzt wäre aber eine Platzierung zwischen Sechs und Neun schon eine echte Hausnummer“, stapelt Hauner tief. Vielleicht auch, weil ihm zum Saisonstart einige Spieler fehlen? Kevin Imasua sah die rote Karte im Niederrheinpokal, zog sich aber sowieso nach einem nicht geahndeten Foulspiel einen Mittelfußbruch zu. Erdem Saglam wird wegen Urlaub die ersten vier Wochen verpassen, Trainer-Sohn und Kopf der Mannschaft Tobias Hauner zwei Wochen. Manuel Werner wird erst zur Rückrunde spielberechtigt sein, weil er bereits ein Freundschaftsspiel in Hamborn absolviert hat. Andere Spieler sind noch angeschlagen, wie beispielsweise Jan Golombiewski. „Für uns wird es ein schwieriger Start. Viele Spiele werden die Saison auf Augenhöhe sein und erst im letzten Moment entschieden“, glaubt der 50-Jährige.

Testspiele in der Vorbereitung

Gegner Spielort Ergebnis 
 AXA-Cup von BW Fuhlenbrock BW Fuhlenbrock Turniersieger 
 SuS 21 Oberhausen (Kreisliga A) Auswärts 0:1 
 Arminia Klosterhardt (Landesliga) Heim 0:3 
 SC Buschhausen 1912 (Kreisliga A) Auswärts 2:1 

Auf'm Platz sprach mit Trainer Udo Hauner

Auf’m Platz: „Udo, spielt ihr nächste Saison wieder oben mit?“

Udo Hauner: „Nein, diese Saison wird es schwieriger. Platz sechs bis neun wäre schon eine echte Hausnummer. Wenn Teams wie Genc Osmann, Tura 88 oder Hamborn einen Lauf bekommen, sind sie nicht aufzuhalten. Wir werden vermehrt über die Zweikämpfe kommen müssen, wobei ich viele Teams noch gar nicht einschätzen kann. Hamborn aber hat beispielsweise glaube ich seit zwei Jahren oder so zu Hause nicht mehr verloren.“

 

Auf’m Platz: „Du sagst ihr wollt vermehrt über Zweikämpfe kommen. Es gab schon in der letzten Saison einige gegnerische Trainer, die gesagt haben, dass ihr nicht zimperlich spielt.“

Hauner: „Die Statistik zeigt, dass wir in keinster weise unfair waren. Wir waren im kämpferischen Bereich schon immer stark, das stimmt. Aber eine gewisse Härte muss auch sein und die wird auch weiterhin unser Pluspunkt sein.“

 

Auf’m Platz: „Warum glaubst Du, dass ihr euch verstärkt habt?“

Hauner: „Das Arbeiten fällt einfacher, weil es ein eingeschworener Haufen ist. Und ich betone immer, dass sich alle ligagerecht verhalten können.“

Hauner: „Zeigt einer keine Leistung, bekommt er Schwierigkeiten mit der Familie Adler“

Adler-Trainer Udo Hauner.
Adler-Trainer Udo Hauner.

Auf’m Platz: „Was heißt das?“

Hauner: „Ich kann den Jungs doch nicht verbieten feiern zu gehen. Sie müssen sich aber im Klaren sein, dass sie trotzdem Leistung bringen müssen, sonst kriegen sie Schwierigkeiten. Noch nicht einmal mit mir in erster Linie, sondern mit der Familie Adler Osterfeld.“

 

Auf’m Platz: „Was hat das auf sich mit der Familie?“

Hauner: „Ich kann mir Gott sei Dank die Spieler aussuchen. Es werden nur Spieler genommen, die ich kenne und nachdem ich mit der Mannschaft gesprochen habe. Wenn sie sagen, sie wollen den oder den nicht, dann kommt der nicht. Das Verhalten ist ganz wichtig.“

 

Auf’m Platz: „Du hast einen großen Kader jetzt. Da wird es zu nicht einfachen Entscheidungen kommen.“

Hauner: „Es wäre doch so gesehen erst einmal schön, wenn nicht jeder immer zum Einsatz kommen kann. Denn das würde bedeuten, dass ich viele Alternativen habe. Haben wir zu viele, können wir die Reserve verstärken, das ist auch schon so abgesprochen.“

 

Auf’m Platz: „Die Reserve erlebt einen totalen Neuanfang. Wie ist das Verhältnis zu ihr und ihrem Trainer Hendrik Biegisch?“

Hauner: „Ich kann nichts Negatives über ihn sagen, obwohl viel Negatives über ihn vorher gesagt wurde. Wir haben bisher eine gute Zusammenarbeit und wir hatten uns vorher zusammengesetzt und dabei habe ich ihm erzählt, wie meine Vorstellungen aussehen. In den nächsten Wochen kann er sich auf alle Fälle darüber freuen, echte Verstärkungen aus unserer Mannschaft zu bekommen.“

Transfers

Neuzugänge

Marius Baensch, Manuel Werner (beide SW Alstaden), Mehmet Dag (FSV Duisburg), Jan Golombiewski (SV Rhenania Bottrop), Norman Seitz (Arminia Klosterhardt), Serkan Al (VfB Bottrop), Gerald Bisana (A-Jugend BW Oberhausen)

 

Abgänge

-

Kader Adler Osterfeld

Hintere Reihe (v.l.):

Manuel Werner, Abdelaziz Boukdir, Celal Karabudak, Felix Ansah, Marvin Schiminski, Arne Bleckmann, Timo Pach, Tobias Hauner, Marvin Görlich, Gino Seggio, Mehmet Dag, Kevin Imasua, Co-Trainer Ecevit Bögus, Trainer Udo Hauner

 

Vordere Reihe (v.l.):

Marius Baensch, Mehmet Kafli, Oguzahn Kaman, Ehrem Cumcu, Kevin Strauch, Norman Seitz, Can Karabag, Okan Demircan, Enes Bayram, Jan Golombiewski

 

Es fehlen:

Erdem Saglam, Emrah Durdu, Serkan Al, Gerald Bisana

 

 

Hier geht es zu Adler Osterfeld bei Auf'm Platz

 

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