Christian Kinowski: „Der Klassenerhalt wäre der Hammer“

Mannschaftsvorstellung

Arminia Lirich steht zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der Bezirksliga. Cheftrainer Christian Kinowski hat es gleich in seinem ersten Jahr als Hauptverantwortlicher geschafft, sieht sich jetzt aber einer „richtig schweren Herausforderung“ entgegen. Die Mannschaft wurde gezielt verstärkt, der Topspieler trotz einiger Angebote wie der gesamte, restliche Kader gehalten und dennoch versucht Kinowski dem Segel den Wind zu nehmen. „Wir wollen die nächste Saison als Bonbon mitnehmen.“

Von Raphael Wiesweg

Mannschaftsvorstellung Arminia Lirich

Bezirksliga

Die Vorbereitung lief aber alles andere als so, wie Kinowski sich es vorgestellt hat. Allein die Suche nach einem geeigneten Fototermin für die Mannschaft stellt sich als sehr schwierig heraus. Ständig fehlen zahlreiche Spieler. Aus unterschiedlichen Gründen. Mal sind welche im Urlaub, mal einige verletzt. So war dann auch ganz schnell klar, dass eine Sache schon einmal gar nicht funktionieren wird: Das Einüben einer möglichen Vierer-Abwehrkette. „Keine Chance. Wir hatten zwischenzeitlich acht Verletzte, davon allein vier Abwehrspieler“, so Kinowski, der aber gar keinen großen Groll deswegen hegt. „Nein, das ärgert mich nicht. Ich spiele sowieso lieber mit Libero.“

Alles hört auf das Kommando vom Trainer Christian Kinowski.
Alles hört auf das Kommando vom Trainer Christian Kinowski.

   Also wird wie in der vergangenen Saison gespielt. Nicht alles, aber vieles bleibt beim Alten. Das Kommando hat auch weiterhin Christian Kinowski. Kein Wunder, nach so einer erfolgreichen Saison und das gleich in seiner ersten als verantwortlicher Übungsleiter. „Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen. Hier habe ich angefangen Fußball zu spielen, ich will hier gar nicht weg“, zeigt der Trainer seine große Liebe zum Verein. Alles beim Alten auch deswegen, weil tatsächlich alle Spieler gehalten werden konnten, die auch letzte Saison zum Kader zählten. Und damit unter anderem auch Ertunc Turan. „Dass wir keinen Abgang haben, ist sehr wichtig“, holt Kinowski aus, um auf Nachfrage zuzugeben, dass er insbesondere über den Verbleib von Ertunc Turan froh ist. „Gerade an Ertunc waren viele Vereine dran. Er hatte freie Auswahl und auch teils sehr gute Angebote. Aber er ist geblieben.“ Turan zieht die Fäden im Mittelfeld der Liricher und zählt zudem auch noch nach wie vor zu den Jüngsten. „Er kam erst letzte Saison aus der A-Jugend hoch und fühlt sich im zentralen Mittelfeld oder Sturm am wohlsten.“

Kein Spieler aus dem alten Kader hat bislang höher als Kreisliga A gespielt

Ertunc Turan hat mehrere (höherklassige) Angebote abgelehnt.
Ertunc Turan hat mehrere (höherklassige) Angebote abgelehnt.

Neben den Gebliebenen kamen ein paar neue Spieler hinzu. Es wundert die Insider überhaupt nicht, dass die Liricher rund um den Sportlichen Leiter Wolfgang Hattert vor allem offensiv fündig wurden. „Obwohl wir aufgestiegen sind, haben wir vorne viel zu viel liegengelassen. Wir brauchen unbedingt und unter anderem einen klassischen Stürmer, der einfach auch mal an der richtigen Stelle steht“, so Kinowski, der sich damit gar nicht falsch verstanden haben will, dass er nur schlechte Offensivspieler in seinen Reihen hat. „Unsere bisherigen Stürmer waren sehr beweglich, haben sich aber nun einmal daher auch viel zurückfallen lassen - und fehlten dadurch natürlich manchmal in vorderster Front.“ So freuten sich alle Verantwortlichen beispielsweise über Neuzugang Pierre Nienerza, der zudem mit der Älteste sein wird und somit auch Erfahrung mitbringt. Zuletzt aber auch immer wieder verletzt oder angschlagen war. „Bei ihm müssen wir mit der Belastung aufpassen“, so sein Cheftrainer, der weiß, wovon er bei der Personalplanung spricht. Schließlich war Kinowski einst selbst Stürmer. Umso überraschender ist sein Credo: „Ich will immer die Null halten, das ist das Wichtigste für mich in einem Spiel. Und die Abwehr fängt vorne bei den Stürmern an.“

   Dass am Ende aber vor allem die Abwehr auch aufmerksam sein muss, weiß Kinowski. „Retzerau, Fänger und Hinkemeier waren die Stützen, aber die haben nun einen richtig harten Gang vor sich in der Bezirksliga.“ Kein Wunder, dass Kinowski so urteilt. Denn: Bis auf so mancher Neuzugang hat vom restlichen Kader kein einziger Spieler jemals höher als Kreisliga A gespielt.

Testspiele in der Vorbereitung

Datum Gegner Spielort Anstoß/Ergebnis
16. Juli SV Budberg (Bezirksliga) Heim 0:2
20. Juli TSV Heimaterde (Kreisliga A) Heim 5:1
22. Juli Dinsloaken 09 (Kreisliga A) Heim 5:1
27. Juli GW Hamborn (Kreisliga B) Heim 11:2
31. Juli GW Holten (Kreisliga A) Heim 4:3
1. August VfR 08 Oberhausen (Kreisliga A) Heim 0:2
2. August BW Oberhausen (Bezirksliga) Heim 1:3
7. August Barisspor Bottrop (Kreisliga A) Heim 8:2 
13. August Hamborn 07 III (Kreisliga A) Heim 19 Uhr

Auf'm Platz sprach mit Christian Kinowski

Auf‘m Platz: „Es fällt auf, dass vor allem offensive Spieler verpflichtet wurden, Christian. Kein Zufall, oder?“

Christian Kinowski: „Nein, wir haben zu viele Chancen letzte Saison trotz des Aufstiegs liegen gelassen und brauchten vor allem auch einen klassischen Mittelstürmer, den wir in Pierre Nienerza nun haben.“

 

Auf‘m Platz: „Was zeichnet ihn aus?“

Kinowski: „Ich bin erst einmal froh, ihn bekommen zu haben, was ich nämlich schon seit zwei, drei Jahren versuche und ständig mit ihm telefoniert habe (schmunzelt). Er weiß, wo das Tor steht und steht selbst einfach mal im Fünfer, da wo ein Stürmer stehen muss. Jetzt hoffe ich, dass er fit bleibt, denn zuletzt hatte er wieder eine kleine Reizung im Knie, da müssen wir aufpassen.“

 

Auf‘m Platz: „Keiner hat Bezirksliga-Erfahrung - außer so mancher Neuzugang. Was sind die Unterschiede zur Kreisliga A?“

Kinowski: „Wir haben keine Erfahrung, die Gegner sind stärker. Wir haben in unserer Gruppe drei Landesliga-Absteiger, dazu drei türkische Mannschaften. Genc Osman hat sich unnormal verstärkt.“

Kinowski: „Gegen türkische Mannschaften ist es unangenehm. Die hören nie auf zu rennen“

Trainer Christian Kinowski.
Trainer Christian Kinowski.

Auf‘m Platz: „Warum ist der Respekt vor türkischen Mannschaften so groß?“

Kinowski: „Die hören nie auf zu rennen. Das ist wie bei Ertunc, der läuft und läuft und läuft und läuft... Einfach unangenehm zu spielen. Ist doch ätzend so etwas, oder? (lacht)“

 

Auf‘m Platz: „Du hast jetzt schon viele Mannschaften aufgezählt, die aller Voraussicht nach am Ende der Saison vor euch stehen. Da bleiben bald keine mehr übrig, die dann noch hinter euch stehen könnten.“

Kinowski: „Es wird auch sehr schwierig. Ich habe zuletzt auch noch mit Guido Contrino (Trainer SW Alstaden) gesprochen, der dem Abstieg ja erst in letzter Sekunde von der Schippe gesprungen ist. Er hat mir auch gesagt, dass es für uns brutal schwer wird. Packen wir den Klassenerhalt, wäre das mit dem Aufstieg gleichzusetzen. Das wäre der Hammer.“

 

Auf‘m Platz: „Letzte Saison lief im Prinzip alles glatt. Wovor hast Du in der nächsten Saison am meisten Angst?“

Kinowski: „Am meisten Angst habe ich davor, dass es nicht mehr läuft und der überragende Zusammenhalt verloren geht. Deswegen müssen alle verstehen, dass die nächste Saison als Bonbon mitgenommen werden soll.“

 

Auf‘m Platz: „Warum habt ihr euch dann nicht noch mehr verstärkt?“

Kinowski: „Bei uns gibt es 40 Euro Siegprämie, sonst nichts. Bei uns spielen einfach die Jungs, die sich gut verstehen und befreundet sind. Als Verein mit wenig Geld ist es schwierig, höherklassige Spieler zu bekommen. Davon ab hat es aber auch einfach jeder Spieler verdient, nach dem Aufstieg auch zu spielen.“

 

Auf‘m Platz: „Die Truppe hat keine Bezirksliga-Erfahrung und ist zudem sehr jung. Tust Du dir damit einen Gefallen?“

Kinowski: „Wir haben sechs oder sieben Spieler unter 20, das ist natürlich jung. Aber ich habe für mich festgestellt, dass ich mit jüngeren Kickern lieber zusammenarbeite. Junge Leute wollen einfach immer mehr. Dafür ist die Einstellung manchmal etwas schwieriger. Da geht man lieber zu einem Geburtstag, statt zum Training, anstatt zu der Party einfach zwei Stunden später zu kommen. Das verstehe ich dann nicht so wirklich. Aber wir haben hier einen Zusammenhalt, der ist der Knaller.“

 

Auf‘m Platz: „Mit welchen Oberhausener Mannschaften seht ihr euch in der Bezirksliga am ehesten auf Augenhöhe?“

Kinowski: „(überlegt lange) Wenn überhaupt, dann vielleicht mit SW Alstaden. Aber wir sind in der neuen Saison der totale Underdog.“

Transfers

Neuzugänge

Marvin Graf (BW Oberhausen), Pierre Nienerza (Arminia Klosterhardt II), Dennis Möck (SF Hamborn 07 III), Dominik Noack (SW Alstaden)

 

Abgänge

-

Kader von Arminia Lirich

Hintere Reihe (v.l.):

Betreuer Didi Ganzhorn, Marjan Jevtic, Nico Retzerau, Christian Fänger, Maurice Akjeebo, Marvin Graf, Pascal Witt, Kosta Papadopoulos, Trainer Christian Kinowski

 

Vordere Reihe (v.l.):

Ertunc Turan, Daniel Coers, Oliver Golombeck, Dennis Möck, Niklas Schmidt, Durali Kara, Tobi Golombeck 

 

Es fehlen:

Co-Trainer Sven Hartmann, Co-Trainer Christian Hattert, Alessandro Murtini, Benjamin Euskirchen, Pierre Nienerza, Daniel Gad, Mathias Henkemeier, Dominic Noack, Domenico Calderone, Markus Blandfort

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Kommentare: 6
  • #1

    Roberto Calderone (Samstag, 09 August 2014 09:26)

    Es ist immer gut, wenn die Verantwortlichen auf dem Teppich bleiben und die Situation realistisch einschätzen. Beste Voraussetzung um nicht böse überrascht zu werden und das vielleicht Unmögliche doch zu schaffen. Lieber Christian: ich persönlich würde es Dir und Deiner Mannschaft wirklich gönnen. Du hast alle in der letzten Saison schon überrascht, vieeleicht gelingt es ja noch einmal. Viel Glück dabei und gehe Deinen Weg genauso weiter wie bisher.

  • #2

    SV Concordia (Samstag, 09 August 2014 11:02)

    Wir wünschen viel Erfolg

  • #3

    Beobachter (Samstag, 09 August 2014 11:33)

    Pierre Nienerza richtige Rakete !!

  • #4

    Armine (Samstag, 09 August 2014 17:27)

    Wünsche euch gleich im ersten Spiel 3 Punkte!!!

  • #5

    Blau Weisser (Sonntag, 10 August 2014 11:27)

    Glückwunsch nochmals zum Aufstieg. Habe mir zwei Vorbereitungsspiele von euch angeschaut, also bitte, wenn ihr den Klassenhalt schafft, ist das gleichzusetzen mit dem Aufstieg. Im ersten Spiel wird euch in Halbzeit eins noch die Euphorie tragen und dann zahlt ihr Leergeld. Sorry Kinne

  • #6

    ThorstenW. (Sonntag, 10 August 2014 15:53)

    Bitte Blau Weiss direkt einen einschuetten.
    Kann diesen Club nicht ertragen.