Christian Kinowski: „Ich verlasse Arminia Lirich nur, wenn man mich rausschmeißt“

Arminia Lirich wird erstmals in der Vereinsgeschichte Bezirksliga-Fußball spielen. Der Oberhausener A-Ligist packte am letzten Sonntag den Aufstieg als Tabellenzweiten und sorgte für einen Ausnahmezustand in dem rot-weißen Verein. Erfolgsvater ist Christian Kinowski, der weder gerne im Mittelpunkt steht noch eigentlich Trainer werden wollte. Auf’m Platz bekam dennoch ein Interview mit dem 40-Jährigen, in dem der ehemalige Stürmer über die Bezirksliga-Chancen spricht, Trainer-Kollegen und einem dummen Fahnen-Klau seiner Spieler, der das Saisonende zumindest ein kleines bisschen trübt.

Von Raphael Wiesweg

 

Auf’m Platz: „Wie lief es letzten Sonntag ab, als der Aufstieg perfekt war, Christian?“

Christian Kinowski: „Es wurde ordentlich gefeiert. Eigentlich hatten wir an dem Tag auch Saisonabschlussfeier, da unser letztes Spiel auswärts beim TSV Safakspor ist. Aber vor uns ist die C-Jugend schon aufgestiegen, dann hat unsere Zweitvertretung gewonnen, dann sind wir aufgestiegen und es war alles sensationell. Wie toll die Leute den Platz auch geschmückt hatten - einfach nur geil, Hammer. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir letzte Saison noch gegen den Abstieg gespielt haben und uns dann nicht großartig verstärkt haben.“

 

Auf’m Platz: „Gleich in deinem ersten Jahr als Cheftrainer seid ihr dennoch aufgestiegen. Was hat sich verändert gegenüber dem Vorjahr, als Du noch Co-Trainer warst?“

Kinowski: „(überlegt lange) Gute Frage, denn das haben mich schon zu Beginn der Saison viele gefragt. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich weiß, wie die Jungs alle ticken, weil ich teilweise mit ihnen noch zusammengespielt habe und mit vernünftigem Training und Passübungen kann man erkennen, was in ihnen steckt.“

 

Der Hosen-Experte Christian Kinowsi gibt die Richtung vor: Es geht steil nach oben bei Arminia Lirich.
Der Hosen-Experte Christian Kinowsi gibt die Richtung vor: Es geht steil nach oben bei Arminia Lirich.

Auf’m Platz: „Heißt das, dass Thorsten Hamm vorher etwas falsch gemacht hat?“

Kinowski: „Um Gottes Willen, nein. Ich würde Thorsten auch nie kritisieren. Er hat auch tolle Arbeit hier geleistet.“

 

Auf’m Platz: „Was hat sich dann geändert?“

Kinowski: „Wir haben natürlich sehr starke Spieler von der A-Jugend bekommen. Ertunc Turan, Alessandro Martinu, Daniel Gad… Sie waren alle schon in der Rückrunde der Vorsaison dabei und haben mittrainiert, jetzt waren sie voll dabei und haben entschieden dazu beigetragen. Dazu ist der Niclas (Niclas Schmidt, d. Red.) eine Bombe im Tor. Er war ja nicht umsonst vor zwei Jahren noch beim VfB Hüls. Und, einen darf man nicht vergessen: Michael Böttcher (lacht). Er hat mich schon Sonntag kritisiert, dass ich ihn noch nicht erwähnt habe, den Torwart unserer Zweitvertretung. Denn er hat damals Niclas mit überredet, zu seiner alten Heimat zu kommen. Dazu kommen dann noch die Abwehrspieler Fänger, Retzerau und Henkemeyer, die sich super entwickelt haben. Die sind jetzt seit vier, fünf Jahren dabei und zählen jetzt zu den Leistungsträgern. Man muss mal bedenken, dass Retzerau als Libero 15 Tore geschossen hat, davon waren nur fünf Elfmeter. Marjan Jevtic hat viele wichtige Tore geschossen und so könnte ich weiter machen. Das sind alles ganz tolle Jungs.“

 

Auf’m Platz: „Du hast dich in der Aufzählung vergessen.“

Kinowski: „Nein, nein. ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt, vielleicht hilft auch gerade das der Chemie mit der Mannschaft, die ich gerne immer lobe und voranstelle.“

 

Auf’m Platz: „Dann zählen solche Interviews ja eher zur Seltenheit.“

Kinowski: „(grinst) Ja, gerne mache ich das eigentlich nicht.“

 

Auf’m Platz: „Was macht dich als Trainer dennoch so gut?“

Kinowski: „Das ist eine gemeine Frage, muss ich über mich sprechen?“

 

Auf’m Platz: „Ich bitte drum.“

Kinowski: „(überlegt) Eigentlich nichts großartiges, denke ich. Ich habe keine Lizenz, ich spreche mit manchen wie mit meinen Kumpels, weil ich mit ihnen nun einmal auch lange gespielt habe, und dennoch ist ein gewisser Respekt da, weil ich der Trainer bin. Ich verteile Streicheleinheiten und werde eigentlich nur an der Seitenlinie schon einmal laut, wenn ich sehe, dass nicht der Wille da ist. Aber sonst bin ich kein Fan vom laut sein, denn das verunsichert nur die Spiele.“

 

Auf’m Platz: „Wann holst Du die Lizenz nach?“

Kinowski: „Eigentlich wollte ich ja gar kein Trainer werden. Ich habe zwar hier schon in der F-Jugend angefangen, aber wurde vor acht Jahren nur noch einmal Spieler und dann Co-Trainer, um fit zu bleiben.“

 

Auf’m Platz: „Gab es einen Zeitpunkt in der Saison, wo Du geahnt hast, dass ihr zu mehr fähig seid?“

Kinowski: „Das habe ich eigentlich sehr früh schon gedacht. Denn wir waren anfangs schon auf Asche sehr gut, als noch bei uns gebaut wurde und dann habe ich mir gedacht (Kinowski legt einen kurze Pause ein und reflektiert) - ja, ich habe mir eigentlich wirklich gedacht, dass es ja nur besser werden kann, wenn wir noch einen so tollen Belag wie den Kunstrasen unter den Füßen haben. Aber es sind immer Restzweifel geblieben und ich habe gedacht, dass es nur für Platz drei oder vier reichen wird. Ich habe eher Concordia, Buschhausen und Sterkrade 06/07 vor uns gesehen.“

 

Auf’m Platz: „Warum so skeptisch?“

Kinowski: „Wir haben sieben Spiele in der Saison verloren, davon beide gegen Concordia, beide gegen 06/07 und das Hinspiel in Buschhausen. Zwar dachte ich in der Rückrunde immer mehr, dass wir vielleicht tatsächlich oben eingreifen könnten, aber Platz zwei hielte ich wirklich nicht für möglich. Das habe ich mir nur immer gewünscht (lacht).“

 

Nach dem Sieg am letzten Sonntag feierte die Mannschaft den Bezirksliga-Aufstieg gebührend.
Nach dem Sieg am letzten Sonntag feierte die Mannschaft den Bezirksliga-Aufstieg gebührend.

Auf’m Platz: „Arminia Lirich wird zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Bezirksliga spielen. Ist der Verein gewappnet?“

Kinowski: „Die Bezirksliga ist auf jeden Fall für uns drin. Der Verein ist gut aufgestellt, hat einen super Vorstand, der alles gut führt und wir holen ja keine Spieler, die viel verdienen wollen. Hier bekommen alle eine Siegprämie, sonst nichts. Und selbst, wenn wir wieder absteigen sollten, das habe ich den Jungs auch am Sonntag sofort gesagt: DAS kann uns keiner mehr nehmen. Ich hoffe einfach, dass wir die Euphorie, die hier einfach im gesamten Verein schon lange herrscht, mit in die neue Saison nehmen können.“

 

Auf’m Platz: „Es klingt etwas ähnlich wie bei Sterkrade-Nord, das auch ohne große Verstärkungen und mit der Euphorie letzte Saison die Landesliga packen wollte und es bekanntlich nun auch geschafft hat.“

Kinowski: „Absolut, Lars (Lars Mühlbauer, Trainer Sterkrade-Nord, d. Red.) ist auch ein Vorbild für mich. Er hat immer gute Laune und überträgt das auch und hat mit Nord tolles geleistet. So wollen wir eine Liga tiefer auch bestehen.“

 

Auf’m Platz: „Mit welchem Personal? Gibt es schon feststehende Neuzugänge?

Kinowski: „Ja, zum einen Dennis Möck von Hamborn 07 II und Pierre Nienerza von Arminia Klosterhardt II. Beides offensive Mittelfeldspieler. In der Abwehr müssen wir eigentlich nichts tun, die stand super. Wir werden einzig versuchen, die Viererkette einzustudieren.“

 

Auf’m Platz: „Warum gerade Verstärkungen nur für die Offensive?“

Kinowski: „Wir haben in den letzten Spielen unglaublich viel liegen gelassen und ich will die Jungs auch etwas anstacheln. Ich bin mir sicher, dass bei Alessandro Martinu irgendwann der Knoten platzen und er richtig loslegen wird, aber man sollte den ganz jungen Spielern auch nicht zu viel Last auf die Schulter legen. Und die Defensive war mir einfach schon vor dieser Saison wichtig. Ich habe gesagt, dass die Null immer stehen muss. Denn vorne sind wir immer stark genug für ein Tor.“

 

Auf’m Platz: „Welches Ziel wird in der neuen Saison anvisiert?“

Kinowski: „Natürlich der Klassenerhalt, nichts anderes. Es gibt ja noch einige Spieler, die noch nie in der Bezirksliga gespielt haben, da könnte einem schon einmal die Düse gehen. Ich lass mich einfach mal überraschen. Man sieht ja bestens an SW Alstaden, wie schwer es werden kann. Sie haben im Aufstiegsjahr auch alles dominiert in der Kreisliga A und kämpfen nun um den Klassenerhalt in der Bezirksliga.“

 

Auf’m Platz: „Und das nächste Jahr wird natürlich mit dem Trainer Kinowski angegangen?“

Kinowski: „Ich bleibe Trainer hier, klar. Ich bleibe auch hier so lange, bis ich rausgeschmissen werde. Ich will gar nicht irgendwo anders hin. Arminia Lirich ist mein Verein, das ist hier alles wie eine kleine Familie.“

 

Auf’m Platz: „Fast alles ist perfekt und euphorisch, es gab nur einen Zwischenfall. Nach dem Aufstieg haben Spieler eine Fahne beim SV Concordia geklaut und zerrissen, es kursiert sogar ein Video im Internet davon.“

Kinowski: „Das war eine wirklich dumme Sache. Ich habe schon mit Concordia gesprochen und wir haben uns entschuldigt und es ist alles beim nächsten Kaffee geklärt. Beide Vereine sind eigentlich überhaupt nicht verfeindet, auch wenn man Luftlinie nur 500 Meter auseinander ist. Vielleicht waren unsere Jungs etwas provoziert von dem Concordia-Video nach unserer 0:5-Niederlage gegen sie, das ja glaube ich auch jeder kennt. Aber trotzdem, diese Fahnen-Aktion war richtiger Mist und unangenehm, einfach scheiße.“

 

Auf’m Platz: „Wird es Konsequenzen geben?“

Kinowski: „Von mir wird es keinen Anschiss geben. Der Vorstand hat zur Mannschaft gesprochen und etwas gesagt. Ich habe gesagt, dass sie trotzdem nicht vergessen sollen, den Aufstieg zu genießen.“

 

Auf’m Platz: „Danke, Christian, Dir gehört das letzte Wort.“

Kinowski: „Ich will mich unbedingt dann bei unserem Betreuer Dietmar „Didi“ Ganzhorn bedanken. Didi ist der Beste. Er ist von morgens bis abends hier und macht alles, die Jungs müssen sich um nichts kümmern. Er fährt zwar dann schon einmal aus der Haut, wenn die Jungs was nicht richtig gemacht haben (grinst). Aber solche Leute braucht man einfach immer in einem Verein.“

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Kommentare: 16
  • #1

    Kenner (Donnerstag, 22 Mai 2014 21:29)

    Stopali wichtigster Mann!!

  • #2

    Dirk Bollmann (Donnerstag, 22 Mai 2014 21:41)

    Glückwunsch Kino ... Weiter so ... Alles Gute in der Bezirksliga ... Gruß Bolle

  • #3

    Arnd Ritter (Donnerstag, 22 Mai 2014 22:03)

    Sehr geehrter Herr Kinowski,
    mit dem Vorstand des SV Concordia hat von Seiten des Vereins Arminia Lirich bis zum heutigen Tage niemand gesprochen oder eine Entschuldigung ausgesprochen. Das entspricht nicht der Wahrheit, warum also sollte 'alles beim nächsten Kaffee geklärt sein'?
    Arnd Ritter, SV Concordia OB 66/71

  • #4

    mr.x (Freitag, 23 Mai 2014 06:27)

    Lieber Herr Richter, wer redet hier vom Vorstand?! Es wurde mit CONCORDIA gesprochen...also bitte mal richtig lesen und nicht von " ENTSPRICHT NICHT DER WAHRHEIT" reden!!

  • #5

    SC 20 (Freitag, 23 Mai 2014 07:25)

    Qualität setzt sich durch! Glückwunsch vom Sc 20 !

  • #6

    Peter Arndt (Freitag, 23 Mai 2014 07:43)

    Super Leistung ! Super Typ! Super Mannschaft! Super Verein !
    Weiter so Kinne !!!!!

  • #7

    Friedhelm Baßier,Ehrenvorsitzender DJK ARMINIA LIRICH (Freitag, 23 Mai 2014 08:41)

    Lieber Herr Ritter
    dann sollten Sie mal mit Hannes Fritsche und Manolo Dente sprechen.

  • #8

    S. Gürtler (Freitag, 23 Mai 2014 09:03)

    Tach Kinne,
    Mein Glückwunsch, für erste Jahr gar nicht schlecht :-)
    Nächste Saison Derby in lirich und 6 Punkte für meine blauen natürlich :-))
    Gruß Sascha

  • #9

    Roberto Calderone (Freitag, 23 Mai 2014 10:15)

    Dir, Deiner Mannschaft und dem ganzen Verein möchte ich zu dieser Super Leistung gratulieren. Jeden Deiner Sätze glaube ich Dir aufs Wort. Genau so kenne ich Dich seit vielen Jahren: Kein Lautsprecher, aber ein ehrlicher und sympathischer Fussballnarr. Mach genau so weiter. Ich wünsche Dir viel Glück dabei!!!!

  • #10

    hotte (Freitag, 23 Mai 2014 11:09)

    Was hat ein Manolo Dente damit zu tun???Der Mann hat keine funktion im Verein ich weiss auch nicht warum man ihn immer anruft!!!

  • #11

    Arnd Ritter (Freitag, 23 Mai 2014 12:15)

    Liebes Arminia Lirich,
    dem Verein SV Concordia OB 66/71 wurde Schaden zugefügt. Sich dann beim Betreuer der Ersten Mannschaft und einem Mitglied des Beirats zu entschuldigen hält der Vorstand des Vereins für nicht angemessen.
    Arnd Ritter, SV Concordia OB 66/71

  • #12

    Weder Concorde noch Armine (Freitag, 23 Mai 2014 14:16)

    @Arnd Ritter
    Wenn sich die eigene Mannschaft in Videobotschaften auf SocialMedia Plattformen an andere Verein mit "ihr Wichser" richtet, dann ist das schon Schaden genug! Haben Sie bei den entsprechenden Vereinen angerufen und sich entschuldigt?

  • #13

    Frage? (Freitag, 23 Mai 2014 14:23)

    Lieber Herr Ritter,

    haben Sie keine andere Möglichkeit ihre Unzufriedenheit mitzuteilen? Natürlich war die Aktion der Liricher unter aller Sau. Aber haben Sie nichts besseres zu tun als jetzt öffentlich eine Entschuldigung einzufordern? Falls nicht gehe ich davon aus, dass Sie sich als Mitglied des Vorstands mit Sicherheit bei Buschhausen und deren Spieler entschuldigen werden. Schließlich hat ihre Erste Mannschaft per Facebook sich da auch einen absoluten Fehltritt geleistet. Sportliche Rivalität auf dem Platz hin oder her, anschließende Videos mit Provokationen oder Beleidigungen müssen trotzdem nicht sein.

  • #14

    Bottroper (Freitag, 23 Mai 2014 14:23)

    Ein Traum wie die Concorden hier selber ihre Mitglieder runter ziehen, dass sie nichts zu sagen hätten.

  • #15

    Concorde (Samstag, 24 Mai 2014 12:38)

    @Frage? - muss kurz was richtigstellen!!!
    Die erste Provokation kam von dem Buschhausener mit der Nr.2 das sollte Du auch bitte so erwähnen. (daher das Video) Mittlerweile hat er sich persönlich bei einigen Spieler die er getroffen hat entschuldigt! Super Geste - auch das sollte erwähnt werden!!! Wir werden dann am Sonntag ein Video machen wo sich die ganze Mannschaft bei ihm entschuldigt!

  • #16

    Beobachter (Montag, 26 Mai 2014 19:06)

    Liebe Spieler und Trainer,
    bitte ab sofort nur noch auf Fussball konzentrieren. Mit dem Filme machen haben so einige Leute ihre Probleme.
    Also schön entspannen und dann geht es im August wieder los.