Udo Hauner: „Wir hätten näher an SF Königshardt dran sein können“

Adler Osterfeld glich in dieser Saison wie einem Märchen aus 1000 und eine Nacht. Stand vor der Saison nicht einmal fest, ob die Erstvertretung wegen finanzieller Probleme in der Bezirksliga überhaupt antreten könne, marschierte man unter dem neuen Trainer und Adler-Urgestein Udo Hauner durch die Saison und steht sogar im Pokalfinale. Maßgeblichen Anteil hatte unter anderem auch sein Sohn Tobias Hauner, der in diesem Jahr Tore wie am Fließband schießt. Auf’m Platz traf sich mit beiden, die nach dem Urteil des jeweils anderen nicht viel Ahnung von Fußball haben, zum XXL-Interview.

Von Raphael Wiesweg

„Wir müssen ständig lachen und haben gute Laune. Ohne geht es nicht und wäre doch auch schade“, meinte Udo Hauner. Recht hat er. Und so wird das Interview mit den beiden Hauners alles andere langweilig. Wer mehr Ahnung vom Fußball hat, wissen wohl beide auch nach dieser Woche nicht. Nachdem Tobias im Europa League-Finale 3:1 auf Benfica Lissabon tippte und sein Vater 2:1 für den FC Sevilla, schüttelt sein Sohn nur mit dem Kopf: „Wenn ich bei Tipico einmal auf dich höre, kann ich den Wettschein auch gleich in die Tonne kloppen.“ Das Ende ist bekannt: Der FC Sevilla gewann Mittwochabend im Elfmeterschießen. „Ach, jetzt sagt Tobias bestimmt, dass ich wieder nur Glück hatte“, scherzt dessen Vater Udo Hauner.

 

Auf’m Platz: „Tobias, dein Vater hat vor und auch nach vielen, guten Spielen während der Saison sehr tief gestapelt. Jetzt, kurz vor Saisonende, wie fällt da dein Fazit aus?“

Tobias Hauner: „Wir waren schon sehr, sehr stark. Vielleicht etwas überraschend, dass wir so stark waren, aber wir wussten schon, dass wir Qualität haben. Dass es nur von Anfang an so gut geklappt hat, das hätte keiner gedacht. Und jetzt haben wir sogar noch mit dem Pokalfinale ein echtes Highlight vor uns.“

 

Auf’m Platz: „Was hast Du denn persönlich geglaubt, wohin euer Weg in dieser Saison führen würde, nachdem ja vor der Saison nicht einmal klar war, ob die Erstvertretung in der Bezirksliga überhaupt antreten kann?“

Tobias Hauner: „Ich persönlich habe gehofft und die Mannschaft auch so eingeschätzt, dass ein einstelliger Tabellenplatz auf jeden Fall machbar ist. Da ich seit 1995 im Verein bin, weiß ich, was wir in der Jugend geleistet haben. Dennoch war man vorsichtig skeptisch, weil viele Mannschaften diese Saison absteigen müssen. Man hat es ja selbst an Dostlukspor Bottrop vor kurzem gesehen, das sich als Tabellenachter nicht einmal in Sachen Klassenerhalt sicher sein konnte. Daher kann ich der Mannschaft nur ein Riesenkompliment machen.“

 

Auf’m Platz: „Udo, Du warst der größte Skeptiker. Wann war auch Dir bewusst, dass ihr zu mehr fähig seid, als nur den Klassenerhalt feiern zu können?“

Udo Hauner: „Das war der Rückrundensieg in Krechting, das 3:2. Der Rest hatte seine Spiele vergeigt und wir hatte den Abstand zu den unteren Plätzen vergrößert und zudem dann auch einfach ein großes Selbstbewusstsein.“

 

Auf’m Platz: „Was hat euch in dieser Saison so stark gemacht?“

Udo Hauner: „Wenn es darauf ankam, sind alle zusammengerückt. Das ist nicht selbstverständlich in einer Bezirksliga-Mannschaft. Und die Mischung von erfahrenen Spielern wie Uster, Aksoy, Badur und Reichert mit den ganz jungen Spielern war sehr wichtig für die Disziplin. Die alten Hasen haben den jungen Kickern ordentlich Bescheid gestoßen, wie man sich zu verhalten hat. Es gibt nämlich einfach Tage, da kannst Du den Haufen einfach als Trainer nicht trainieren. Aber die jungen Kicker haben zu den Älteren hochgeschaut, das sind echte Typen.“

 

Jugendleiter, Trainer und Grillmeister: Udo Hauner packt bei Adler Osterfeld überall mit an.
Jugendleiter, Trainer und Grillmeister: Udo Hauner packt bei Adler Osterfeld überall mit an.

Auf’m Platz: „Tobias, zählst Du zu den Alten oder zu den Jungen?“

Tobias Hauner: „(überlegt) Ich bin zwar erst 22, aber ich glaube, dass ich schon eher zu den Alten gehöre, allein weil ich schon so lange im Verein bin.“

Udo Hauner: „Ich hab Tobias ja von den Bambinis bis zur A-Jugend trainiert und bin immer mitgegangen. Er gehört schon eher zu den Älteren.“

Tobias Hauner: „Gut, dass ich danach erst einmal eine Pause von Dir hatte (lacht).“

 

Auf’m Platz: „Warum war das gut?“

Tobias Hauner: „Ich war froh, mal Ruhe von ihm zu haben. Selbst, wenn wir mal unterschiedlicher Meinungen waren, kamen wir zwar relativ schnell auf einen Nenner. Aber wir haben immer alles mit nach Hause oder zu meinen Großeltern genommen und das war nicht immer gut. Vor allem nicht, weil ich immer alles sage, was ich denke.“

Udo Hauner: „Ich war aber auch nicht einfach. Ich habe immer sehr viel verlangt, aber es hat ja auch was gebracht. Mit dem Altjahrgang sind wir glaube ich immer Meister geworden in der Leistungsklasse und haben auch zweimal den Niederrheinpokal gewonnen.“

 

Auf’m Platz: „Warum warst Du nicht einfach, Udo?“

Udo Hauner: „Bei der Jugend darfst Du nicht einfach nur Training geben. Da ist Disziplin und die Art des Trainings wichtig. Aber einmal war ich auch schon krank. Da haben wir als Tabellenführer gegen VfB Bottrop, das in der Tabelle unten stand, gespielt und lagen zur Halbzeit 0:2 hinten. Also habe ich auf die Halbzeitansprache verzichtet und die Jungs durften 15 Minuten durchlaufen.“

 

Auf’m Platz: „Warum explodiert förmlich die Leistung deines Sohnes in der Rückrunde, vor allem im Vergleich zur Vorsaison? Er trifft seit Wochen und das auch noch gerne im Doppelpack.“

Udo Hauner: „(lacht) Anfangs gab es noch Differenzen zwischen uns. Nein, Spaß beiseite. Es gab schon plötzlich einen großen Wandel bei ihm, den ich selber nicht so Recht verstanden habe. Vielleicht liegt es ja an seiner Mutter und meiner Frau (schmunzelt).“

Tobias Hauner: „Letzte Saison habe ich unter Achim Mawick auch sehr oft in der Innenverteidigung aushelfen müssen. Jetzt ist das Spiel schon sehr auf mich zugeschnitten und ich darf im Sturm oder direkt dahinter spielen. Und zu meinem Glück bekomme ich sehr viele, gute Dinger aufgelegt. Viele wissen einfach mittlerweile, wie ich laufe oder wohin sie passen müssen.“

Udo Hauner: „Eigentlich darf ich meinen Sohn nicht loben, da muss ich aufpassen. Aber er sollte seine Leistung auch nicht unter den Scheffel stellen. Manche Tore diese Saison macht nicht jeder.“

Tobias Hauner: „Kann schon sein, aber auch ich habe diese Saison sehr viel lernen können von den Älteren.“

 

Auf’m Platz: „Was war der Schlüssel zum Erfolg?“

Udo Hauner: „Es gibt einfach Spieler mit Qualität wie Can, Saglam, Pach, Tobias. Die können für den Unterschied sorgen.“

Tobias Hauner: „Gerade die Älteren, die jetzt größtenteils leider nicht mehr helfen können, waren ganz wichtig. Sie haben Tipps gegeben, mich oder andere kritisiert und gesagt, was man besser machen muss und sie waren einfach von ihrer Art, der Übersicht und ihrem Instinkt richtig gut.“

 

Auf’m Platz: „Mancher hat sich schwer verletzt, andere mussten aus beruflichen Gründen kürzer treten oder gar aufhören. Trotzdem habt ihr die Leistung halten können.“

Tobias Hauner: „Wenn alle dabei geblieben und topfit gewesen wären, wäre der Aufstieg möglich gewesen.“

 

Auf’m Platz: „Ist das nicht zu hoch gegriffen?“

Udo Hauner: „Ich hätte nie vom Aufstieg gesprochen. Aber wenn man beispielsweise auch mal nach SF Königshardt guckt, dann lenken dort auch zwei, drei Erfahrene das Spiel. Wenn wir auch in der Rückrunde alle dabei gehabt hätten, hätten wir zumindest noch näher am Meister dran sein können.“

 

Torjäger Tobias Hauner (l.) lauscht den Erzählungen seines Trainers und Vaters Udo Hauner.
Torjäger Tobias Hauner (l.) lauscht den Erzählungen seines Trainers und Vaters Udo Hauner.

Auf’m Platz: „Warum hat es dann nicht zu noch mehr gereicht?“

Udo Hauner: „Wir waren zu inkonstant. Wir haben ja teilweise 4:1-Führungen noch aus der Hand gegeben oder dann nur noch 5:5 gespielt, wie gegen Hamminkeln, wo wir dann sogar noch 4:5 zurücklagen und erst in der Nachspielzeit ausgeglichen haben. Aber das ist alles auch Meckern auf hohem Niveau. Wir hätten einfach nicht so viel feiern dürfen (lacht).“

 

Auf’m Platz: „Habt ihr so viel gefeiert?“

Udo Hauner: „Also die Jungs gehen nach dem Training nicht einfach auseinander. Das ist ein richtig verschworener Haufen. Selbst unser Vorsitzender Frank Neuwirth hat vor kurzem noch gesagt, dass es zu unseren Oberliga-Zeiten nicht eine so hohe Identifikation gab. Von daher bin auch ich schon etwas stolz auf das Erreichte.“

 

Auf’m Platz: „Wie groß ist die Angst, dass nächste Saison alles anders wird, weil dann auch die Ansprüche gewachsen sind?“

Udo Hauner: „Das ist die größte Angst. Holen wir ein paar Verstärkungen sprechen gleich sofort viele vom Aufstieg. Es wird aber wieder schwer und wir werden wieder erst einmal nur den Klassenerhalt anpeilen. Schließlich steigen nächste Saison wieder so viele ab.“

 

Auf’m Platz: „Welche Verstärkungen stehen denn schon fest?“

Udo Hauner: „Serkan Al, der bis zur Winterpause noch beim VfB Bottrop gespielt hat, dann noch Torwart Norman Seitz von Arminia Klosterhardt und Jan Golembiewski vom SV Rhenania Bottrop. Ich denke aber, dass da noch welche hinzukommen, alle für die Abwehr.“

 

Auf’m Platz: „Warum braucht ihr so viele für die Abwehr?“

Udo Hauner: „Wir haben zu viele Gegentore bekommen. Aber mich soll keiner falsch verstehen: Die Qualität in der Mannschaft ist sehr hoch und die Leistung wird von den Zuschauern akzeptiert und honoriert.“

 

Auf’m Platz: „Erfolg erhöht aber auch die Aufmerksamkeit. Wird es Abgänge geben, beispielsweise bei deinem Sohn?“

Udo Hauner: „Als Vater würde ich mich freuen, wenn Tobias ein höherklassiges Angebot kriegen würde, als Trainer hätte ich Kopfschmerzen, weil etwas wegbrechen würde und wir sind ja nicht auf Rosen gebettet, es fehlt an Geld für große Verstärkungen.“

Tobias Hauner: „Wenn ein Angebot käme, wäre Adler Osterfeld dennoch mein erster Ansprechpartner. Seit ich denken kann, gibt es nur Adler Osterfeld. Vor der Saison hatte ich die Möglichkeit zu wechseln, da wollte ich mich aber am Neuanfang beteiligen. Jetzt will ich das mit der Truppe fortführen und werde hier bleiben - wenn kein Hammer-Angebot käme.“

 

Auf’m Platz: „Was wäre denn ein Hammer-Angebot?“

Tobias Hauner: „(überlegt lange) Puh, gemeine Frage. Beispielsweise Oberliga. Da käme ich dann vielleicht ins Grübeln.“

 

Auf’m Platz: „Aber Du bist mit deiner Saison schon sicherlich zufrieden.“

Tobias Hauner: „Die ist ja noch nicht vorbei. Ich habe noch zwei Ziele. Zum einen den Pokal gewinnen und zum anderen die Torjägerkanone holen. Ich glaube die führe ich momentan mit David Möllmann von BW Oberhausen gemeinsam mit 25 oder 26 Treffern an. Ich schnapp mir auf jeden Fall jetzt jeden Freistoß (lacht).“

Udo Hauner: „(guckt seinen Sohn irritiert an) Das wüsste ich aber, dass Du das entscheiden darfst.“

Tobias Hauner: „(schmunzelt) Ich mach es einfach.“

 

Auf’m Platz: „Noch einmal kurz zu den Transfers, Udo: Steht schon ein Abgang fest?“

Udo Hauner: „Nein. Wenn einer wechselt, dann sowieso nur in die Oberliga, alles andere lasse ich nicht zu (grinst). Scherz beiseite: Enes Bayram hat nächste Woche ein Probetraining beim VfB Homberg, weil ich den Trainer kenne und Enes total besessen ist vom Fußball und auch sehr talentiert ist.“

 

Auf’m Platz: „Wenn alles zusammenbleibt, ihr habt es gerade selbst angesprochen, dann blast ihr nächste Saison zur Attacke?“

Tobias Hauner: „Wir gehen nicht mit dem Ziel Aufstieg in die nächste Saison. Aber klar ärgert man sich über jede Niederlage und wir wissen, was wir diese Saison falsch gemacht haben.“

Udo Hauner: „Wir werden weiter dazulernen. Beispielsweise waren wir gegen BW Oberhausen chancenlos beim 2:7 und haben aber in einem starken Spiel Königshardt auch aber verloren. Mit 0:1. Da fehlte aber in beiden Spielen der allerletzte Wille.“

 

Auf’m Platz: „Seit letztem Sommer läuft vieles extrem positiv und bis auf die Zweitvertretung sind alle im Aufwind.“

Udo Hauner: „Das stimmt. Die Reserve ist das Sorgenkind, da müssen wir mal schauen, wie es weitergeht. Ich habe selten so einen schlechten Charakter von Spielern gesehen, die da unterwegs waren. Ich war empört, wie Toto und Massimo im Stich gelassen wurden. Beide tun mir sehr leid. Aber unsere Ansprüche für die nächste Saison sind sehr hoch und Tobias hat es beispielsweise auch geschafft mit der B-Jugend aufzusteigen, was ein Muss war, aber wir werden erst 2016 oder 2017 wieder konkurrenzfähig sein. Dann ist Heinrich Becker nicht mehr der Pächter, sondern die Stadt…“

 

Auf’m Platz: „… Becker hat euch mit seiner Beinahe-Insolvenz fast das Genick gebrochen.“

Udo Hauner: „Es stand wirklich nicht gut und nach wie vor hat sich finanziell seit dem letzten Sommer nicht viel getan. Aber Heinrich Becker ist ein ganz toller Kerl und hier für Adler Osterfeld sehr viel organisiert und gemacht und getan und auch den Jungs, nicht nur meinem Tobias, in Sachen Ausbildung viel geholfen. Wir haben ihm sehr viel zu verdanken.“

 

Auf’m Platz: „Bleibt eigentlich nur eines zu klären: BW Oberhausen hat sich bereit erklärt, das Endspiel im Kreispokal bei euch auszutragen. Auf wie viele Zuschauer hoffst Du am 29. Mai?“

Udo Hauner: „Ich fände 1.000 Zuschauer klasse, 500 sind realistisch, bei tollem Wetter würde ich mir 600 bis 700 wünschen.“

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Kommentare: 2
  • #1

    Karneval in Rio (Samstag, 17 Mai 2014 10:34)

    "...Mit dem Altjahrgang sind wir glaube ich immer Meister geworden in der Leistungsklasse...“

    Mit dem Jahrgang 91/92 mag das sein, aber mit dem 90/91er Jahrgang habt ihr es in der B- und A-Jugend nicht geschafft. Da gab es zwei Mal eine bessere Mannschaft!
    Schöne Grüße von ihr wisst schon woher ;)

  • #2

    interessierter (Montag, 19 Mai 2014 23:27)

    Erstens. Welches Team wurde denn dann erster? Und zweitens ist sein Sohn Tobias 91-er Baujahr. Und da der Udo vom Altjahrgang sprach meint er dann wohl den 91/92er