Auf'm Platz-Analyse: Oberliga

Heute steht die Oberliga Westfalen im Mittelpunkt der Auf’m Platz-Analyse. Dabei muss man kein Experte sein, um zu wissen, dass sich hierbei alles rund um den SV Zweckel drehen wird. Der Gladbecker Verein von der Dorstener Straße ist schon seit längerem der klassenhöchste Verein bei unserem Magazin. Und er schreibt das Märchen weiter. Denn als mehr als nur krasser Außenseiter und sensationeller Aufsteiger in die Saison gestartet, hat der SVZ das Wunder selbst in der Hand: Die Mannschaft ist auf dem besten Wege, den Klassenerhalt zu packen.

Von Raphael Wiesweg

Der SV Zweckel, die Teams und ihre Platzierungen

Anmerkung: Sechs Teams haben 16 Spiele, vier Teams haben 17 Spiele, und acht Teams haben 18 Spiele von insgesamt 34 absolviert!

Platz Mannschaft Spiele Punkte
1. Arminia Bielefeld II* 17 47
2. Spvgg Erkenschwick 18 37
3. SV Rödinghausen 16 34
4. Roland Beckum 18 32
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11. SV Zweckel 17 24
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15. VfB Hüls 18 13
16. Westfalia Herne 16 12
17. TuS Heven 18 10
18. TuS Dornberg 16 7

*: Steigt Arminia Bielefeld aus der 2. Liga ab, darf die eigene Reserve aus der Oberliga nicht aufsteigen. Somit würde aktuell auch der 3. Platz in dieser Oberliga zum Aufstieg reichen!

 

Platz 17 und 18 bedeuten den Abstieg in die Verbandsliga!

 

Wer noch nicht voll im Bilde ist: Die Auf’m Platz-Familie kann sich noch sehr gut daran erinnern, dass auch der SV Zweckel vor gar nicht all‘ zu langer Zeit in der Bezirksliga gespielt hat. In den letzten Jahren hat dann ein sportliches Highlight das nächste gejagt. Der momentane Höhepunkt ist Platz 11 in der Oberliga. Es spielen nach wie vor junge Kicker gegen Spitzenmannschaften wie Arminia Bielefeld II, SV Rödinghausen oder die Spvgg. Erkenschwick, die noch vor kurzem Bezirksliga gespielt haben. Nicht nur das, nein. Der SV Zweckel hat den mit weitem Abstand geringsten Etat der Liga und bringt die Gegner aber gerade zu Hause schier zur Verzweiflung. Sechs der insgesamt acht Saisonsiege gelangen daheim, auch wenn man an der Dorstener Straße ebenso auch schon vier Niederlagen einstecken musste. Kurios: Neben dem SC Westfalia Herne sind die Gladbecker das einzige Team, das noch nicht einmal die Punkte geteilt hat.

 

Flop beim SV Zweckel

Marko Onucka. Foto: SV Zweckel
Marko Onucka. Foto: SV Zweckel

Er hat ein Spielerprofil bei transfermarkt.de, spielte in der Regionalliga und auch bei Teams wie Preußen Münster oder VfL Bochum II und kam mit vielen Vorschusslorbeeren im letzten Sommer aus Velbert an die Dorstener Straße: Marko Onucka, 25 Jahre jung, Typ klassischer Mittelstürmer. Genau die Art von Spieler, die Trainer Günter Appelt haben wollte. Genau die Art von Spieler, die dem SV Zweckel auch noch gefehlt hat. Appelt wollte einen Spieler haben, der Tore schießt, am liebsten garantiert. Doch der Schuss ging gewaltig nach hinten los. Bei allem, was dem SV Zweckel Gutes zuletzt widerfahren und gelungen ist: Onucka entwickelte sich zum absoluten Flop im letzten halben Jahr. Nur zwei Tore, wenige Spiele, immer wieder kleinere und größere Verletzungen, kaum Spielpraxis und dadurch miteingehend eine schlechte Fitness, die seinen Cheftrainer gelinde gesagt sehr verärgerte. Da nützt es auch nichts, dass Appelt seinen Spieler menschlich immer schätzte. Sportlich gesehen war Onucka ein Fehleinkauf. Da verwundert es nicht, dass sich die Wege nun in der Winterpause auch schon wieder trennten. Der 25-Jährige schließt sich zum 1. Januar dem VfB Hüls an, dem Ligakonkurrenten des SV Zweckel, und setzt damit schon fast eine Tradition fort. Im Laufe der letzten zwei Jahre wechselten schon mehrere Spieler und auch andere Verantwortliche von Gladbeck zum Regionalliga-Absteiger.

 

Sebastian Freyni. Foto: SV Zweckel
Sebastian Freyni. Foto: SV Zweckel

Beidfüßig, torgefährlich, technisch sehr stark. Trainer Günter Appelt gerät sogar fast ins Schwärmen, wenn er von Sebastian Freyni spricht. Der wie Onucka auch erst 25-Jährige fühlt sich im offensiven Mittelfeld am wohlsten. Und da ist auch schon das Problem. Nur da fühlt er sich am wohlsten. Freyni arbeitete in der Hinrunde ungerne für die Defensive mit. Zumindest unzureichend, so wie es sein Trainer aber eigentlich haben wollte. Das Problem hieran wiederum: Freyni brachte ebenfalls die für das laufintensive Spiel von Appelt erforderte Fitness im Laufe der Hinrunde nicht mit. Wie schon bei Onucka. Immerhin: Freyni kam in acht Einsätzen noch zu zwei Toren und zwei Torvorlagen und unterstrich damit auch, zu was er fähig ist. Nicht umsonst sagte Appelt auch einst zu Auf’m Platz: „Von der Technik her kann er problemlos noch zwei Ligen höher spielen.“ Doch Technik ist nicht alles. Schon gar nicht bei einem Aufsteiger und Malocherklub wie der SV Zweckel, der vieles über den Kampf und schweißtreibende Arbeit auch lösen muss. Freyni war vor einem Jahr aus Erkenschwick gekommen. Den absoluten Tiefpunkt erlebte er aber Anfang Oktober, als er wie Onucka von seinem Trainer in die Reserve verbannt wurde. Wohlgemerkt in die Kreisliga A! Ein Denkzettel für fehlenden Einsatz. Sehr wahrscheinlich werden sich auch bei Freyni und Zweckel die Wege in der Winterpause trennen.

 

Top beim SV Zweckel

Bünyamin Karagülmez. Foto: SV Zweckel
Bünyamin Karagülmez. Foto: SV Zweckel

Es wird der Mannschaft des SV Zweckel eigentlich nicht gerecht, einzelne Spieler herauszupicken. Um nur ein paar von eigentlich sehr vielen tollen möglichen Beispielen zu nennen, wären sicherlich auch Torhüter Dennis Grüger, der scheinbar egal in welcher Liga Top-Leistungen abrufen kann, oder Neuzugang Norman Seidel, der sich als neuer Abwehrchef bestens eingefügt hat, oder der Kapitän Jan Trampe, der auf seine Art und Weise die Mannschaft genau richtig führt - übrigens auch egal in welcher tiefen oder hohen Liga - oder auch ein Jonas Schmidt, der nach wie vor scheinbar nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist, zu erwähnen. Doch einer, der nochmals einen ganz besonderen Schub im Laufe der Hinrunde erfuhr, war Bünyamin Karagülmez. Karagülmez war es, der einerseits vom Rauswurf Freynis, andererseits von der Systemumstellung Appelts profitierte und auf der zentralen offensiven Position quasi über sich hinaus wächst. Mit sechs Treffern ist er Zweckels gefährlichster Schütze. Immer, wenn er traf, gewann seine Mannschaft. Appelt hielt sich bislang zurück, wenn es darum geht, einzelne Spieler hervorzuheben. Doch auch er erkannte schon vor kurzem an, dass Karagülmez sicherlich mit am auffälligsten und stärksten war.

 

Günter Appelt. Foto: SV Zweckel
Günter Appelt. Foto: SV Zweckel

Wenn es einer noch verdient hat, hier namentlich erwähnt und auch vorgestellt zu werden, dann ist es der Cheftrainer des SV Zweckel, der wie kein Zweiter für den Erfolg der letzten Jahre an der Dorstener Straße steht. Höherklassige Angebote schlug Günter Appelt bereits mehrfach aus. Und das, obwohl er dank einer Klausel in seinem Vertrag immer wieder die Möglichkeit auch gehabt hätte, den Grünhemden den Rücken zuzukehren. Als er die Mannschaft vor vier Jahren übernahm, kickte sie als graue Maus in der Landesliga. Nun schaffte er in der letzten Saison bereits das schier Unmögliche, als Meister der Verbandsliga alle anderen Teams hinter sich zu lassen, und dem SV Zweckel die Oberliga zu bescheren. Erstmals in der Vereinsgeschichte. Appelt selbst gibt sich bescheiden, und erwähnt immer wieder die fleißigen Helfer im Hintergrund, die es auch ermöglichen, ihn gut arbeiten zu lassen. Dabei hat er die schlechtesten Voraussetzungen im unmittelbaren Umfeld, was die Platzanlage und -möglichkeiten für einen Oberligisten angehen. Appelt war es auch, der von seinem Aufstiegs-System im Laufe der Hinrunde abgerückt ist, als der Erfolg nicht da war. Er verpasste der Mannschaft ein anderes Gesicht, die es dankend annahm, noch mehr arbeiten musste, aber auch mehr Punkte einfuhr. Appelt ist es, der in jeder Transferperiode für eine Überraschung sorgt, und ein Händchen für sehr junge, aber auch eben sehr talentierte Spieler hat. Er ist der Trainer, der seine Mannschaft zusammenfaltet, wenn eine Standard-Situation nicht wenigstens vernünftig in den gegnerischen Strafraum segelt. Der Cheftrainer will am liebsten nah an der Perfektion arbeiten. All diese Komponenten machen ihn und damit dem SV Zweckel selbst in der Oberliga zu einer verflucht starken und unangenehmen Mannschaft.

 

Lazarett SV Zweckel

Markus Poloczek (Kreuzbandriss), Christian Luvuezo (Knie), Ismail Viran (Schrauben im Knöchel), Fabio Sardini (Wachstumsstörungen), Aldin Kljajic (Jochbeinbruch), Norman Seidel (Anriss im Knie), Pascal Meinberg (Knöchel), Dennis Grüger (Zerrung), Ramadan Ibrahim (Innenbanddehnung), Sebastian Freyni und Marko Onucka (Reserve) sind nur ein Auszug aus den mal mehr mal weniger schwer verletzten Spielern oder Ausfällen beim SV Zweckel. Kurz vor Jahresabschluss musste Appelt sogar zeitweise ohne 15 (!) Spieler auskommen. Die Belastung ist in der Oberliga enorm. Jetzt entschied sich beispielsweise auch Johannes Poloczek schon kurz vor der Winterpause sich einer Operation zu unterziehen, die überfällig, aber auch so abgesprochen war. Trainer Günter Appelt war wirklich nicht zu beneiden. Aber immerhin, das könnte zum großen As für die Gladbecker in der Rückrunde werden, wenn die Spieler nach und nach wiederkommen und der SV Zweckel vermeintlich noch stärker werden kann, als er ohnehin schon ist.

 

Das sagt Auf'm Platz

Bedenkt man, welchen Etat der SV Zweckel zur Verfügung hat - vor allem in Relation zu den anderen Oberliga-Klubs -, bedenkt man, wie viele Spieler in der ersten Halbserie ausgefallen sind, bedenkt man, wie krass der SVZ sowieso schon als Außenseiter starten musste, und wie gering viele Experten die Chancen auf den Klassenverbleib ausrechneten, dann ist es nur noch umso höher einzusiedeln, was der Verein geschaffen hat. Keine Lobhudelei, keine Schleimerei, einfach nur Anerkennung. Der SV Zweckel spielt eine fantastische Rolle in der Oberliga und kann in 2014 das Sahnehäubchen auf dieses Erfolgsmärchen setzen: den Klassenerhalt! Den wird die Mannschaft von Cheftrainer Günter Appelt auch packen. Schon jetzt zeigte die Mannschaft, zu was sie fähig ist. Mit der Rückkehr einiger verletzter Spieler wird man zudem noch stärker, weil flexibler und breiter aufgestellt, sein. Und wie groß dann die Überraschung des Klassenerhalts wäre, zeigte auch die Einschätzung Appelts vor der Saison, der eigentlich immer in jedes Spiel mit der Prämisse eines Sieges geht: „Der Klassenerhalt wäre ein Wunder. Für uns zählt dieses Mal nichts anderes.“

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Kommentare: 2
  • #1

    Eine Frage (Sonntag, 29 Dezember 2013 15:35)

    Joe Poloczek nach Sankt Pauli II?

  • #2

    Zweite Frage (Freitag, 03 Januar 2014 01:00)

    Die Gerüchteküche auf www.transfermarkt.de lässt verlauten, dass der FC Schalke 04 dem Zweckler Abwehrroutinier Christian 'Kamille' Kaminski einen hochdotierten 4-Jahresvertrag unterbreiten möchte. Er soll der neue Abwehrchef in der durchaus wackeligen Defensive der Knappen werden. Langfristig gesehen soll er mit einem gewissen Joel Matip das Traumduo in der Innenverteidigung der Gelsenkirchener bilden.

    Kann vielleicht jemand etwas Genaueres bzw. Ausführlicheres zu diesem Gerücht erzählen?