Zwei Mannschaften, aber ein Team

Mannschaftsvorstellung Frauen

Rappelvoll ist es derzeit auf der Sportanlage an der Jacobistraße, wenn Mirsada Kovac die Fußballfrauen von Blau-Weiß Fuhlenbrock zum Training bittet. Kein Wunder, denn satte 21 Neuzugänge haben die Verantwortlichen bislang zählen können. Davon kommen 13 aus der vereinseigenen U19-Juniorinnenmannschaft, der Rest hat aus den umliegenden Vereinen und Orten den Weg in den Bottroper Stadtteil gefunden. 

Von Nina Heithausen

„Das, was dieses Jahr passiert ist, war für mich als Trainerin der Knaller“, sagt die 34-Jährige voller Freude. 42 Spielerinnen sind es aktuell, über die die Frauenfußballabteilung der Blau-Weißen insgesamt verfügt. 42 Frauen, mit denen der Spielbetrieb der zwei gemeldeten Teams in der neuen Saison gestemmt werden soll. 42 Damen, die unter der Leitung von TrainerinMirsada Kovac ihrem liebsten Hobby, dem Kicken, nachgehen. Und zwar gemeinsam. Denn darauf legt die Übungsleiterin großen Wert, auch wenn die einen sonntags mit dem Kreisligateam auf Torejagd gehen und die anderen versuchen, in der Landesliga Punkte zu erkämpfen. „Wir sind ein Team“, betont die ehemalige bosnische Nationalspielerin, „jeder Spielerin ist es wichtig, in der ersten Mannschaft eingesetzt zu werden, dafür reißen sich alle den Hintern auf. Allerdings ist sich auch niemand zu schade in der Zweiten zu spielen.“

   Und so bereiten sich die 42 Ladies mittlerweile seit mehr als einem Monat auf die neue Spielzeit vor. Drei Übungseinheiten stehen pro Woche auf dem Plan, hinzukommen Testspiele und Turniere. Doch wer denkt bei den blau-weißen Kickerinnen stünde nur der Ball im Mittelpunkt, hat sich gänzlich geirrt. Denn die Linienchefin, die von Torwartcoach Michael Schmidt und Trainerin Daniela Ebert unterstützt wird, lässt das runde Leder auch schon mal gerne links liegen und bittet abseits des grünen Rasens zum Training. Boxen, Klettern, Drachenbootfahren, Treppenlaufen am Tetraeder – für Abwechslung und Vielfalt ist in Fuhlenbrock mehr als gesorgt, wenn es darum geht Kraft und Ausdauer zu tanken sowie die Gemeinschaft zu stärken. „Gerade beim Treppenlaufen pushen sich die Mädels gegenseitig“, so Mirsada Kovac, die ihre Elf zuletzt auch in einem Freundschaftsspiel gegen ein Herrenteam antreten ließ. Mit Erfolg und großem Lob seitens des männlichen Geschlechts, wie die 34-Jährige selbst berichtet: „Sie waren von unserer Technik begeistert und beeindruckt, wie diszipliniert wir die Viererkette beherrschen.“ 

   Neben der Viererkette, die neben dem übrigen Defensivverhalten wohl getrost als das Fuhlenbrocker Prunkstück bezeichnet werden darf und in der kommenden Saison auch von der „Zweiten“ gespielt werden soll, wurde in den Trainingseinheiten der vergangenen vier Wochen zudem das Angriffsverhalten über die Außen einstudiert. „Das war eine unserer Schwächen im letzten Jahr, da haben wir zu viel über die Mitte gemacht“, erläutert die Trainerin. Derweil wird es im Vergleich zur zurückliegenden Meisterschaftsrunde in jedem Fall einen Wechsel im Fuhlenbrocker Tor geben. Miriam Bogatzki, die jahrelang zwischen den Pfosten der ersten Mannschaft stand, hat den Verein verlassen. „Da hatte ich zunächst Angst, dass wir Probleme auf dieser Position bekommen“, gesteht Kovac. Doch mit der jungen Johanna Schmidt konnte eine durchaus talentierte Nachwuchskeeperin verpflichtet werden, die zuletzt das Gehäuse des B-Juniorinnen-Regionalligisten FC Iserlohn hütete. 

   Und so ist die Trainerin durchaus guter Dinge, wenn sie an die neue Spielzeit denkt, auch wenn sie weiß, dass die Liga in dieser Saison viel stärker sein wird, als in den Jahren zuvor. Denn neben der in der letzten Meisterschaftsrunde stark aufspielenden Eintracht aus Emmerich, ist nun auch der ehemalige Niederrheinligist DJK Adler Frintrop ein Konkurrent der Bottroperinnen. Und nicht zu vergessen ist natürlich der Lokalrivale, die Batenbrocker Ruhrpottkicker. „Man kann an keinem Sonntag mehr irgendwo hinfahren und sagen: Kommt, das kriegen wir schon hin. Alle Teams sind gleichwertig, da entscheidet die Tagesform“, erklärt Mirsada Kovac. Doch trotz dieser vermuteten Ausgeglichenheit planen die Landesligafrauen der Blau-Weißen einen gelungenen Start in die Saison, wenn sie am 8. September zum HSC Berg an den Niederrhein reisen. „ Die Mädels sind jetzt schon heiß auf dieses Spiel. In Berg ist es immer schwer, doch was anderes als drei Punkte zählt hier nicht.“ Eine Aussage, auf die die Fuhlenbrockerinnen ganz sicher Taten folgen lassen wollen.

Auf'm Platz sprach mit Trainerin Mirsada Kovac:

Auf'm Platz: Mirsada, in der letzten Spielzeit landete die erste Mannschaft am Ende auf dem fünften Tabellenplatz, die „Zweite“ wurde Dritter. Hattet Ihr damit euer Saisonziel erfüllt?

Kovac: „Nein, zumindest nicht mit unserem ersten Team. Wir hatten uns eigentlich mehr vorgenommen und wollten in der Landesliga unter die ersten Drei. Jedoch hatten wir vor allem in der Hinrunde viele verletzte Spielerinnen. Mit der zweiten Mannschaft hätten wir in der Kreisliga aufsteigen können. Allerdings habe ich darin keinen Sinn gesehen, denn wir wussten nicht genau, wie wir in der nächsten Saison personell dastehen würden.“

 

Auf'm Platz: Nun verfügt Ihr mittlerweile über insgesamt 42 Spielerinnen für die beiden Teams, die unter deiner Regie alle gemeinsam trainieren. Ein große Aufgabe, oder?

Kovac: „Ja, natürlich. Das ist viel Arbeit. Aber man kriegt es hin, weil es einfach sehr viel Spaß macht. Seit der Vorbereitung haben wir zudem mit Michael Schmidt einen Torwarttrainer hinzubekommen, der für uns ein hundertprozentiger Gewinn ist. Er begleitet uns sehr gut, hat sehr viel Ahnung, vor allem vom Mädchenfußball, und weiß, wie man mit den Mädels umgehen muss. Dazu kommt mit Daniela Ebert noch eine weitere Trainerin, die die zweite Mannschaft sonntags zu den Spielen begleitet.“

 

Auf'm Platz: Du gehst nun in deine zweite Saison als Trainerin, nachdem Du jahrelang selbst als Spielerin in Fuhlenbrock aktiv warst. Wie gefällt Dir diese Rolle?

Kovac: „Eigentlich wurde ich ins kalte Wasser geschmissen. Es ist dieses Jahr das erste Jahr, in dem ich auch aus Trainersicht denke. In den 90 Minuten, in denen meine Spielerinnen auf dem Platz stehen, verlange ich alles von ihnen. Danach können und sollen sie mich aber wieder wie die  Mirsada behandeln, die sie kennen. Ich gehe auf jede Einzelne von ihnen ein. Es ist mir wichtig, dass sie mir viel anvertrauen und das macht mich auch stolz. Sie sehen mich fast schon als Mutter oder Psychologin. Ehrlichkeit und Vertrauen sind mir sehr wichtig. Es ist noch nie vorgekommen, dass ich angelogen wurde. Wenn eine Spielerin mal keine Lust hat zum Training zu kommen, dann sagt sie mir das auch.“

 

Auf'm Platz: Wie sehen Eure Ziele für die kommende Spielzeit aus?

Kovac: „Wir wollen in der Landesliga oben mitspielen, der Aufstieg ist nicht wichtig. Ich möchte die Mädels nicht unter Druck setzen, denn den machen sie sich selbst schon genug. Sie sind motiviert, wollen aufsteigen und trainieren bis zum Umfallen. Mit der zweiten Mannschaft wollen wir um die Plätze eins bis drei mitspielen.“

 

Auf'm Platz: Und was wäre, wenn die „Zweite“ wieder die Chance auf den Aufstieg hätte?

Kovac: „ Da hätten wir sicher nichts dagegen.“ (lächelt)

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