Mit Ex-Profis zum Klassenerhalt

Mannschaftsvorstellung

Der SV Adler Osterfeld drohte nach der letzten Saison auseinander zu brechen. Zwar erreichten die Oberhausener nach dem Landesliga-Abstieg einen den Umständen entsprechend guten siebten Platz. Doch danach kehrten viele Spieler dem Verein an der Siepenstraße den Rücken. Auch der bisherige Sponsor brach endgültig völlig ein, so dass lange gezittert wurde, wie es am Waldstadion Rothebusch weitergeht. Auf Achim Mawick folgte das Adler-Urgestein Udo Hauner, der nun das Ruder mit einer Mischung aus ehemaligen Profis und Jungspunden rumzureißen versucht.

Von Raphael Wiesweg

Mannschaftsvorstellung SV Adler Osterfeld

Udo Hauner ist seit 1994 beim SV Adler Osterfeld. Er spielte auch noch damals ein Jahr lang in der glorreichen Adler-Zeit in der Oberliga mit, bevor ihn ein Kreuzbandriss zurückwarf und er nie mehr spielte. Damals, als noch Günter Bruns Trainer der Erstvertretung war. Damals, als auch noch das Geld floss, weil der Sponsor mitspielen konnte. Doch mit dem Abstieg aus der Oberliga begann auch der Abstieg des Vereins Adler Osterfeld. Doch, so viel Zeit muss an dieser Stelle sein: Der hielt sich insgesamt im Rahmen.

Cheftrainer, Jugendleiter und auch noch Grillmeister: Udo Hauner lebt Adler Osterfeld.
Cheftrainer, Jugendleiter und auch noch Grillmeister: Udo Hauner lebt Adler Osterfeld.

„Wenn ich bedenke, wie viele Vereine dann völlig durchgereicht werden und in den Kreisligen verschwinden, dann ist das umso beachtlicher, was hier geleistet wurde. Denn im Prinzip entwickeln wir uns seit knapp sieben Jahren von ganz alleine“, betont Hauner stolz. Denn vor sieben Jahren, das war die Zeit, als der Sponsor sich schon zurückzog. Damals, nach dem Oberliga-Abstieg. Zwar musste man nach 2012 unter ganz bitteren Gesichtspunkten im letzten Moment auch den Abstieg aus der Landesliga hinnehmen, doch dieser vermeintliche, über Jahre konstante Absturz wurde nun aufgehalten. „Ich sehe es auch nicht so, dass wir abgestürzt sind. Klar sind wir mehrmals abgestiegen. Aber wir haben eine gut aufgestellte Jugend und eine super Anlage“, so Hauner weiter. Und tatsächlich, die Jugendarbeit blüht fast. Dummerweise ist nur ausgerechnet in dieser Saison keine A-Jugend vorhanden. „Dafür haben wir zwei B-Jugendmannschaften, die sich entwickeln und in zwei Jahren dann vielleicht aushelfen können“, so der neue Cheftrainer, der bekanntermaßen ja auch gleichzeitig noch der Jugendleiter des Adlers ist. Dass er nun sogar auch Cheftrainer des Bezirksligisten ist, davon hätte Hauner lange nicht träumen wollen. „Bis Ende Mai stand gar nichts fest. Es stand ja nicht einmal fest, wie es mit Achim Mawick weitergeht“, so der 49-Jährige, der vor wenigen Wochen in Vorruhestand gegangen ist. „Ich werde zur letzten Saison aber auch nichts sagen. Erst einmal, weil Achim ein guter Trainer und auch ein guter Freund ist und mir es auch gar nicht zusteht, alles zu beurteilen“, bringt Hauner es auf den Punkt.

Timo Uster spielte jahrelang für RWO, nun für Adler Osterfeld. Foto: Adler Osterfeld
Timo Uster spielte jahrelang für RWO, nun für Adler Osterfeld. Foto: Adler Osterfeld

Als dann feststand, dass Mawick nicht mehr länger Trainer ist, musste eine schnelle neue Lösung her die dann in Udo Hauner gefunden wurde. Das Problem: Nicht nur der Trainer war weg, sondern auch zahlreiche Spieler suchten das Weite. Nicht unbedingt eine Überraschung. Denn schon Mawick meinte zu seiner Zeit, dass man einige Spieler hätten, die problemlos höher spielen könnten. So waren es Robert Trimborn und Sebastian Czajkowski, die den Anfang machten und früh erklärten, zum ambitionierten Oberhausener Landesligisten Arminia Klosterhardt zu wechseln. Trimborn spielte am vorgezogenen 1. Spieltag der Arminen am gestrigen Samstag 90 Minuten durch. Torjäger Czajkowski wurde kurz vor Schluss eingewechselt. Mit den beiden gingen noch sieben weitere Spieler. Alleine vier von ihnen verschlug es zum Bezirksliga-Aufsteiger SW Alstaden. „Es war klar, dass ein neues Konzept her musste, was ich dann mit meinem Co-Trainer Ecevit Bögüs auch erstellt habe“, erklärt Hauner. Das Konzept sah vor, alte Verbindungen aufleben zu lassen und zu nutzen. Zudem mussten alle Neuzugänge überzeugt werden, ohne Geld an der Siepenstraße spielen zu müssen. „Das glaubt uns ja keiner in der Umgebung, aber es ist so. Es gibt nicht einmal irgendwelche Prämien“, stellt der neue Cheftrainer klar. „Von den Neuzugängen gibt es einige, die auch mit dem Fahrrad hier her kommen. Das zeigt einfach, wie sie zum Sport generell stehen und was sie für eine Einstellung haben. Die Spieler bekommen schon einmal was vom Grill nach dem Spiel und sind mit den super Umkleidekabinen, wo sie das Internet nutzen können, bestens versorgt“, ist Hauner vom Umfeld derzeit begeistert. Ob die Neuzugänge, die teilweise bis zuletzt oder vor ein paar Jahren sehr viel höherklassig gespielt haben, tatsächlich helfen können, ist eine andere Frage, die ab dem heutigen Sonntag beantwortet wird, wenn der SV Adler Osterfeld in die neue Saison startet.

Auf'm Platz sprach mit Trainer Udo Hauner

Auf’m Platz: Udo, Du hast einige ältere Spieler, die sicherlich unglaubliche Erfahrung mitbringen. Ist das ein Vorteil oder ist das Alter vielleicht auch ein Nachteil, weil die Verletzungsgefahr größer ist beziehungsweise die Erholungsphasen von eben diesen Kickern länger genutzt werden müssen?

Hauner: „Für den Spielbetrieb ist es ein Nachteil, denn man merkte schon jetzt nach der Vorbereitung, dass es hier und da bei dem einen oder anderen Spieler zwickte. Für die Entwicklung der jungen Spieler ist es aber sehr gut. Bis auf vier Spieler haben wir nur 21-Jährige, die sehr viel von den routinierten Spielern lernen können.“

Der neue Cheftrainer vom SV Adler Osterfeld Udo Hauner.
Der neue Cheftrainer vom SV Adler Osterfeld Udo Hauner.

Auf’m Platz: Wie kam es dazu, dass du Spieler, vor allem teilweise gehobener Klasse, überzeugen konntest, hier her zu kommen, nachdem ja einiges im Argen zu liegen schien?

Hauner: „Wenn ich einfach mal als Beispiel Gino Seggio oder Marvin Görlich nehme: Die sagen mir, dass sie auch nur hier spielen möchten. Wir kennen uns von früher und sie sehen, wie wir hier miteinander umgehen. Das macht sehr viel aus.“

 

Auf’m Platz: Bist Du denn mit der Vorbereitung auch zufrieden?

Hauner: „Die schwere Verletzung von Tuncay Aksoy ist ein Nackenschlag für uns gewesen. Da müssen wir schauen, wie wir sein Wegfall in den nächsten Monaten kompensieren können. Ansonsten aber führt unser Kapitän Andre Badur die Truppe sehr gut, die in der Vorbereitung sehr gut mitgezogen hat. Die Jungs hatten eine super Einstellung, obwohl wir sehr hartes Training gemacht haben. Nicht nur am Bottroper Tetraeder.“

 

Auf’m Platz: Die Tageszeitung hat euch als den Abstiegskandidaten abgestempelt. Stachelt so etwas an oder ist es vielleicht in einem dreiviertel Jahr die bittere Wahrheit?

Hauner: „Die Außenseiterrolle nehme ich gerne an. Königshardt und Blau-Weiß Oberhausen liegen doch schon am Ballermann, weil sie aufgestiegen sind, was man so hört. Ok, Dirk Wißel ist da am Pfälzer Graben etwas vorsichtiger. Aber er ist ja auch ein cleverer und guter Trainer. Wir geben der Mannschaft und auch nach außen vor, bis zur Winterpause zunächst einen guten Platz zu belegen, um dann am Ende einen Platz vor den Abstiegsplätzen zu landen. Es zählt also nichts anderes als der Klassenerhalt. Das ist realistisch. In ein paar Jahren wollen wir dann wieder versuchen, unter den ersten Drei zu landen.“

Transfers

Neuzugänge:

Gino Seggio (SF Königshardt), Marvin Görlich (Sterkrade 06/07), Abdel Boukdir, Erdem Saglam (TSV Safakspor), Emrah Durdu (RSV Klosterhardt), Timo Ouster (Rot-Weiß Oberhausen), Tuncay Aksoy (TV Jahn Hiesfeld), Tim Reichert (zuletzt VfR 08 Oberhausen), Kevin Imasua (VfR 08 Oberhausen)

 

Abgänge:

André Kampen, Matthias Eckl, Patrick Zibis, Manuel Werner (alle SW Alstaden), Mehmet Gül, Michael Kaziora (beide SC Frintrop), Robert Trimborn, Sebastian Czajkowski (beide Arminia Klosterhardt)

Kader

Der SV Adler Osterfeld für die Saison 2013/2014. Foto: Adler Osterfeld
Der SV Adler Osterfeld für die Saison 2013/2014. Foto: Adler Osterfeld

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Kommentare: 1
  • #1

    Ronny Langenbusch (Sonntag, 25 August 2013 17:14)

    Obwohl ich dem Verein 1998 den Rücken kehrte, war ich gedanklich nie wirklich weg und habe die letzten Jahre mit Interesse die Geschicke meines Heimatvereins verfolgt.

    Ich drücke dem Team um Udo Hauner für die Spielzeit 2013/2014 die Daumen.

    Vielleicht komme ich ja mal wieder dazu mir ein Spiel an der Siepenstraße anzuschauen.