Aufgeben? Ein Fremdwort!

Mannschaftsvorstellung Frauen

Aufgeben. Ein Begriff, der im Wortschatz der Ebeler Fußballfrauen wohl nicht zu existieren vermag. Denn den Kopf in den Sand gesteckt, hat das Kreisligateam noch nie. Weder bei der 0:8-Niederlage gegen die Reserve des RSV Klosterhardt noch nach dem unglücklichen 4:5 bei Glückauf Sterkrade. Und auch nicht nach der 0:11-Klatsche gegen den Ligaprimus Sterkrade-Nord am letzten Spieltag der vergangenen Saison. Immer gekämpft hat die Mannschaft stattdessen. Immer dagegen gehalten und immer den Blick nach vorne gerichtet.

Von Nina Heithausen

Mannschaftsvorstellung VfR Ebel

Frauen

Kein Wunder also, dass in Christian Lisztners Stimme fast schon ein wenig Stolz mitschwingt, wenn er von den Erlebnissen der letzten Spielzeit berichtet. Der ersten, die die Frauenfußballmannschaft des VfR Ebel hinter sich gebracht hat. „Wir sind eine große Gemeinschaft. Das zeichnet das Team aus“, weiß der Trainer. 

Co-Trainer Benjamin Müller.
Co-Trainer Benjamin Müller.

Denn selbst die 98 kassierten Gegentore aus der vergangenen Saison und die 15 Niederlagen, denen lediglich ein einziger Sieg gegenüber steht, konnten den unbedingten Willen der Truppe bislang nicht stoppen. Warum auch? Denn beim VfR Ebel braucht sich aufgrund dieser Ergebnisse niemand zu grämen, so ist die Geschichte des Frauenfußballs in dem Bottroper Klub doch noch jung. Etwa zwei Jahre ist es nun her, dass der jetzige Vorstandsvorsitzende Daniel Hooge der Gedanke kam, eine Frauenmannschaft zu gründen. Was anfangs nur ein paar Ladies waren, die sich zum Training trafen, ist nun ein 20-köpfiger Kader geworden, der sich zurzeit intensiv auf seine zweite Kreisligasaison vorbereitet – und zwar unter der Regie eines Trios. Dazu gehören Torwarttrainer Volker Eckenroth, „Co“ Benjamin Müller und Chefcoach Christian Lisztner. Letzterer übernahm den Posten im Herbst 2012 und kennt sich nur allzu gut in Ebel aus. „Ich spiele schon seit meiner Kindheit hier. Da ist es schon etwas Schönes endlich auch ein Frauenteam im Verein zu haben.“

Torwarttrainer Volker Eckenroth.
Torwarttrainer Volker Eckenroth.

Seit Ende Juli bereiten die drei Verantwortlichen ihre Truppe nun auf die neue Spielzeit vor. Laufarbeit, Sprints, Technik, Taktik und Torschuss werden zwei Mal wöchentlich trainiert. Auf Turnieren und in Testspielen wird die nötige Spielpraxis gesammelt. „Mit dem Verlauf der Vorbereitung sind wir bislang sehr zufrieden“, berichtet der 31-jährige Übungsleiter, der als Saisonziel einen guten Platz im Tabellenmittelfeld anstrebt. „Wir wollen natürlich mehr Zähler holen, als die drei in der letzten Spielzeit. Ein zweistelliges Punktekonto wäre schon sehr gut.“ Damit dieses Unternehmen auch von Erfolg gekrönt wird, schicken die Ebeler eine bunt gemischte Truppe, wie Lisztner sie selbst bezeichnet, ins Rennen. Die Jüngste ist gerade mal 17, die älteste Spielerin hat 40 Lenze auf dem Buckel. Während die einen Kickerinnen noch nicht so häufig gegen den Ball getreten haben, haben die anderen schon langjährige Erfahrungen auf den hiesigen Plätzen sammeln können. Agilität auf der einen, Routine auf der anderen Seite. Eine Mannschaft also, wie sie wohl unterschiedlicher kaum sein kann. Für den Trainer jedoch alles andere als ein Manko. „Die Mädels helfen sich gegenseitig, das klappt alles wunderbar.“

 

Ob am 8. September dann auch alles wunderbar für die Ebelerinnen klappt, wird sich zeigen. Denn direkt am ersten Spieltag geht es für die Elf ausgerechnet gegen einen der heißen Meisterschaftsanwärter, die Spielvereinigung Sterkrade-Nord. „Wir gehen in diese Partie so rein wie in jedes andere Spiel auch und wollen uns so gut wie möglich verkaufen“, so Christian Lisztner, der hofft, dass sich sein Team gegen den laufstarken Gegner aus einer geordneten Defensive dennoch die ein oder andere Chance erspielen kann. Doch selbst, wenn dies nicht gelingen sollte, eines kann sich der Coach wohl gewiss sein: Aufgeben wird seine Elf in keinem Fall.

Auf'm Platz sprach mit Trainer Christian Lisztner:

Trainer Christian Lisztner.
Trainer Christian Lisztner.

Auf'm Platz: Christian, kannst Du dich noch an den 14. April dieses Jahres erinnern?

Lisztner: „Hmm, dunkel (überlegt). Da musst Du mir auf die Sprünge helfen... Was war da?“

 

Auf'm Platz: Ihr habt an diesem Tag zum ersten Mal in der Meisterschaft den Platz als Sieger verlassen. 

Lisztner: „Stimmt! Das war ein ganz besonderer Tag mit einem ganz besonderen Sieg für uns. Da haben wir 3:2 gegen die SG Osterfeld gewonnen. Eine Mannschaft, die mit uns auf Augenhöhe ist. Im Hinspiel hatten wir knapp verloren. Wir haben uns vor der Partie gesagt: Wenn wir ein Spiel gewinnen, dann das. Dann lagen wir allerdings erst einmal mit 0:2 in Rückstand. Doch die Mannschaft hat dann Moral bewiesen und das Spiel gedreht. Ein richtiger Kraftakt war das, der aber am Ende belohnt wurde.“

 

Auf'm Platz: Du trainierst die Mannschaft nun seit knapp einem Jahr. Welche Fortschritte hat sie in diesem Zeitraum gemacht?

Lisztner: „Das Team hat sich in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. Da ist zum Beispiel das Auftreten auf dem Platz. Die Spielerinnen sind nicht mehr so eingeschüchtert, sondern sind ruhiger und als Mannschaft gefestigter geworden. Auch das Zusammenspiel ist flüssiger und die einzelnen Mannschaftsteile greifen besser ineinander. Wir hatten in der vergangenen Saison einige Akteurinnen dabei, die noch nie zuvor vor den Ball getreten hatten. Dennoch haben wir das Team für den Meisterschaftsbetrieb angemeldet und sozusagen ins kalte Wasser geschmissen. Wir wollten, dass es Erfahrungen sammelt. Und für die erste Saison haben die Damen es auch gut gemacht.“

 

Auf'm Platz: Dennoch habt Ihr sehr oft verloren und viele Gegentore kassiert. Wie hast Du das Team da bei Laune gehalten?

Lisztner: „Es ist immer eine Herausforderung die Mannschaft wieder aufzurichten. Gerade wenn man gegen Spitzenteams wie Sterkrade-Nord oder Arminia Klosterhardt hohe Niederlagen einstecken muss. Allerdings muss ich an dieser Stelle meinen Spielerinnen ein Kompliment machen. Sie haben einfach Spaß an ihrem Sport. Sie geben sich nie auf, halten immer dagegen und sagen sich: Wir wissen, dass es nicht gut war, aber wir wollen es besser machen.“

 

Auf'm Platz: Stichwort „besser machen“. Was habt Ihr Euch für die neue Saison vorgenommen?

Lisztner:„Wir wollen versuchen die Fehler, die wir in einigen Spielen gemacht haben, abzustellen. Natürlich muss man dabei beachten, dass eine eher unerfahrene Mannschaft, wie wir es sind, auch Fehler machen kann und darf. Unser Ziel ist ein guter Platz im Mittelfeld der Tabelle.“

 

Auf'm Platz: Wie schätzt Du die Liga ein? Es ist ja erstmals der Fall, dass die Gruppe nur aus Bottroper und Oberhausener Teams besteht.

Lisztner:„Es sind drei, vier neue Mannschaften dabei, die wir noch gar nicht kennen. Favoriten sind sicherlich wieder Arminia Klosterhardt und die Spielvereinigung Sterkrade-Nord, die schon im letzten Jahr die Gruppe dominiert haben. Ich freue mich über die Größe der Liga. In der vergangenen Saison hatten wir viele spielfreie Wochenenden, was einen als Mannschaft immer etwas aus dem Rhythmus bringen kann.“

Transfers

Abgänge:

Tanja Bohne (BW Gelsenkirchen), Julia Luthe (VfB Bottrop), Verena Bromm (RW Fuhlenbrock), Vivien Linder (unbekannt)

 

Zugänge:

Nicole Sieg (GA Sterkrade), Sarah Wrobel (SC Victoria 21), Tanja Holz (reaktiviert), Evelyn Kolczak (reaktiviert)

VfR Ebel Frauen - Saison 2013/2014.
VfR Ebel Frauen - Saison 2013/2014.

Kader

Tor: Jenny Reissig, Chantal Hübbertz

 

Abwehr: Jasmin Sternhagen, Sencica Jänsch, Nicole Hoffmann, Jessica Eckenroth, Jessica Fellner, Evelyn Kolczak

 

Mittelfeld: Birgit Jusik, Bianca Hübbertz, Gordona Bulatovic, Yvonne Sliwka, Miriam Karanikolopoulos, Adriana Nieszporek, Lena Stratmann, Denise Fellner, Nicole Sieg

 

Sturm: Ines Lisztner, Tanja Holz, Rebecca Noth, Sarah Wrobel, Gülüsen Arslan

 

langzeitverletzt: Eda Serifoglou

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Kommentare: 1
  • #1

    King Lui (Sonntag, 25 August 2013 08:32)

    In Mannschaft liegt die Kraft.