„Das wird stückweit ein Abenteuer“

Mannschaftsvorstellung

Die Party geht weiter! Die Sportvereinigung Sterkrade-Nord gibt ab sofort in der Landesliga ihre Visitenkarte ab, nachdem die Mannschaft um Cheftrainer Lars Mühlbauer sensationell am letzten Spieltag der vergangenen Spielzeit den Aufstieg packte. Die „Schmachtendorfer“ bleiben aber ihrer Linie treu und verstärkten sich vor allem mit blutjungen Spielern und spucken keine großen Töne. Bescheidenheit wird aktuell groß geschrieben, ist aber nicht der einzige Trumpf an der Lütticher Straße.

Von Raphael Wiesweg

Mannschaftsvorstellung SpVgg. Sterkrade-Nord

Wir schreiben den 9. Juni 2013. Sterkrade-Nord geht als Tabellenzweiter an den letzten Spieltag heran und keiner kann ahnen, welche Dramatik auf alle Bezirksliga-Anhänger an diesem Sonntagnachmittag warten wird. Die Nordler müssen ihr Spiel, das Derby gegen Adler Osterfeld gewinnen und zeitgleich auf einen Patzer hoffen. Ausgerechnet auf einen Patzer vom Tabellenführer Spielclub 20 Oberhausen, der die ganze Saison noch nicht ein einziges Mal verloren hat. Der SC 20 tritt parallel beim SV Union Frintrop an. Es sind nur noch wenige Minuten zu spielen und der Spitzenreiter liegt in Essen tatsächlich 1:2 zurück. Das Problem aus Sicht der Sportvereinigung Sterkrade-Nord? Der Adler macht ihnen das Leben mehr als nur schwer und gleicht sogar in der 79. Spielminute zum unfassbaren 3:3 aus. Dann, acht Minute später der große Auftritt von Oli Straub, der zum gefeierten Held wird. Straub drückt das runde Leder über die Linie, Nord führt, wenig später stehen die Spieler aufgeregt, zitternd und fragend zusammen: Wie steht es beim Spielclub? Ist schon Schluss? Sind wir aufgestiegen? Bange Sekunden vergehen. Sekunden, die wie Stunden vorkommen. Zuschauer, Spieler und Trainerteam bewegen sich in Zeitlupen, die Lütticher Straße scheint still zu stehen… und dann… und dann explodiert es! Übers Handy wird durchgegeben, dass der SC 20 Oberhausen tatsächlich verloren hat. Zum ersten Mal in der Saison. Am letzten Spieltag. Der große Gewinner? Die Sporvereinigung Sterkrade-Nord 1920/25, die somit in die Landesliga aufsteigt. Nur eine Woche später folgt die Krönung im Pokalfinale. Die Mühlbauer-Elf sichert sich mit einem 4:1 im Finale das Double. Gegner und Verlierer? Der Spielclub 20 Oberhausen.

Mister Torjäger Daniele Kowalski. Foto: Sterkrade-Nord
Mister Torjäger Daniele Kowalski. Foto: Sterkrade-Nord

Solche Geschichten schreibt nur der Fußball. Am letzten Meisterschaftsspieltag gegen SV Adler Osterfeld knipste ein gewisser Daniele Kowalski satte dreimal. Mit dann 31 Treffern setzt sich der Stürmer somit also auch noch die Torjägerkanone auf. Zwei Tore mehr als der ehemalige Zweitliga- und Spielclub 20-Spieler Ümit Ertural. Jener Kowalski, der von allen nur liebevoll ‚Kuba‘ gerufen wird, macht zum Saisonauftakt 2013/2014 genau da weiter, wo er wenige Monate zuvor aufgehört hat und wofür er zuständig ist: beim Toreschießen. Im ersten Pflichtspiel der neuen Spielzeit schießt ‚Kuba‘ den SV Hamminkeln praktisch im Alleingang ab und sichert seinen Farben den Einzug in die 2. Runde des Niederrheinpokals. Beim Bezirksligisten traf ‚Kuba‘ (natürlich) dreimal beim 4:2-Sieg und bekam hinterher auch wegen seines mannschaftsdienstlichen Einsatz ein Extra-Lob von seinem Cheftrainer. Man kann Eins und Eins zusammenzählen, dass ‚Kubagooool‘ einer derjenigen war, die Angebote anderer Klubs hatte. Sein Trainer will darüber nicht reden. Doch ein Stürmer, der in diesen Ligen so oft trifft, weiß wohl durchaus etwas mehr, als nur den rechten vor den linken Fuß zu setzen und das dieses runde Ding in dieses eckige Ding soll. Mühlbauer will auch deswegen nicht darüber reden, weil ‚Kuba‘ nicht der Einzige war, der ein Angebot hatte und es die Mannschaft war, die der Erfolg gehört. Kein Wunder also, dass es im Prinzip keinen Abgang gibt. Einzig Malte Wissen verlässt die Mannschaft. Wahrscheinlich schweren Herzens, auch wenn er in Frankfurt eine großartige berufliche Chance geschenkt bekommen hat. „Wenn es Spieler gibt, die zu Dir kommen und sagen ‚Ich bleibe, wenn Du bleibst‘, dann macht dich das richtig stolz“, erzählt Mühlbauer rückblickend und mit einem kleinen Kloß im Hals. Freudentränen sind nicht direkt zu erkennen, doch man weiß auch so, dass Mühlbauer es ehrlich meint. „Es gibt eigentlich nichts Besseres, wenn Dir jemand so etwas sagt“, so der Cheftrainer, der von Beginn an seiner Trainer-Tätigkeit nie einen Hehl daraus gemacht hat, persönlich auch sehr ambitioniert zu sein. Doch wenn er so weiter macht, dann braucht auch er die Lütticher Straße nicht verlassen. Denn in seinen drei Jahren, die er verantwortlich an der Seitenlinie steht, gab es zwei Aufstiege.

Auf'm Platz sprach mit Trainer Lars Mühlbauer

Auf’m Platz: Lars, es fällt auf, dass ihr bei den Neuverpflichtungen nur junge Spieler zur Lütticher Straße gelockt habt. Ist das kein zu großes Risiko für die Landesliga?

Mühlbauer: „Nein, das war so gewollt. Außerdem sagt das Alter ja nichts über die Qualität aus. Und das haben die jungen Kicker auch. Zudem wollten wir nach dem Aufstieg keine großartig gestandenen Neuen, denn wir wollen der Mannschaft, die diesen Aufstieg gepackt hat, keinen vor die Nase setzen. Sie haben es verdient, sich zu beweisen. Außerdem haben wir ein großen Trumpf: Die Truppe ist jetzt schon über Jahre eingespielt.“

 

Trainer Lars Mühlbauer. Foto: Sterkrade-Nord
Trainer Lars Mühlbauer. Foto: Sterkrade-Nord

Auf’m Platz: Bis auf das Testspiel gegen den Bezirksligisten Moellen (1:5, d. Red.) lesen sich die Testspielergebnisse durchweg positiv.

Mühlbauer: „Ja, da hatten wir einen rabenschwarzen Tag. Bei dem Test fehlten mir erstens einige Spieler, aber Moellen hat auch eine richtig starke Truppe. Ich kann niemandem einen Vorwurf machen. Wir steckten dort mitten in der Vorbereitung und sind dafür jetzt gut gerüstet.“

 

Auf’m Platz: Du bezeichnest die kommende Spielzeit selbst als Abenteuer. Ist es eins von Dauer oder nur eins bis nächstes Jahr?

Mühlbauer: „Das wird knallhart, richtig schwer. Erst einmal gibt es fünf Absteiger, dazu noch einen Relegationsplatz und dann die vielen guten Vereine in der Liga. Das ist schon Wahnsinn, was für eine starke Gruppe das durchweg ist. Daher ist ein guter Start sehr wichtig, aber ich bin überzeugt davon, dass die Mannschaft stark genug für die Liga ist.“

 

Auf’m Platz: Du sprichst die Liga bereits an. Wer sind für dich die Favoriten, die am Ende wohl eher weniger hinter Sterkrade-Nord stehen werden?

Mühlbauer: „Schwierig zu sagen, wirklich. Dafür ist die Qualität glaube ich einfach zu hoch. Top-Favorit für mich ist der FC Bocholt. Danach kommen sicherlich Mannschaften wie Hamborn, Schermbeck und Rellinghausen. Und ich habe einen Riesen-Respekt vor Michael Lorenz und Arminia Klosterhardt. Er ist ein super Typ und leistet eine unglaublich gute Arbeit dort.“

 

Auf’m Platz: Warum genau ist die Landesliga überhaupt für euch ein Abenteuer?

Mühlbauer: „Seit ich hier Trainer bin, haben wir noch nie zwei Spiele hintereinander verloren. Und es kann ja gut sein, dass das diese Saison mal passiert und dann bin ich gespannt, wie wir untereinander darauf reagieren werden. Wir werden alle wachsen und reifen können und darauf freue ich mich einfach.“

Transfers

Neuzugänge:

Fabian Roth (eigene 2. Mannschaft), Dustin Vogt (Dinslaken 09 A-Jugend), Michael Kunze (VfB Homberg A-Jugend), Robin Kerf (TV Jahn Hiesfeld A-Jugend), Simon Hübel (eigene A-Jugend), Luis Mattern (eigene A-Jugend), Esmer Vilic (VfB Lohberg)

 

Abgänge:

Malt Wissen (Beruflich nach Frankfurt)

Kader

Die SpVgg. Sterkrade-Nord für die Saison 2013/2014. Foto: Sterkrade-Nord
Die SpVgg. Sterkrade-Nord für die Saison 2013/2014. Foto: Sterkrade-Nord

Obere Reihe (von links):

Christian Bigierz, Daniele Kowalski, Ugur Yilmaz, Stefan Tempes, Michael Kunze, Timm Wüsten

 

Mittlere Reihe (von links):

Trainer Lars Mühlbauer, Physiotherapeut Christian Plenkovic, Tobias Biegierz, Martin Biegierz, Fabian Roth, Alexander Ripkens, Sponsor Norbert Brenne, Betreuer Karzim Karacali

 

Vordere Reihe (von links):

Dustin Vogt, Benjamin Musiolik, Robin Kerff, Robert Delling, Essmer Vilic, Christian Klingbeil, Vernes Hafizovic, Christian Zier

 

Es fehlen:

Mike Ratkowski, Adin Alagic, Simon Hübel, Luis Mattern, Oliver Straub, Markus Bolzt, Torwarttrainer Jörg Mattern, Co-Trainer Ede Schunk

 

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oben: Christian Bigierz, Daniele Kowalski, Ugur Yilmaz, Stefan Tempes, Michael Kunze, Timm W�sten
Mitte: Lars M�hlbauer, Christian Plenkovic, Tobias Biegierz, Martin Biegierz, Fabian Roth, Alexander Ripkens, Norbert Brenne, Karzim Karacali
unten: Dustin Vogt, Benjamin Musiolik, Robin Kerff, Robert Delling, Essmer Vilic, Christian Klingbeil, Vernes Hafizovic, Christian Zier
es fehlen: Mike Ratkowski, Adin Alagic, Simon H�bel, Luis Mattern, Oliver Str�ub, Markus Bolzt, Torwarttrainer J�rg Mattern, Co-Trainer Ede Schunk

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