„Wir wollen uns in der Oberliga etablieren“

Mannschaftsvorstellung

Es ist mit Abstand das klassenhöchste Team bei unserem Magazin Auf’m Platz. Der SV Zweckel hat diese Rolle schon länger inne, doch dieses Jahr setzen die Gladbecker noch einen oben drauf. Denn letztes Jahr als Aufsteiger in die Westfalenliga gestartet, marschierte die Mannschaft um Cheftrainer Günter Appelt direkt durch und spielt nun in der Oberliga um Punkte. Richtig realisiert haben die Mannen von der Dorstener Straße den wahnsinnigen Aufstieg in den letzten Jahren noch nicht. Eine Hiobsbotschaft aus der Vorbereitung trübte zuletzt die Stimmung aber etwas. 

Von Raphael Wiesweg

Mannschaftsvorstellung SV Zweckel

„Ich finde es ok, aufzusteigen“, muss Günter Appelt gleich zu Beginn des Gesprächs lachen. Beim Blick zurück erinnert sich der Cheftrainer des SV Zweckel noch ganz genau an die letzten Monate, ja gar die letzten Jahre. Als Appelt 2010 anfing, kickten die Gladbecker noch in der Landesliga. „Ich will nun einmal immer oben mitspielen und Erfolg haben. Das habe ich den Jungs auch vor der letzten Saison gesagt. Ob sie es mir da schon geglaubt haben, dass wir aufsteigen können, muss man vielleicht die Spieler fragen“, so Appelt. Und wie wir alle seit dem verrückten letzten Spieltag wissen, bezeichneten selbst fast die Hälfte aller Spieler den Trainer als bekloppt. So bekloppt, dass wohl noch nicht alle realisiert haben, wo sie nun spielen. „Ich denke, dass nach fünf sechs Spieltagen die Spieler merken werden, wo sie sind“, erzählt Appelt mit einem Lächeln. Denn er weiß dieses Mal nur zu gut, dass es keinen erneuten Durchmarsch geben wird.

Alle und alles steht für den Oberliga-Start bereit.
Alle und alles steht für den Oberliga-Start bereit.

Einen Durchmarsch an Arbeit hat dafür der Trainer selbst hinter sich. An Urlaub war nicht zu denken. Auch nicht zwischen Saisonende und Saisonvorbereitung. „Es mussten zu viele Gespräche geführt werden, zu viele Dinge geplant werden. Im Prinzip waren ja auch nur zwei Wochen Zeit bis zur Saisonvorbereitung (die beim SVZ am 7. Juli startete, d. Red.), in der wir dann bis heute fast täglich trainiert haben“, so Appelt. Und die ersten Tests hatten es in sich. Der SV Zweckel konnte sich gegen andere Oberligisten nicht einmal durchsetzen. Gegen den Regionalliga-Absteiger FC Kray setzte es eine 0:6-Niederlage, gegen die Reserve von Rot-Weiß Essen spielte man 1:1, gegen den VfB Hilden verlor man 2:5 und gegen den SV Schermbeck spielte man ebenfalls nur 1:1 Unentschieden. Alles innerhalb von elf Tagen. Es waren die ersten Testspiele überhaupt. „Ich habe bewusst starke Gegner ausgesucht. Die Jungs sollten nach all der Euphorie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Man muss dazu aber erwähnen, dass wir bei den Tests jeweils am Anfang unserer Vorbereitung standen, während die Gegner uns als letzten Test vor ihrem Saisonstart wählten“, verdeutlicht Appelt. Dass es auch anders geht, zeigte dann das hochkarätig besetzte Turnier beim TSV Marl-Hüls, das parallel zu den Gladbecker Feldstadtmeisterschaften Anfang August stattfand und man am Ende den ersten Platz einheimste.

Co-Trainer Marc Bahl, Trainer Günter Appelt und Betreuer Waldemar Bahl (von links) besprechen die nächste Einheit.
Co-Trainer Marc Bahl, Trainer Günter Appelt und Betreuer Waldemar Bahl (von links) besprechen die nächste Einheit.

Doch kaum war der erste Erfolg eingetütet, folgte die erste Hiobsbotschaft. Denn Markus Poloczek zog sich bei diesem Turnier einen Kreuzbandriss zu. „Die Operation ist gut verlaufen, ich habe ihn im Krankenhaus besucht und mit dem Arzt gesprochen. Markus ist bereits in der Reha und wir hoffen, dass er in dieser Saison noch zum Einsatz kommt. Es gibt natürlich bei mir grundsätzlich keinen Stammspieler. Aber Markus' Ausfall ist für uns ein herber Verlust“, gibt Appelt Markus Poloczek alle Zeit der Welt und zeigt seine Wertschätzung ihm gegenüber. Neben Poloczek wird auch Ismail Viran noch länger fehlen, denn Viran hat noch nicht einmal mit der Mannschaft trainieren können. Schrauben am Gelenk verhinderten dies bisher. Dazu kommen derzeit noch eine Zerrung bei Sebastian Freyni und ein berufsbedingter zehntätiger Ausfall bei Fabio Sardini. Auch Neuzugang Norman Seidel fällt zehn Tage wegen Adduktorenproblemen aus. „Das sind einige, die dann im Gerüst fehlen, so dass ich froh bin, 24 Spieler im Kader zu haben“, erklärt Appelt, der eher überlegt noch einen weiteren Spieler zu verpflichten, als den Kader noch auszudünnen. „Ich arbeite lieber mit vielen und mit jungen Leuten. Viele von meinen Spielern sind ja noch nicht am Ende ihrer Entwicklung.“ Über alle Neuzugänge ist Appelt aber froh. „Ich bin über alle sehr glücklich und will daher niemanden hervorheben. Aber klar, Onucka und Heidel haben schon Regionalliga gespielt und daher werden diese beiden sicherlich noch mehr in Anspruch genommen als vielleicht noch andere.“

   Bei den Abgängen gibt es wenig Überraschendes. Dass Leifgen in Richtung Duisburg wechselt, stand schon vor dem Ende der letzten Saison fest. Studium und Fußball ließen sich von der Entfernung inklusive des Aufwands nicht mehr vereinbaren. Nico Striewe musste gehen, „weil die Qualität für die Oberliga nicht mehr ausreicht“ (Appelt). Tayfun Cakiroglu hätte man liebend gern gehalten. Letzten Sommer gekommen, entwickelte er sich zum besten Spieler. Zu gut, denn der VfB Hüls hatte nun trotz einiger finanzieller Probleme mehr Argumente auf seiner Seite. Zudem verließen auch Markus Krawietz, Michael Zoladz, Serdar Yigit, Gökhan Yavuz und Steffen Helten den Verein (Transfers siehe unten).

Auf'm Platz sprach mit Trainer Günter Appelt

Auf’m Platz: Hallo Günter, bei all dem sportlichen Erfolg in letzter Zeit: Wie sehr nervten die Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und dem Verein?

Appelt: „Es hat die Mannschaft nicht beeinflusst. Unser Vorstandsvorsitzender hatte in seinen Punkten ja Recht. Wenn man sich allein nur den Rasen anschaut, kommt man ganz einfach zu dem Entschluss, dass dieser nicht Oberligatauglich ist. Das muss aber auch nicht jeden Tag geäußert werden, deswegen habe ich nie etwas dazu gesagt. Ich freue mich, dass wir jetzt sechs statt drei Duschen haben, die auch noch alle funktionieren. Zudem wurden die Kabinen frisch gestrichen. Das sind Punkte, die mich freuen. Das sollte in den Vordergrund gestellt werden.“

 

Auf’m Platz: Oberliga ist noch kein Profitum. Aber was verändert sich alles durch so einen rasanten Aufstieg?

Appelt: „Wir müssen versuchen mit zu wachsen, ohne unseren Etat großartig zu überziehen. Wir haben einiges im Sponsoring getan und dort auch Zuwachs bekommen, wir machen ein Stadion-Heft und viele andere Dinge auch. Klar ist aber auch, dass wir von jetzt auf gleich keine Bäume ausreißen können. Wir haben aber mit den kleinen Möglichkeiten, die wir hier haben, viel geschafft. Jetzt heißt es, sich in der Oberliga zu etablieren.“ 

Trainer Günter Appelt.
Trainer Günter Appelt.

Auf’m Platz: Sprich, Du gibst ausnahmsweise nicht schon wieder den nächsten Aufstieg als Ziel aus?

Appelt: „Ich will immer oben mitspielen und Erfolg haben. Wer will das nicht? Wenn ich jetzt in der 2. Liga wäre, ist doch klar, dass man in die 1. Liga will. Aber wir müssen auch realistisch bleiben und der frühzeitige Klassenerhalt wäre ein erster Erfolg und für die Stadt wäre es auch etwas Feines. Wenn man jetzt mal die großen Städte mit Bundesligisten raus nimmt, könnte die Stadt sich doch auch damit brüsten, einen Oberligisten im Fußball zu haben. Ich fände das klasse und wir versuchen weiterhin, ein besseres Erscheinungsbild abzugeben.“

 

Auf’m Platz: Du hast gerade schon den Etat angesprochen. Es gibt nicht wenige, nicht nur Gladbecker, die immer wieder Vergleiche zu Germania Gladbeck ziehen, das damals sang- und klanglos auseinandergefallen ist. Viele sagen, euch wird es ähnlich ergehen, weil ihr vor allem dieselben Sponsoren habt.

Appelt: „Wir haben erst einmal den kleinsten Etat der Liga, das ist Fakt. Fakt ist aber auch, dass wir nicht dieselben Sponsoren haben, wie damals Germania Gladbeck. Ich glaube, dass wenn überhaupt nur ein einziger davon dabei ist. Wir sind anders strukturiert, der gesamte Verein ist sehr gut aufgestellt. Und da wir den Etat nie großartig überziehen, mache ich mir auch überhaupt keine Sorgen, dass uns Ähnliches geschieht wie Germania Gladbeck.“

 

Auf’m Platz: Ihr spielt gleich als Erstes bei TuS Erndtebrück, einer der Mitfavoriten auf den Aufstieg. Was rechnest Du Dir dort aus?

Appelt: „(lacht) Wir haben letzte Saison die Reserve geschlagen, warum sollten wir nicht auch die Erstmannschaft besiegen? Nein, im Ernst. Wir rechnen uns bei jedem Gegner in der Saison etwas aus, sonst können wir uns ja auch gleich die Busfahrten sparen. Wir fahren positiv gestimmt dort hin, auch wenn Erndtebrück ein sehr starkes Team hat. Wir haben aber auch Qualität dazu gewonnen und werden uns daher nicht verstecken.“

 

Auf’m Platz: Wen siehst Du oben im Aufstiegskampf?

Appelt: „Neben Erndtebrück rechne ich mit Rödinghausen, Arminia Bielefeld II und Erkenschwick, die um den Aufstieg mitspielen werden.“

Transfers:

Zugänge:

Ibrahim Basatli (VfB Hüls), Bünyamin Sari (VfB Hüls A-Jugend), Christian Luvuezo (SG Wattenscheid 09), Aldin Hodzic (DSC Wanne-Eickel), Burak Arlat (Westfalia Herne A-Jugend), Aldin Kljajic (SG Wattenscheid 09), Marko Onucka, Norman Seidel (beide SSVg Velbert), Daniel Schmitz (Erle 19)

 

Abgänge:

Laurits Leifgen (Duisburger Raum), Tayfun Cakirgolu (VfB Hüls), Markus Krawietz (Holzwickede), Michael Zoladz (TuS Sinsen), Serdar Yigit (Westfalia Herne), Gökhan Yavuz (YEG Hassel), Steffen Helten (TuS Gahlen), Nicolai Striewe (Ziel unbekannt)

Das offizielle Mannschaftsfoto des SV Zweckel für die Saison 2013/2014. Foto: SV Zweckel
Das offizielle Mannschaftsfoto des SV Zweckel für die Saison 2013/2014. Foto: SV Zweckel

Hintere Reihe (von links):

Trainer Günter Appelt, Co-Trainer Marc Bahl, Burak Arlat, Daniel Schmitz, Daniel Bertram, Aldin Hodzic, Marko Onucka, Luciano Sabellek, TW-Trainer Rüdiger Groschke

 

Mittlere Reihe (von links):

Bünyamin Sari, Ramadan Ibrahim, Fabio Sardini, Christian Luvuezo, Johannes Poloczek, Christian Kaminski, Jan Trampe, Jonas Schmidt, Betreuer „Waldi“ Bahl

 

Vordere Reihe (von links):

Can Ucar, Sebastian Freyni, Normen Seidel, David Kulina, Dennis Grüger, Martin Kyas, Ibrahim Basatli, Bünjamin Karagülmez

 

Es fehlen:

Markus Poloczek, Aldin Kljajic und Ismail Viran

 

 

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Kommentare: 7
  • #1

    gladbecker (Dienstag, 13 August 2013 16:20)

    Nochmal Respekt für das alles kann man nur den Hut vor ziehen und viel Glück

  • #2

    hansa-pilzsz (Mittwoch, 14 August 2013 03:58)

    als trainer appelt den sv zweckel übernahm , spielten die jungs schon in der landesliga. nur so nebenbei bemerkt.

  • #3

    kroate (Mittwoch, 14 August 2013 10:25)

    Viel Glück und gute Besserung Polo

  • #4

    aufmplatz (Mittwoch, 14 August 2013 11:06)

    @hansa-pilzsz:
    Du hast natürlich Recht, da war ein kleiner Fehler drin. Danke fürs aufmerksame Lesen, wurde sofort korrigiert :-)

  • #5

    Tuddy (Mittwoch, 14 August 2013 12:34)

    Wünsche dem Trainerteam ,u. Verantwortlichen eine tolle Saison 13-14.Viel Glück und Erfolg!

  • #6

    Mo7 (Mittwoch, 14 August 2013 13:12)

    Alles Gute Pollo! Und SVZ, viel Erfolg in der Oberliga.

  • #7

    SV Z-Fan-Frau (Mittwoch, 14 August 2013 22:36)

    Der Günter hat die Haare schön!