„Alle außer uns sind die Favoriten“

Mannschaftsvorstellung

Die SF Königshardt ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Ob unfreiwillig oder nicht, seit Anfang März steht fest: Mit Dirk Wißel wurde ein Trainer verpflichtet, der mit dem FC Kray zuletzt von der Landesliga bis in die Regionalliga durchmarschiert ist. Der Oberhausener gibt sich aber betont zurückhaltend und lässt erahnen, wie er demnächst am Pfälzer Graben Fußball spielen lassen will. Derweil lassen Wißels immer wiederkehrende ironische Beiträge auf eine unterhaltsame Spielzeit hoffen.

Mannschaftsvorstellung Sportfreunde Königshardt

Von Raphael Wiesweg

Sieben Minuten muss Wißel nur joggen. Dann hat er es von seinem Zuhause zu seiner neuen Sportanlage geschafft. Ein Katzensprung, der ausschlaggebend für ihn war, zu den Sportfreunden Königshardt zu wechseln. Denn der Erfolg beim FC Kray wurde im Prinzip zu viel. „Ich glaube, dass sich auch mein Arbeitgeber freut, dass ich nun nicht mehr so extrem eingespannt bin“, erklärt der 44-Jährige, der im Vertrieb für die RWE-Effizienz arbeitet und zuletzt mit dem FC Kray sensationell in der Regionalliga spielte. Dass er deswegen nun öfter genau darauf angesprochen wird, bringt der Erfolg automatisch mit sich. Unterschiede gibt es aber deswegen noch lange nicht.

Neuzugang Torwart Maximilian Meis von TuSpo Saarn nimmt seine gebrochene Hand mit Humor.
Neuzugang Torwart Maximilian Meis von TuSpo Saarn nimmt seine gebrochene Hand mit Humor.

„Auch beim FC Kray war alles total amateur- und nicht profihaft. So wie bei Königshardt. Es gibt keine Unterschiede, nur weil wir zuletzt so hoch gespielt haben. Vielleicht hatten wir zuletzt mehr Ärzte oder Physiotherapeuten. Das Leistungsgefälle ist hier von der eins bis zur 16 vielleicht noch größer, wenngleich es auch in der Bezirksliga sehr gute Fußballer gibt. Aber wir kamen auch aus der Landesliga und haben die gleichen Strukturen. Der Pfälzer Graben hat sogar die noch bessere Platzanlage“, so Wißel, der im Vergleich zu seinen vielen baldigen Trainerkollegen wenige Testspiele anberaumte. „Wenn man nicht mehr weiß, was man im Training machen soll, vereinbart man Testspiele. Einheiten kann ich unterbrechen und den Spielern dann erklären, was sie besser machen können. Das hat sich zuletzt bewährt. Der Beweis, dass es auch hier richtig ist, bleibt natürlich noch aus“, gibt Wißel zu. Der Übungsleiter lässt erahnen, wie demnächst unter ihm Fußball gespielt werden soll. „Wer vielleicht das ein oder andere Spiel in Speldorf oder Kray unter meiner Leitung gesehen hat, der bekommt schon eine Vorstellung. Man kann mit 28 Ballkontakten zu seinem Ziel kommen. Man kann aber auch sich den Ball an einer bestimmten Stelle wiederholen, wo der Weg zum Tor nur sehr viel kürzer ist. Das heißt aber auch nicht, dass hier zuletzt schlecht gespielt wurde. Hier wurde in der jüngsten Vergangenheit gut gearbeitet. Sonst wäre man ja auch nicht Vierter geworden“, so Wißel weiter.

Dusan Trebaljevac kam von Mülheim 07.
Dusan Trebaljevac kam von Mülheim 07.

Dabei ist Fußball gar kein Hexenwerk oder kompliziert, wie Wißel weiter erklärt. „Fußball ist ein einfaches Spiel. Es ist aber das Schwierige, ihn einfach aussehen zu lassen. Regel Nummer eins ist doch überall: Tore schießen. Und das werden wir auch versuchen.“ Bei dem Versuch ein paar Neuzugänge zu ergattern, waren die Sportfreunde bereits erfolgreich. Natürlich musste sich Wißel auch etwas auf den Sportlichen Leiter Marc Schwan verlassen, der mehr Zeit hatte und die Umgebung zuletzt besser kannte, als Dirk Wißel selber. „Aber einen Björn Hlavaty kenne ich natürlich noch von früher und auch Dusan Trebaljevac wollte ich haben, der bei seinen Klubs entscheidenden Anteil am Erfolg hatte. Er wird uns als Stürmer gut tun und ist mit seinen 27 auch ein bereits Erfahrener“, so Wißel, der eigentlich ungerne über einzelne Spieler spricht. „Keiner fällt negativ auf, alle ziehen super mit. Wer vielleicht etwas hervorzuheben ist, ist Julian Rosenau, der einen richtig guten Eindruck macht.“ Ein anderer Neuer, Maximilian Meis, trägt derzeit Gibs um seinen rechten Arm. Das Doofe hieran: Meis ist Torwart, kam aus Mülheim und hat seinen Humor wegen der Verletzung aber nicht verloren. „Da hilft man einmal in der Reserve aus und dann passierte so was“, so Meis, der dann kurz unterbricht und seinen Torwarttrainer Sascha Bast ruft. „Mach mir mal bitte meine Schuhe zu und steck mein Trikot in die Hose.“ Dass nicht alle bleiben wollten, zeigten unter anderem Gino Seggio (Adler Osterfeld) und zuletzt auch Florian Reuschenbach, der von Arminia Klosterhardt kam und nach ein paar Wochen Vorbereitung wieder nun zurück an den Hans Wagner Weg ging. „Dazu werde ich mich nicht großartig äußern. Aber es wirkt natürlich schon komisch, wenn ein Spieler mittendrin geht. Ich kenne es so, dass man sich vorher Gedanken macht, bei welcher Entscheidung man sich am wohlsten fühlt“, so Wißel, der unter anderem auch noch mit Dominik Schulz gerade für den Abwehrbereich eine gute Verstärkung bekommen haben dürfte. Denn Schulz kommt vom Oberligisten Rot-Weiß Oberhausen II. „Er wird uns auch sicherlich weiterhelfen können. Aber auch durchlebt wie andere Spieler auch mal hier und da ein Tief. Wir werden versuchen, dass alle Spieler möglichst kontinuierlich ihre Leistung abrufen können.“

Auf'm Platz sprach mit Trainer Dirk Wißel

Auf'm Platz: Dirk, geht der Aufstieg diese Saison nur über die SF Königshardt?

Wißel: „Nein. Wir als Verein haben auch gar nicht die Erwartungshaltung, aufzusteigen und haben daher auch gar kein Druck. Der richtige Weg für uns wird sein, von Spiel zu Spiel zu denken.“

 

Auf'm Platz: Wenn aber ein Trainer wie Du kommt, der mit einem Landesligisten es so weit gebracht hat, dann muss dieser Trainer ja ein Guter sein.

Wißel: „Wir stecken nackt in der Kleidung und sind alle gleich. Ich bin nicht besser als andere. Ich kann auch nicht die Hand auflegen und automatisch ist dann alles besser. Wir müssen gemeinsam gucken, dass alle gemeinsam mitziehen. Davon bin ich abhängig. Wenn das nicht klappt, kann ich noch so toll sein. Dann bleibt der Erfolg aus. Die Spieler sind für den Erfolg verantwortlich. Wir haben ein großes Thema: Immer wieder versuchen zu gewinnen. Und dafür haben wir 32 Versuche in der Saison.“

Der neue Cheftrainer Dirk Wißel.
Der neue Cheftrainer Dirk Wißel.

Auf'm Platz: Klingt, als ob auch Glück dazu gehört.

Wißel: „Glück gehört ab und zu dazu, ja. Aber Schicksal gibt es nicht, davon halte ich nichts. Ich vergleiche das immer mit einem Automaten. Wer viel oben rein wirft, kann unten viel raus bekommen. Bisher ist die Intensität sehr groß und die Begeisterung auch.“

 

Auf'm Platz: Wer ist dann für dich der Favorit auf den Aufstieg?

Wißel: „Laut Aussage von BWO haben die doch den besten Trainer, die beste Mannschaft, den besten Platz und den besten Vorstand (schmunzelt).“

 

Auf'm Platz: Klingt ein wenig ironisch.

Wißel: „Alles, was ich sage, ist ironisch.“

 

Auf'm Platz: Und ernsthaft: Wer ist Favorit?

Wißel: „Man wird nicht an Worten, sondern an Taten gemessen. Weniger erzählen, mehr machen, das ist mein Credo. Wie soll ich BWO oder andere Vereine beurteilen können? Ich könnte jetzt sagen, dass BW Dingden oder der Hamminkelner SV Favoriten sind. Und dann? Kann doch keiner das Gegenteil behaupten zum jetzigen Zeitpunkt. Ich wundere mich, warum jeder eher den Viertplatzierten einer vorherigen Bezirksliga-Saison als Favoriten nennt, bevor man beispielsweise Borussia Bocholt nennt, das aus der Landesliga abgestiegen ist. Für mich steht nur fest, dass es eine sehr starke Gruppe sein wird. 95 Prozent Leistung werden da nicht reichen.“

 

Auf'm Platz: Was ist dann euer Ziel für die kommende Saison?

Wißel: „Unser Ziel ist es, schönen Fußball zu spielen. Schon jetzt kommen einige Zuschauer zum Pfälzer Graben. Es wäre doch noch schöner, wenn die Leute sagen: Ich habe gehört, dass da guter Fußball gespielt wird, deswegen gehe ich zu einem Spiel dorthin. Eine Platzierung werde ich nicht als Ziel ausgeben. Das System wird wichtig sein, um erfolgreich Fußball spielen zu können.“

 

Auf'm Platz: Für wie lange hast Du hier eine Vereinbarung mit Königshardt getroffen?

Wißel: „Ich mache immer nur Ein-Jahres-Verträge, da ich auch auf meine Gesundheit achten muss. Ich bin Diabetiker und habe eine kaputte Hüfte. Da bringt es für beide Seiten nichts, wenn man langfristige Verträge abschließt.“

Transfers

Neuzugänge:

Wojtek Musial (SpVgg. Sterkrade 06/07), Julian Rosenau (FC Sterkrade 72), Björn Hlavaty (GW Holten), Dusan Trebaljevac (Mülheim 07), Dominik Schulz (Rot-Weiß Oberhausen U23), Maximilian Meis (TuSpo Saarn)

 

Abgänge:

Brian Klauenberg (eigene Reserve), Gino Seggio (SV Adler Osterfeld), Marvin Luft (Buschhausen 1912)

Das offizielle Mannschaftsfoto von den Sportfreunden Königshardt für die Saison 2013/2014.
Das offizielle Mannschaftsfoto von den Sportfreunden Königshardt für die Saison 2013/2014.

Obere Reihe (von links):

Wojtek Musial, David Mertesacker, Christian Hinz, Marc Skowronek, Dominik Schulz, Yasin Meziroglu, Nico Schmelt, Tim Marquardt

 

Mittlere Reihe (von links):

Co-Trainer Kai-Oliver Romboy, Trainer Dirk Wißel, Dusan Trebaljevac, Marcel Spitzer, Nurtekin Bulut, Betreuer Bastian Hecker, Sportlicher Leiter Marc Schwan, Torwart-Trainer Sascha Bast

 

Unterste Reihe (von links):

Marius Lange, Marc Janßen, Bartosch Zolna, Maximilian Meis, Kevin Luft, David Reuschenbach, Julian Rosenau, Björn Hlavaty

 

Es fehlen:

Oguz Sefi, Christopher Ohm, Daniel Schoss, Robin Thiel

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Gazza (Dienstag, 13 August 2013 17:30)

    Viel Glück und machse alle glatt, Jule.....!! ;-)
    Grüß mir mal den Hecker und den Schoss

  • #2

    Ramos (Mittwoch, 14 August 2013 12:37)

    Viel Glück Tim Marquardt,dem Anschein nach bist du einer der gesetzten vom Trainer.

  • #3

    Günni (Dienstag, 20 August 2013 21:38)

    Julian ich wünsche dir viellllllllllllllll Glück...und pass auf dich auf OK...