„Ich würde jeden persönlich dahin tragen“

Knapp eine Woche nach dem bitteren Scheitern um den Landesliga-Aufstieg sprach Auf’m Platz lange mit Thorsten Möllmann, Cheftrainer vom Spielclub 20 Oberhausen. Möllmann blickte auf den vergangenen Sonntag zurück und lässt die Leser an seinem und dem Seelenleben seiner Kicker teilhaben. Zudem sprach er über das anstehende Probetraining seiner Söhne bei einem Regionalligisten und dementierte andere Medien-Berichte, dass sein Verbleib an der Knappenstraße zur neuen Saison bereits feststünde. Dagegen hätte eine Spieler-Zusage für die neue Saison eine positive Kettenreaktion für alle anderen zur Folge, glaubt Möllmann, dem nach dem verpatzten Aufstieg gleich fünf Neuzugänge wieder absprangen.

Von Raphael Wiesweg

Thorsten Möllmann muss man eigentlich nicht mehr vorstellen. Der Übungsleiter aus Oberhausen wurde spätestens in dieser Saison bekannt wie ein bunter Hund, was sicherlich vor allem an ihm selbst lag. Möllmann ist nie um einen Spruch verlegen und ist ein direkter Typ, der aber ebenso - das bestätigten sowohl viele Spieler als auch Trainer der Konkurrenten - mit seiner Art und den Sprüchen die Bezirksliga Gruppe 4 wesentlich attraktiver machte. Doch, dass Möllmann sogar ein Gesangs-Talent ist, zeigte die Saisonabschlussfeier am letzten Sonntag erst. Möllmann ergriff „nachdem ich schon ein paar im Kopp hatte“ (Möllmann) am Sonntagabend das Mikrofon und sang. Das Video machte auf Facebook schnell die Runde und es zeigte den menschlichen Trainer, der sonst an der Außenlinie beinhart ist und auch schon mal den einen oder anderen Spruch unter die Gürtellinie schießt.

Auf’m Platz: „Grüß Dich, Thorsten. Ihr habt am letzten Sonntag gefeiert, obwohl ihr wenig Anlass dazu hatten, richtig?“

Möllmann: „Ja, ich denke, dass das auch das Besondere am Spielclub ausmacht. Bei anderen wäre alles vorbei gewesen, bei uns wurde die Schranke dennoch geöffnet.“

 

Auf’m Platz: „Wie konnte das passieren, dass ihr ausgerechnet am letzten Spieltag zum ersten Mal verliert und damit den sicher geglaubten Landesliga-Aufstieg noch aus der Hand gebt?“

Möllmann: „Da kamen sicherlich einige Dinge zusammen, aber ich will niemandem jetzt die Schuld geben. Niemandem. Aber man muss auch ehrlich zugeben, dass wir an dem Tag nicht gut waren. Dennoch waren gerade am Anfang einige Foulspiele mehr als nur an der Grenze. Für die ersten vier Foulspiele hätte es dreimal Rot geben müssen. Allein Ümit Ertural wird dreimal einfach weggegrätscht, obwohl der Ball gar nicht mehr da ist. Dennoch bin ich stolz, wie ruhig Spieler, Mannschaft und auch Fans geblieben sind. Das hätte es hier vor ein paar Jahren noch nicht gegeben.“

 

Auf’m Platz: „Dennoch ist es schon Wahnsinn. Union stand bereits als Absteiger fest und ihr hattet bis dato noch nicht einmal verloren. Das ist doch nicht normal.“

Möllmann: „Union hat wirklich alles gegeben. Ich mein, jeder Spieler von denen hat auch 125 Euro Siegprämie bekommen, da würde ich auch nochmal mehr laufen, als sonst. Aber das finde ich auch völlig legitim. So ist es mir viel lieber eine Mannschaft mit Geld zu motivieren, zu gewinnen, als einer Mannschaft Geld zu geben, um zu verlieren. Ich hätte mir nur gewünscht, dass alle Teams von Anfang bis Ende der Saison immer so gespielt hätten, wie Union Frintrop am Sonntag. Dazu kam noch unser Pech, dass ein Gegentor ein Freistoßtor direkt in den Giebel war und wir beim zweiten Mal gepennt haben. Die hatten nur zwei Chancen. Zudem haben wir noch einen Elfmeter verschossen und Hilgert und Nözel standen jeweils alleine vor dem Torwart. Dann kamen noch verletzte Spieler im Laufe des Spiels dazu, die aber unbedingt weiterspielen wollten, um das Ding noch zu drehen. Wären die alle fit gewesen, hätten wir 5:1 gewonnen.“

 

Auf’m Platz: „Beim Elfmeterschießen scheint ein Fluch auf Euch zu liegen. Seid ihr einfach zu blöd, aus elf Metern zu treffen?“

Möllmann: „Die letzten fünf haben wir auf alle Fälle alle verballert, es scheint also so. Geht der Elfmeter rein, gewinnen wir das Spiel.“

 

Impression vom letzten Spiel des SC 20 in Essen:

 

Auf’m Platz: „Der verschossene Elfmeter dürfte nach Spielschluss doppelt geschmerzt haben.“

Möllmann: „Alle waren am heulen, weil wir die große Chance verpasst haben, aufzusteigen. Wir waren fix und fertig, das waren komische Szenen, die ich so noch nie gesehen habe. Ich habe auch zwei Stunden gebraucht, um wieder einigermaßen denken zu können und wir haben selbst jetzt, fast eine Woche danach, immer noch richtig schlechte Stimmung im Verein und der Mannschaft. Es war aber auch ein grottenschlechtes Spiel.“

 

Auf’m Platz: „Gibt es zudem auch noch so etwas wie einen Union-Fluch?“

Möllmann: „Ich habe vorher auch deswegen gewarnt, dass der Aufstieg noch nicht durch sei, weil wir dort noch nie gewonnen haben. Noch nie. Und das ist auch am Sonntag so geblieben.“

 

Auf’m Platz: „Die Schadenfreude ist bei vielen Vereinen jetzt groß. Es gibt zumindest mehr Schadenfreude als Mitgefühl. Eine verständliche Reaktion nach den letzten Monaten?“

Möllmann: „Wer austeilt, muss auch einstecken können. Dass solche Reaktionen kommen, ist normal. Und Sterkrade-Nord gratuliere ich zum Aufstieg. Wer am Ende oben steht, hat es auch verdient. Aber ich denke auch, dass wir oder ich die Bezirksliga ordentlich angeheizt haben. Bei Union waren wieder an die 1.000 Zuschauer da. Beim Spitzenspiel in Sterkrade-Nord auch. Und als Nord gegen Essen-West 81 gespielt hat? Da waren vielleicht 40 da. Jetzt am letzten Sonntag waren in Nord vielleicht 100 da. Egal, wo wir sind, da ist was los. Oder hat es irgendeinen interessiert oder hat es irgendeiner mitbekommen, als Arminia Klosterhardt in der Landesliga so gut dastand oder der SV Rhenania Bottrop aufgestiegen ist aus der anderen Bezirksliga-Gruppe? Ich denke daher einfach, dass viele, die sich jetzt melden, Neider sind. Hätten wir gewonnen, wären sie alle da gewesen. Jetzt bei der Niederlage hat sich gezeigt, wer dann noch zum Verein steht. Ich habe damit aber kein Problem.“

 

Auf’m Platz: „Die Gerüchte nach dem verpassten Landesliga-Aufstieg wuchsen in alle Richtungen. Bleibst Du Trainer beim SC 20 Oberhausen?“

Möllmann: „Momentan bin ich ja auch noch 2. Vorsitzender, weil bei den Wahlen damals keiner Bock hatte, die Hand zu heben. So muss ich mich auch immer wieder noch um Dinge kümmern, die den gesamten Verein betreffen. Aber ich will nur noch Trainer sein.“

 

Auf’m Platz: „Das heißt, noch ist alles offen?“

Möllmann: „Ja, momentan ist noch alles offen, auch wenn ich die neue Saison schon plane. Wir sind momentan auf einem guten Weg, einen neuen und vernünftigen Vorstand auf die Beine zu kriegen. Dann muss der Vorstand sich mit dem Trainer Möllmann zusammensetzen und sagen, ob man mit ihm noch weiterarbeiten will oder nicht.“

 

Auf’m Platz: „Lässt Du Dir also auch noch ein Hintertürchen für einen Wechsel offen?“

Möllmann: „Nein. Ich habe mir noch nie ein Hintertürchen offen gelassen. Das ist nicht meine Art.“

 

Auf’m Platz: „Willst Du denn beim Spielclub 20 bleiben?“

Möllmann: „Ja, allerdings will ich nicht nur um ein Jahr verlängern, sondern gerne um drei, weil ich was Langfristiges hier aufbauen will, auch wenn ich jetzt schon fünf Jahre Trainer der Mannschaft bin. Aber noch kann alles passieren, wobei ich davon ausgehe, bleiben zu werden. Wir werden auch in der neuen Saison eine gute Mannschaft haben, auch wenn einige gehen werden.“

 

Auf’m Platz: „Stichwort neue Saison. Deine beiden Söhne Sascha (23) und David (20) werden ein Probetraining beim Regionalligisten SV Velbert absolvieren. Sind die beiden noch zu halten?“

Möllmann: „Du bist gut informiert, ich hätte nicht gedacht, dass sich das schon herum gesprochen hat. Aber ja, es stimmt. Ab dem 22. Juni sind beide für 14 Tagen bei Günter Bruns im Training, danach müssen beide Seiten gucken, ob sie wollen und können. Wenn sie sich dazu entscheiden, dahin zu gehen, wäre es für den SC 20 sehr schlimm. Aber andererseits kann man es nachvollziehen. Ich kann es nicht verstehen, wenn man innerhalb der Bezirksliga wechseln würde, aber wenn man Du die Möglichkeit hast, von der Bezirksliga in die Regionalliga zu gehen, sollte man es nutzen. Sascha sollte eigentlich schon letztes Jahr nach Wuppertal wechseln und in dieser Saison waren er und David einmal beim Probetraining bei RWO. Sascha sollte für das Regionalliga-Team spielen, David für die U23 von RWO. Als sie ein zweites Mal gehen sollten, habe ich es verboten, weil es zwischen drei Spielen innerhalb einer Woche bei uns war, das war zu viel. Danach war RWO sauer und das Thema hatte sich erledigt. “

 

Auf’m Platz: „Jetzt bist Du wie gesagt nicht nur Trainer der beiden, sondern auch der Vater. Wenn beide nach dem Probetraining genommen werden sollen, beide sich aber unsicher sind und ihren Vater nach Rat fragen - was sagst Du ihnen dann?“

Möllmann: „Dass sich die Uhr weiterdreht und ich sie auf den Arm dahin tragen würde. Aber das würde auch für jeden anderen meiner Spieler gelten. Wenn man die Chance auf die Regionalliga hat, sollte man sie zumindest versuchen zu nutzen. Aber Sascha hat auch schon gesagt: Entweder dahin oder gar nicht wechseln. Ihm traue ich den Sprung auch zu. Velbert wird sich wundern, wen er da kriegt. Sascha ist schon professionell. Er trinkt nicht, geht jeden Tag Sport machen und wird da einige überraschen. Für David kommt das Ganze vielleicht noch etwas zu früh.“

 

Auf’m Platz: „Falls beide doch gehen, fällt die Mannschaft dann weiter auseinander? Du hast einige Kicker, die schon höher gespielt haben und es auch noch immer könnten.“

Möllmann: „Thomas Krebs hat es ja schon über Facebook verkündet, dass er mit seiner Karriere aufhört. Leider habe ich ihn persönlich noch nicht sprechen können, was ich sehr schade finde. Aber ich glaube er hat sein Herz für Fußball verloren. Er hatte ja schon letztes Jahr ähnliche Gedankengänge.“

 

Auf’m Platz: „Was ist mit Ümit Ertural, der unumstritten der beste Kicker in deinem Team ist?“

Möllmann: „Ümit ist jetzt fünf Jahre bei uns, ich wüsste nicht, warum er gehen sollte. Wenn er zusagt und bleibt, wird auch kaum ein anderer gehen, da bin ich mir sicher.“

 

Auf’m Platz: „Ümit ist dein Schwiegersohn, sprichst Du auch privat dann mit ihm über solche Dinge und über Fußball?“

Möllmann: „Gar nicht. Wir sprechen in der Familie dann kaum bis gar nicht über Fußball, sonst würde ich auch was von meiner Frau zu hören kriegen (lacht).“

 

Auf’m Platz: „Jetzt haben wir nur über theoretische Abgänge gesprochen. Wie sieht es mit Neuzugängen aus?“

Möllmann: „Ich hatte fünf Zusagen für die Landesliga, die nach dem verpatzten Aufstieg nun alle wieder abgesprungen sind. Es ist schwierig, Spieler zu locken, die dann auf Asche spielen sollen. Aber bis der Spielclub Kunstrasen bekommt, wird es wohl noch dauern. Ich denke, was Neuzugänge und weitere Planungen angeht, kann ich nächste Woche mehr dazu erzählen.“

 

 

Wir danken Thorsten Möllmann für das Interview und wünschen ihm und dem SC 20 Oberhausen weiterhin viel Erfolg in der Zukunft!


Kommentar schreiben

Kommentare: 12
  • #1

    nur Sc20 (Samstag, 15 Juni 2013 18:13)

    haha

  • #2

    ??? (Samstag, 15 Juni 2013 20:41)

    Ich finde den Möllmann mittlerweile Sympathisch.In der Niederlage größe zeigen ist ganz großes Tennis.

  • #3

    Bottroper Spieler (Sonntag, 16 Juni 2013 16:38)

    Also ich kenne den jetzt nicht persoenlich nur als Gegnerrischen Trainer und aus den Medien aber alles was er sagt meint er auch so und gerade in Niederlagen bleibt er steht's korrekt. Also Super Typ

  • #4

    nordler (Sonntag, 16 Juni 2013 17:18)

    Was für eine größe der ist nur über jeden am hetzen der wird nie anders es sind immer die anderen schuld.

  • #5

    Nemo (Sonntag, 16 Juni 2013 20:11)

    In der Niederlge Größe zeigen? Ich lach mich kaputt. Hält es noch nicht mal für nötig der Siegerehrung bei zu wohnen.

  • #6

    Beobachter (Sonntag, 16 Juni 2013 21:40)

    @Nordler

    Mir sind gute Verlierer lieber als dreckige Sieger.

  • #7

    bzudfso (Montag, 17 Juni 2013 13:52)

    Klasse Interview!!
    Man kan sagen was man will. Herr Möllmann hat nicht nur was für die Bezirksliga getan sondern für den gesamten Kreis. Ich persönlich mag seine Art!

  • #8

    essener (Montag, 17 Juni 2013 16:51)

    Du mags seine Art weil du auch ein schleimer bist bist einer vom sc20 der ihn wider im guten licht stellen wilst.

  • #9

    4offizieler (Montag, 17 Juni 2013 17:01)

    hallo liebes team von aufm platz dachte ihr stellt alle kommentare hier rein aber das ist wohl nicht so sobald man was schreibt über trainer die sich benehmen wie eine offene hose,spieler antreiben den gegner in die beine zu treten die zuschauer zu beleidigen und viele sachen mehr dann wirds nicht gedruckt vielleicht solltet ihr euch mal dort in die nähe der bank stellen dann würdet ihr so einiges mitkriegen aber das ist wohl von euch nicht gewollt schade habe gedacht ihr seit anders als die anderen medien aber so kann man sich täuschen dierser typ ist unmöglich und ihr verharmlost hier alles muss wohl erst einer von uns im koma liegen oder sowas passieren wie in holland dann werdet ihr wohl erst wach denke mal das wird auch nicht gedruckt aber denkt mal darüber nach

  • #10

    spieler (Montag, 17 Juni 2013 17:26)

    Nur der sc20

  • #11

    TRAINERGILDE (Donnerstag, 20 Juni 2013 10:07)

    @4offizieler:
    Ich kenne den Thorsten persönlich und das auch als Spieler und glaub mir er ist Erfolgsbesessen...er hat seine Macken aber wer hat die nicht...wenn man schon anklagen will dann mache es auf eine vernünftige Art und weise...vergleiche mit Holland sind ja wohl hier nicht angebracht...ich weiß wie der SC 20 tickt die rennen und kämpfen bis zum umfallen... da wird dann auch mal das ein oder andere Wort gebraucht was der ein oder andere Gegenspieler so noch nie gehört hat (Ironie)...Es wird auf dem Platz gegen Spiel Club immer heiß hergehen und das ist genau das was einige Spieler o. soll ich besser sagen Mimosen nicht vertragen...
    Wenn du mir sagst du hast noch nie von anderen Trainern den Spruch gehört "jetzt Knall mal da richtig dazwischen" oder Pump ihn mal mit Ball weg" dann sag ich Hut ab...In der Bundesliga treten die sich die Eingeweide aus den Körpern, da werden Spieler absichtlich verletzt und Glaube mir bei der ein oder anderen Szene wirst du geschmunzelt haben...ist auch nicht schlimm...
    Und zu den zahlreichen SC20 Anhängern: Ist doch Geil wenn draußen Rabatz gemacht wird...Jeder Verein wäre doch froh solche Fans zu haben. Und wer jetzt sagt die gehen garnicht kann ich nur sagen geht mal ins Stadion stellt euch in die Kurve dann wisst ihr was garnicht geht...
    Fußball ist Emotion und das muss auch so sein und als Trainer gehst du an der Linie ab wie ne Rakete...
    Also, Toddi weiter so, Gruß der Trainer vom Erzfeind...

  • #12

    Nemo (Donnerstag, 20 Juni 2013 16:35)

    @TRAINERGILDE
    Bist Du der Kille? :-)