Snickers, Kaffee und Wasser für 2,70 Euro!

Es passt zu diesem Typen Thorsten Lamers. Es passte zu ihm, dass er um das Interview bat, um sich für die Zusammenarbeit zu bedanken und zu verabschieden. Lamers ist ein blitzgescheiter Typ, der es aber nicht scheut, klare Ansagen zu machen. So geschehen bei der Sportvereinigung Sterkrade-Nord II, dem A-Ligisten. Dass die Oberhausener in der nächsten Saison dort noch spielen dürfen, ist vor allem sein Verdienst. Auf’m Platz traf sich mit Lamers, der aus beruflichen Gründen sein Amt an der Lütticher Straße niederlegen musste.

Von Raphael Wiesweg

Lamers ist, wie man so schön sagt, ein echter Nordler. Von der E- bis zur A-Jugend kickte er als Jugendlicher dort, wo er jetzt zuletzt seine erste Trainerstation absolvierte. Danach ging es von 1989 bis 1994 zu RWO, danach machte er zehn Jahre lang nichts, bevor er meinte sich wieder etwas mehr bewegen zu müssen. Also spielte er mit 35 noch einmal für die Erstvertretung von Sterkrade-Nord, bevor es zu den Alten Herren ging. Bis die Anfrage in der letzjährigen Sommervorbereitung vom Vorstand kam. Lamers sollte als Co-Trainer den neuen Trainer Andreas Heymann unterstützen - dabei war der 1. Spieltag noch gar nicht angefangen. Bei einem lauen Sommerlüftchen und im Woodpeckers blickte Lamers auf die vergangenen Monate zurück.

Thorsten Lamers, mittlerweile Ex-Trainer der Reserve von Sterkrade-Nord.
Thorsten Lamers, mittlerweile Ex-Trainer der Reserve von Sterkrade-Nord.

Auf’m Platz: „Thorsten, man hatte von Anfang an das Gefühl, dass es mit Heymann nicht rund lief. Trügt der Eindruck?“

Lamers: „Als Co-Trainer sollte man immer loyal zu seinem Trainer sein und ich habe auch versucht nur hier und da vorsichtig zu sagen, was man ändern könnte. Aber ja, die Ergebnisse zu Saisonstart waren suboptimal und das Training… na ja, ich bin keiner, der über andere herzieht, aber es gab dann auch noch Unruhe innerhalb der Mannschaft, dazu Verletzungen und uns ging ab der 60. Minute oft die Puste aus. Es stimmte also einiges nicht.“

 

Auf’m Platz: „Du bist aber keiner, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hält. Schon gar nicht als alter Nordler. Dir muss doch das Herz geblutet haben!?“

Lamers: „Der Negativpunkt war das 2:7 bei SG Osterfeld, da habe ich an Rücktritt gedacht und dem Vorstand mitgeteilt, dass wenn die Mannschaft noch einmal so auftritt, ich weg bin. Danach gab es wohl ein Gespräch zwischen Vorstand und Mannschaft, ohne die Trainer - das wurde mir zumindest so berichtet. Und Mitte Oktober wurde Andreas Heymann dann entlassen, so dass ich gefragt wurde, ob ich das übernehmen würde.“

 

Auf’m Platz: „Was Du dann ja auch getan hast. Wie ist es zu erklären, dass ihr nach dieser grottenschlechten Hinrunde so noch das Ruder herumreißen konntet?“

Lamers: „Der Königstransfer war Fabian Roth, der dann in 16 Spielen 14-mal getroffen hat und aber eigentlich sogar 24-mal hätte treffen müssen. Dazu noch der 19-jährige Kevin Kriegel, beide kamen von BVO und dann noch Steffen Zaba, der Held von der Vorsaison, als er einen Elfmeter hielt und einen Elfmeter selber verwandelte, kam nach seinem Bandscheibenvorfall zurück. Dazu kam zwar für zwei Spiele Mike Ratkowski, der nach langer Verletzung langsam aufgebaut werden sollte. Aber im Prinzip konnten wir auf gar keinen Spieler der Erstvertretung zurückgreifen, schließlich spielte dieser ja auch um den Aufstieg. Ich habe „einfach“ fünf bis sechs Einheiten in der Winterpause angesetzt und wir haben hart gearbeitet. Dazu kamen dann noch die A-Jugendlichen, die ab dem 1. April hochgezogen werden durften und wo wir drei, vier gute Jungs haben. Der Spielplan kam uns auch entgegen, denn der 14. und 15. Spieltag wurden wegen des frühen Winters nach hinten verlegt. Dafür hatte ich auch ein Stoßgebet gen Himmel geschickt, denn die hätten wir im Dezember nicht gewinnen können. So haben wir in 2013 aus diesen beiden Spielen vier Punkte geholt. Und ich habe der Mannschaft die Operation Phönix vorgestellt.“

 

Auf’m Platz: „Was steht hinter dieser Operation Phönix?“

Lamers: „Ich habe den Spielern gesagt, dass wir in unserer eigenen Asche liegen und dafür sorgen müssen, aufzustehen und wieder zu fliegen. Ich habe es in der Kabine groß aufgehangen - und es ist anscheinend angekommen. Denn es gab Spieler in der Rückrunde, die zu mir kamen und sagten: Siehst du, Trainer, der Phönix fliegt wieder. Das freut einen und geht einem auch nahe, das zeigt den tollen Charakter dieser Mannschaft. Außerdem habe ich ihnen gesagt, dass wir 24 bis 25 Punkte brauchen. Wir haben schlussendlich 24 geholt.“

 

Auf’m Platz: „Fünf bis sechs Einheiten klingt nach viel Arbeit. Ist das auch ein Grund für dich, dass Du jetzt aufhören musst, weil Du den Akku erst einmal wieder aufladen musst?“

Lamers: „Auch, ja. Auch berufsbedingter Natur, aber natürlich ging das sehr an die Substanz. Nach dem Training war ja nicht Schluss. Ich habe mich zu Hause bis 12, 1 Uhr hingesetzt und alles ausgearbeitet. Ich bin anfangs in die Bibliothek in Oberhausen gegangen und habe mich nach Trainingsmethoden umgeschaut, denn ich war vorher ja noch nie Trainer. Abendessen gab es immer für mich am Platz. Ich bin nach der Arbeit immer direkt aus Düssseldorf zum Platz und dann gab es Snickers, Wasser und Kaffee für 2,70 Euro. Da habe ich Ende April schon gemerkt, dass die Ressourcen aufgebraucht waren. Ich habe seit ich da war, nur drei Einheiten verpasst. Das zeigt, dass ich eigentlich zu 100 Prozent bei der Sache war.“

 

Auf’m Platz: „Nach der Trainer-Entlassung von Heymann schien der Verein noch enger zusammen zu rücken, um den Klassenerhalt noch zu packen.“

Lamers: „Absolut. Es haben sage und schreibe 54 Spieler in der Saison für die Zweitvertretung gespielt. Ich glaube jeder, bis auf die Eckfahnen, waren im Einsatz. Und das, nachdem es in der Hinrunde auch darum ging, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Aufgrund von Verletzungen, Berufen und anderen Dingen mussten wir teilweise mit zwei Spielern aus der Alten Herren kicken. Aber dann haben im Winter Thorsten Vozar und Dietz Walter einen Riesenjob gemacht. Auch bei mir. Denn es war ja ein großes Risiko, mir die Verantwortung zu übergeben, ich war ja schließlich vorher noch nie irgendwo Trainer. Wäre das nach hinten losgegangen, hätten auch sie schlechter dagestanden. Dazu kamen dann noch Oliver Hetkamp, quasi der Sportliche Leiter der Zweitvertretung, und Tim Gerigk, mein Co- und exzellenter Torwart-Trainer. Oli arbeitet in Bonn, Tim in Münster und auch sie waren immer beim Training und waren mit genauso viel Herzblut dabei, wie ich. Der Verein hat also richtig stark zusammengehalten und gearbeitet.“

 

Auf’m Platz: „Und dann war Kampf Trumpf im Klassenerhalt, was?“

Lamers: „Klar, was auch sonst. Ich war selber immer ein durchschnittlicher Techniker beim Fußball. Aber ich habe immer gekämpft und bin viel gelaufen und hatte vor allem eine positive Einstellung. Und wenn du das vermittelst, dann kannst du viel erreichen bei den Jungs und ich wollte es ja selbst auch unbedingt schaffen.“

 

Auf’m Platz: „Jetzt gehst du und blickst sicherlich zufrieden zurück, oder?“

Lamers: „Ja. Im Verein ist super Stimmung. Klassenerhalt in der Kreisliga A, Aufstieg in die Landesliga - super Voraussetzungen für den Verein und es wurde zudem fantastische Arbeit in der A-Jugend geleistet, so dass 17 junge und gute Spieler hochkommen werden. Ich werde mich erst einmal zurückziehen, aber sicherlich auch das ein oder andere Mal vorbeigehen und zuschauen. Und wer weiß, vielleicht komme ich dann auch bald in einer anderen Funktion zu Sterkrade-Nord auch wieder.“

 

 

Wir bedanken uns für das Gespräch und die sehr angenehme Zusammenarbeit in den letzten Monaten und wünschen Thorsten Lamers alles Gute für die Zukunft!


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Kommentare: 4
  • #1

    Nordler (Mittwoch, 12 Juni 2013 23:13)

    Super Typ der Thorsten Lamers. Selten jemand symphatischeren gesehen.

  • #2

    Knorrkator (Donnerstag, 13 Juni 2013 07:28)

    Sehr gute Arbeit Toto,
    alles Gute für die Zukunft!!

  • #3

    Nord2 (Donnerstag, 13 Juni 2013 13:18)

    Obwohl es die 1.Trainerstation war, muss ich sagen, lange keinen, vor allen Dingen menschlich, aber auch fachlich so guten Trainer mehr in der 2. gehabt. Ein Motivator und im menschlichen Bereich mit dem Engel vergleichbar, im fachlichen sowie in der Trainingsvorbereitung dem eines Ede Schunks würdig.
    Schade das du gehen musst

    Alles gute Thorsten

    Wir sehen uns:-)

  • #4

    kaiserfranz (Donnerstag, 13 Juni 2013 16:13)

    Der einzige der bei Nord übern Platz fliegt is uns Nobbi