Der verlorene Sohn kehrt zurück

Kein Jahr nach seinem Abgang vom SV Zweckel schloss sich Sören Schürer vor knapp zwei Wochen dem Reserve-Team in der Kreisliga A wieder an und übernahm den Trainer-Posten vom zurückgetretenen Andreas Albersmann. Im großen Interview mit Auf’m Platz berichtet Schürer, bei welchen Klubs er in seiner vereinslosen Zeit trainieren durfte, wie er den Umgang der Gladbecker miteinander sieht, wie es um Verstärkungen aus dem Westfalenliga-Kader tatsächlich bestellt ist und was neben dem sportlichen Aufstieg in die Bezirksliga sein größtes und vielleicht gleichzeitig auch schwierigstes Ziel mit dem SV Zweckel II ist.

Von Raphael Wiesweg

Interview mit Sören Schürer

Trainer vom SV Zweckel II

Schon bei der Terminfindung mit Sören Schürer stellte sich heraus, dass es nicht einfach geworden ist, mit dem 28-Jährigen sich in Ruhe mal zu treffen. Zudem stellte Schürer eines von vorneherein mit einem Augenzwinkern klar: „Ich würde das Treffen ungerne beim SV Zweckel machen, da finde ich derzeit gar keine Ruhe.“ Man bekommt langsam ein Gefühl dafür, was auf Schürer eingeprasselt ist, seit er wieder da ist. Dass er 35 Minuten später zu dem Interview erscheint, kann man dem Sympathie-Träger leicht verzeihen, da er zudem auch noch im Stau stand. Spätestens auch dann, nachdem er wie selbstverständlich am Telefon schon sagt „Bestell ruhig schon einmal, die Getränke gehen auf mich“.

   Nach dem Aufstieg in die Kreisliga A hörte Schürer - der in der letzten Saison noch als Spielertrainer fungierte - im Sommer auf und meldete sich komplett bei dem Verein an der Dorstener Straße ab. Auch, um Abstand zum Fußball und mehr Zeit für andere Dinge zu bekommen. Nun, keine zehn Monate später, zog es ihn wieder genau dorthin zurück.

Sören Schürer zeigte sich einerseits total euphorisch...
Sören Schürer zeigte sich einerseits total euphorisch...

Auf’m Platz: „Sören, schön, dass es geklappt hat mit dem Treffen. Es wirkt so, als ob Du gar nicht lange weg warst.“

Schürer (bestellt eine Apfelschorle und atmet tief durch und lacht): „Ja, allerdings hat man dann doch erst einmal das Gefühl, länger weggewesen zu sein, wenn man sieht, was man alles zu tun hat.“

 

Auf’m Platz: „Ein tolles Gefühl oder sogar auch Stolz, dass man so gefragt ist?“

Schürer: „Nein, Stolz wäre das falsche Wort. Überrascht und natürlich viel Freude ist dabei. Ganz viele Gladbecker haben sich bei mir gemeldet. Persönlich, per Telefon, mit einer Nachricht und haben mir gratuliert und alles Gute gewünscht. Ich verstehe mich mit allen auch sehr gut und so muss das sein. Rivalität auf’m Platz und nach dem Abpfiff ist dann alles wieder gut.“

 

Auf’m Platz: „Du betonst es so sehr, dass es auch so sein muss. Es scheint in Deinen Augen nicht immer so gewesen zu sein.“

Schürer (schüttelt den Kopf): „Nein, ich war ja beispielsweise auch bei der Hallenstadtmeisterschaft als neutraler Zuschauer da. Für andere neutrale Zuschauer habe ich mir gedacht ‚Die kommen doch nie wieder‘. Da wurde so viel Unmut und Aggressionen auf und neben dem Platz geäußert, dass ich nur noch den Kopf darüber schütteln konnte.“

 

Auf’m Platz: „Dennoch bist Du zurückgekehrt, Du kannst einfach nicht ohne Fußball. Aber warum gerade Zweckel, Du warst ja noch bei anderen Vereinen in den letzten Wochen?“

Schürer: „Das ist richtig. Zuletzt habe ich Trainigseinheiten beim BV Rentfort gegeben, davor bei der B-Jugend von SG Preußen Gladbeck, der E-Jugend vom SV Zweckel, der A-Jugend vom SC Hassel oder war auch bei der DJK Alemannia und habe Tipps für ein Jugend-Konzept gegeben. Schließlich bin ich bei dem damaligen Verein Germania Gladbeck groß geworden und habe dort auch in der Verbandsliga gespielt, da helfe ich der DJK auch sehr gerne. Aber ich habe mich nirgendwo angeboten, die Vereine kamen alle auf mich zu.“

... vergaß aber auch nicht die ernsten Themen.
... vergaß aber auch nicht die ernsten Themen.

Auf’m Platz: „Wie auch der SV Zweckel.“

Schürer: „Wie auch der SV Zweckel. Wobei ich ehrlich gesagt gar nicht mit dem Angebot gerechnet habe. 14 Tage vor dem Rücktritt von Andreas Albersmann wurde ich erstmals kontaktiert, allerdings für die neue Saison.“

 

Auf’m Platz: „Das hieße aber auch, dass Albersmann nur eine Übergangslösung war!?“

Schürer: „Ja, ich glaube das wurde aber auch vorher so kommuniziert. Andreas Albersmann war und ist beruflich auch sehr eingespannt gewesen, deswegen wäre das wahrscheinlich eh nicht länger gegangen.“

 

Auf’m Platz: „Du konntest Dir wahrscheinlich nachher den Verein aussuchen. Warum gerade der SV Zweckel?“

Schürer: „Erst einmal ist es vor allem die sportliche Herausforderung, die spannend ist und auch das Konzept, das wir verfolgen. Denn wir wollen eine U23 aufbauen und die Idee dahinter, mit jungen Spielern zu arbeiten, dafür stehe ich ja auch.“

 

Auf’m Platz: „Was sicherlich durch deine Arbeit auch als DFB-Stützpunkt-Trainer herrührt, oder?“

Schürer: „Absolut. Ich unterstütze für den Kreis die U12 und U13, trainiere die U15 und habe unheimlich große Freude daran.“

 

Auf’m Platz: „Viel Freude können aber manche Spieler deiner neuen Mannschaft nicht gehabt haben. Die Zweitvertretung musste immer wieder auch Spieler der Erstvertretung aufnehmen. Entstehen da nicht zu große Probleme?“

Schürer: „Erst einmal will ich betonen, dass ich nur das Aktuelle bewerten kann und mich allein aus Respekt Andreas Albersmann gegenüber zu der Vergangenheit nicht äußern werde. Und die Lage vor meinem ersten Spiel gegen den VfB Kirchhellen war eine besondere. Denn was vielleicht gar nicht viele wissen, ist, dass mir nur zehn Spieler von der Zweitvertretung zur Verfügung standen. Alle anderen fehlten aufgrund ihres Jobs, dem Studium oder Verletzungen. Das heißt ich und wir alle waren und sind froh, wenn wir Unterstützung dann aus der Erstmannschaft bekommen. Und - das gehört auch unterstrichen: Eine Zweitvertretung ist nun einmal auch dafür da, um eine Erstmannschaft zu unterstützen, wir sind der Unterbau. Und wenn dann mal ein länger verletzter Spieler aufgebaut werden muss, bevor er wieder in der Westfalenliga spielt, spielt er natürlich auch bei uns mit.“

 

Auf’m Platz: „Es ist dennoch nicht gewöhnlich, wenn beispielsweise Günter Appelt als Trainer der Erstmannschaft in der Halbzeitpause beim Spiel in Rentfort in die Kabine geht und die Ansprache vor der zweiten Halbzeit hält.“

Schürer: „Das stimmt auch, das ist ungewöhnlich, aber die Situation war dort auch extrem - mal davon abgesehen, dass sieben Spieler auch von ihm dort mitgespielt haben. Aber wenn ich dann das Spiel gegen Kirchhellen nehme, dann sehe ich sieben Spieler, die unter 20 Jahre alt waren beziehungsweise natürlich auch noch sind. Vier Spieler davon sind in ihrem ersten Seniorenjahr und alle elf Kicker, die in der Anfangsformation standen, waren Zweckeler Eigengewächse. Dazu kommt, dass mit David Kulina der eigentlich dritte Torwart der ersten Mannschaft als Innenverteidiger gespielt hat, ein Ramadan Ibrahim - auch wenn er schon in der Westfalenliga gespielt hat - eigentlich noch A-Jugend spielen könnte und ein Steffen Helten vor diesem Spiel lange gar nichts gemacht hat. Das sind alles Punkte, die die Situation relativieren. Nur leider sehen die Kritiker das natürlich nicht, sondern hauen einfach erst einmal drauf. Und das ist schade, insbesondere für die Jungs. Aber die Jungs können ja beispielsweise auch unheimlich viel lernen von einem Spieler, der so hoch spielt. Wie er sich auf dem Platz bewegt, mit dir spricht und wir er sich insgesamt verhält. Und außerdem ist es keinem Spieler verboten, sich unter der Trainingswoche aufzudrängen und anzubieten.“

 

 

Am Donnerstag erscheint Teil 2 des Interviews. Darin droht Schürer dem Team, dass es bluten muss, wenn es mit einer Sache nicht aufhört und erklärt unter anderem auch, wie die Platzproblematik gelöst werden könnte.


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Kommentare: 3
  • #1

    el tiburón (Mittwoch, 01 Mai 2013 18:12)

    Schön das du wieder da bist, Sören!

  • #2

    jojo (Mittwoch, 01 Mai 2013 20:00)

    Den Sören sollte man besser nicht stören

  • #3

    juju (Donnerstag, 02 Mai 2013 07:01)

    Der haut dir sonst die Möhren,achtkantig um die Öhren.