Titellos

Der Vorfall rund um Dostlukspor Bottrop und dem Hamborner Torwart Ikenna Onukogu hat hohe Wellen geschlagen. Doch journalistisch saubere Arbeit sieht anders aus. Auch die vorschnelle Verurteilung über die lange Strafe gegen Onukogu ist falsch, denn hier werden zwei Sachverhalte in einen Topf geworfen. Nichtsdestotrotz: Nach langer Zeit ohne dieser Kolumne gibt das aktuellste Sportthema keinerlei Anlass, um lustig zu sein, Schadenfreude oder dem Rassismus nun die kalte Schulter zu zeigen. Dennoch gilt auch heute: Titellos - die etwas andere Kolumne von Auf'm Platz. Falls sich jemand auf den Trikotkragen getreten fühlt, freut es uns.

 

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Von Raphael Wiesweg

 

Hallo liebe Sportfreunde, 

 

mir ist es zunächst ein ganz großes Anliegen, nochmals an Kevin Prince Boateng und den Rassismus-Vorfall Anfang des Jahres in Italien zu erinnen. Zeigt Rassismus die rote Karte! Und das hat Boateng vorbildhaft gemacht, als der ehemalige Dortmunder wegen rassistischen Gesängen bei einem Freundschaftsspiel seines AC Mailand gegen den Viertligisten Pro Patria den Platz sofort verlassen hat. Chapeau, kann ich da nur sagen, das ist die richtige Reaktion. Hier war es offensichtlich, dass hirnverbrannte, sogenannte Fußball-Anhänger, einen Menschen verunglimpfen, nur weil er eine "andere" Hautfarbe hat. Schon alleine zu schreiben, dass er eine "andere" Hautfarbe hat, ist einfach falsch. Unsere dunkelhäutigen Mitmenschen könnten auch einfach sagen, dass "wir" eine "andere" Hautfarbe hätten. Hier zu trennen, ist einfach schon kategorisch falsch. Punkt. Aus. 

 

Im Fall Ikenna Onukogu konnten rassistische Verunglimpfungen nicht nachgewiesen werden. "Die Fakten, Argumente und Beweise sprechen eine eindeutige Sprache", hatte die Spruchkammer nach ihrer Urteilsverkündung gegenüber Dostlukspor Bottrop und Onukogu unterstrichen. Dass der Verein Dostlukspor Bottrop jetzt komplett rehabilitiert ist, ist ihr gutes Recht. Zu sehr wurde der Verein zu Unrecht in den Schmutz gezogen. Das ist nach dieser Verhandlung nun einmal Fakt. Doch nach einer wochenlangen vor allem medialen Schlammschlacht, wird Dostlukspor nie komplett rehabillitiert sein, weil bei so einer Geschichte immer etwas haften bleibt. 

 

Es wurde nicht journalistisch sauber gearbeitet, das ist genauso Fakt, aber in der heutigen Zeit nun einmal immer häufiger der Fall. Schon lange schreibt nicht nur die BILD boulevardesk. Andere Medien müssen auch immer schneller und öfter an die heißesten Neuigkeiten kommen und noch mehr im Fokus stehen, um im Haiffischbecken überleben zu können. Nur leider wird dort oftmals die andere Seite vergessen. Dass auch nur aufgrund des medialen Drucks es überhaupt zu dieser Verhandlung kam, wird schnell vergessen. 

 

Die andere Seite in diesem Fall müssen aber auch wir betrachten, es wäre sonst ebenso nicht journalistisch sauber. Und da hat sich Dostlukspor Bottrop unmittelbar nach dem Vorfall auch nicht mit Ruhm bekleckert. Dass nachher der 1. Vorsitzende Nuh Arslan sich für die Aussagen bei seinen Anhängern entschuldigt, dass sein Trainer Sebastian Stempel sich erschüttert gezeigt hat über den Vorfall und glaubte, diesen damit indirekt bestätigen zu können, stellt den Verein alles andere als in einem guten Licht dar. Doch wem kann man es verübeln? In einer solchen Situation komplett richhtig zu reagieren und das Richtige zu tun, dürfte schwer fallen. Denn Gott sei Dank ist Rassismus nicht wöchentlich Thema auf den Fußballplätzen. 

 

Was allerdings auch Thema nach dieser Verhandlung war: Onukogu wurde bis zum 16. Mai gesperrt. Empörung machte sich breit, praktisch jedes Medium schmeißt nun alles in einen Topf und titelt mehr oder weniger: Onukogu wird wochenlang bestraft, dass er rassistisch beleidigt wurde. Erstens wurde erwiesen, dass er nicht rassistisch beleidigt wurde. Zweitens wurde Onukogu so lange gesperrt, weil er den Schiedsrichter unter anderem beleidigt hat. Das ist unsportliches Verhalten und gehört bestraft. Wie auch der Rassismus. Und damit sollte die Akte Dostlukspor Bottrop gegen Onukogu geschlossen werden!

 

 

In diesem Sinne:

 

Bleibt alle sportlich und bis demnächst auf'm Platz

Euer Raphael

 

 

 

 

Oftmals satirisch - es geht aber auch seriös und ernst! In schön unregelmäßigen Abständen schreibt Raphael Wiesweg für euch unsere Kolumne und blickt dabei auf die vergangene Woche, die Spiele und das Geschehen rund um den (Amateur)Fußball zurück.

 

"Titellos" - Prädikat: Weltklasse. Mindestens. Wenn nicht sogar noch mehr! Oder?

 

Hier geht es zur Übersicht der bisher geschriebenen Kolumnen!

 

 

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Kommentare: 9
  • #1

    Sport FAN (Samstag, 06 April 2013 14:48)

    Toller Bericht, dem nichts mehr zugefügt werden muss und der alles aussagt.

  • #2

    latte o9 (Samstag, 06 April 2013 18:24)

    so ist es ,dsb lebt und wird noch rhenania zum aufstieg helfen

  • #3

    zuschauer (Sonntag, 07 April 2013 09:42)

    Was ist jetzt ihr habt alle gesehen wer recht hat und DSP wird keinen helfen weil sie selber 6punkte rückstand haben...

  • #4

    Olgur (Sonntag, 07 April 2013 11:47)

    Ich bitte nochmal die Vorurteile einmal für diesen Fall ablegen und sich wirklich nur die Tatsachen und die Beweise ansehen.

    Bilder / Aussage des Schiedsrichters / Waz Mitarbeiter und alle
    Zuschauer die den Vorfall beobachtet haben. ( deutsch , türkischer
    Nationalität).

    Wie jedoch die WAZ nach so einer Beweislage und der Aussage
    Ihres Mitarbeiters so ein Bericht schreiben kann ist unverschämt.

    Wir werden Intern darüber sprechen, ob wir mit einer Zeitung arbeiten die eine derartige Berichterstattung hat.

    Es stimmt, wenn hätte es interessiert, wenn die WAZ geschrieben hätte, dass der Spieler der angeblich rassistisch beleidigt wurde
    gelogen hat. keinen !!!!!!!

    Also was macht man, siehe Zeitungsbericht WAZ !!!!!!!!!!!!!!!

    Die Zeitung muss ja verkauft werden. In diesem Sinne.

  • #5

    Bottroper (Sonntag, 07 April 2013 11:49)

    Mir war schon die ganze zeit bewusst,das DSB unschuldig ist.Alleine das der TW in der 88 minuten bei einer führung von 1:0 für DSB einen ausraster bekommt sagt schon allles.Ich kenne die meisten Leuten von da,spiele aber selber nicht im Verein.Dieser TW gehört für mich länger gesperrt,ich bin selber Ausländer ,aber was der TW da macht geht absoulut garnicht.Das ist unfair und hat den Verein DSB mehr als nur geschadet.Er sollte Schauspieler werden .Ach ja und Boateng ist bei einen Freundschaftsspiel vom Platz gegangen ,ich glaube nicht das er das in der Meisterschaft auch so machen würde? Sonst wäre ja jede Woche eine Spielabsage da.

  • #6

    zu latte 09 (Sonntag, 07 April 2013 13:43)

    du mußt es ja wissen latte 09 oder sollte ich besser sagen Herr P.W.?

  • #7

    zum Kommentar (Sonntag, 07 April 2013 19:42)

    Es wurde eben nicht bewiesen, dass er nicht rassistisch beleidigt worden ist !!
    Man konnte es mit den zur Verfügung stehenden Beweismitteln nicht nachweisen, damit ist noch lange nicht das Gegenteil bewiesen !!
    IMMER SAUBER BLEIBEN - auch in der 'journalistischen' Argumentation !!

  • #8

    pro olgur (Sonntag, 07 April 2013 22:57)

    Ein Fotograf der für die WAZ arbeitet (!!!), steht bei der Verhandlung als neutraler Zeuge zur Verfügung und gibt zu Protokoll, in unmittelbarer Hörweite gestanden zu haben und sagt aus das es zu keinem Zeitpunkt zu irgendeiner rassistischen Beleidigung seitens des Publikums kam. Wenn das kein Beweis ist weis ich nicht was ein Beweis wäre. Anstelle Dostlukspors würde ich jeglichen Kontakt zu einer solchen Zeitung beenden. Hut ab wie das Team von aufmplatz an diese Sache rangegangen ist und sich nicht hat blenden lassen von den Schutzlügen eines Torhüters, der im Raum Duisburg für seine Ausschweifungen bekannt ist.

  • #9

    Man o Man (Montag, 08 April 2013 06:01)

    Dostlukspor scheint ja auf einem relatiev gutem Weg

    zu sein.wenn Ich aber lese das N.Arslan fordert das der Torwart hätte länger gesperrt werden müsse und intern überlegt Einspruch

    gegen dieses Urteil der BZK einzulegen muß ich tief Luftholen.

    Wie war das noch mit dem Glashaus ???