„Geld richtig eingesetzt schießt Tore“

Die Verpflichtung Dirk Wißels als neuer Trainer bei den Sportfreunden Königshardt für die kommende Saison hat für ein Raunen in Oberhausen gesorgt. Der Cheftrainer des Regionalligisten FC Kray weckt hohe Erwartungen am Pfälzer Graben. Schließlich schaffte er das Kunststück, mit dem Essener Klub von der Landesliga bis in die Regionalliga durchzumarschieren. Auf’m Platz-Redakteur Raphael Wiesweg unterhielt sich mit Wißel über den FC Kray, die neue Saison in Königshardt und seine Einstellung zu Journalisten.

Von Raphael Wiesweg

Interview mit Dirk Wißel

Trainer vom Regionalligisten FC Kray, ab dem Sommer Trainer bei den SF Königshardt

Auf’m Platz: „Hallo Dirk, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst für ein Gespräch. Dank des Ausfalls Eures Meisterschaftsspiels in Siegen hast Du Dir eigentlich mehr Freizeit verdient…“

Wißel: „… ja, aber freie Zeit gibt es in der Regionalliga nicht. Wir haben am Sonntag dafür ein Testspiel gegen den Westfalenligisten Wattenscheid, um uns auf das Spiel gegen Mönchengladbach II am Dienstag vorzubereiten.“

 

Auf’m Platz: „Ist der viele Aufwand auch ein Grund für Dich gewesen, im Sommer in Kray aufzuhören?“

Wißel: „Es war vor der aktuellen Saison schon ein offenes Geheimnis, dass Lars (Lars Krüger, Co-Trainer beim FC Kray, d. Red.) und ich unter Vorbehalt in die Saison gehen. In der Regionalliga wird Profifußball gespielt. Lars, die komplette Mannschaft und ich sind aber nebenbei voll berufstätig und daher wussten wir eigentlich schon im Oktober, dass egal wie die Saison ausgeht, wird danach aufhören werden. Beruf und auch Familie leiden einfach zu sehr, so dass wir uns dann im Februar entschieden haben, unsere Entscheidung öffentlich zu machen.“

 

Auf’m Platz: „Was ist die große Herausforderung in der Regionalliga?“

Wißel: „Wenn man im Konzert der Großen mitspielen will, muss man wenigstens die Töne kennen. Es ist aber auch nicht so, dass wir chancenlos sind. Letzte Woche haben wir in Lotte (Sportfreunde Lotte, Tabellenführer der Regionalliga West, d. Red.) unglücklich 0:1 verloren. Da laufen wir vorher zweimal alleine auf das Tor zu und machen das Ding nicht rein. Umgekehrt hatte Lotte nur eine Halbchance und gewinnt dann. Das ist aber auch eine Qualität und somit auch ein Qualitätsunterschied. Ich will nicht sagen, dass Geld keine Tore schießt. Aber Geld richtig eingesetzt schießt Tore, weswegen wir sicherlich in Kray in den letzten Jahren auch so einen Erfolg hatten.“

 

Auf’m Platz: „Wie viel Stolz ist in Dir nach diesen Erfolgen?“

Wißel: „Stolz ist das falsche Wort. Eine Bestätigung unserer Arbeit und eine Zufriedenheit darüber trifft es eher. Denn wir sind trotz unseres letzten Tabellenplatzes auf Augenhöhe mit vielen Vereinen. Und das, was wir in Kray geschafft haben, gelang uns vorher in Sterkrade und in Speldorf auch schon gut. Wenn man alles gibt und oben viel reinwirft, bekommt man unten auch viel raus. Wirft man oben wenig rein und bekommt man unten trotzdem viel raus, ist das Glück. Aber darauf will ich mich nicht verlassen.“

 

Auf’m Platz: „Wie kam der Kontakt zu den Sportfreunden Königshardt zustande?“

Wißel: „Marc (Marc Schwan, sportlicher Leiter SFK, d. Red.) und ich kennen uns aus der Traditionsmannschaft von Rot-Weiß Essen. Als er gehört hat, dass ich in Essen aufhören, hat er mich angerufen und dann ging eigentlich alles ganz schnell.“

 

Auf’m Platz: „Nimmst du Deinen Co-Trainer Lars Krüger mit an den Pfälzer Graben?“

Wißel: „Leider nein, obwohl ich es gerne gemacht hätte. Lars ist aber ausgebrannt, ausgepowert und hat viele Körner in den letzten Jahren liegen gelassen. Außerdem ist es von Mülheim bis nach Königshardt für ihn eine ganz schöne Strecke, während ich ja nur fünf Minuten vom Platz entfernt wohne. Ich werde den dortigen und jetzigen Co-Trainer nehmen, wobei ich ungerne von einem Co-Trainer, sondern von einem Trainerkollegen spreche.“

 

Auf’m Platz: „Wenn ein Trainer wie Du zu einem Bezirksligisten kommt, heißt dann das nächste Ziel in der kommenden Saison automatisch Aufstieg?“

Wißel: „Ich weiß nicht, wie der Verein darüber denkt. Ich selbst halte von Vorgaben wenig. Man muss sich zunächst die Infrastruktur des Vereins und auch die Mannschaft anschauen, was dann damit möglich ist. Die Hürde Bezirksliga ist dann möglich, aber ich würde es nie so direkt formulieren, dass das Ziel der Aufstieg in die Landesliga ist.“

 

Auf’m Platz: „Bringst Du mit Deinen Kontakten andere weitere Spieler noch mit? Ein Christian Hinz hat unter Dir schon in Speldorf gespielt und kickt jetzt schon bei den Sportfreunden.“

Wißel: „Nur mein Name alleine bringt es nicht. Mein Lieblingssatz ist immer: „Die gesamte Mannschaft muss stärker sein als die Summe der Einzelteile. Falls wir beispielsweise spielerische Nachteile gegenüber anderen Teams haben, müssen wir es körperlich und emotional versuchen auszugleichen. Meine Aufgabe ist es, Fußballer auf ein höheres Niveau zu bringen. Die Spieler müssen das Spiel verstehen, die Räume verstehen und erkennen. Man muss öfter den Schädel einschalten, als viele glauben. Denn der Fußball ist mitnichten ein intelligent-freies Spiel. Wer uns dann aber verstärken will, ist herzlich dazu eingeladen, wir werden niemanden von der Bettkante stoßen.“

 

Auf’m Platz: „Wann beginnt für Dich die Vorbereitung auf die Sportfreunde Königshardt?“

Wißel: „Ich stehe zwar in regen Kontakt mit Marc, aber mein Hauptaugenmerk liegt bis zum Saisonende voll und ganz auf dem FC Kray. Warum sollte es uns nicht gelingen, auch noch den Relegationsplatz zu erreichen? Die U23 von Fortuna Düsseldorf stand vor kurzem noch hinter uns, hat dann dreimal gewonnen und steht jetzt auf diesem Relegationsplatz.“

 

Auf’m Platz: „Du bist der Presse gegenüber nie um einen Spruch verlegen. Wie siehst Du die Arbeit der Presse und Journalisten?“

Wißel: „Journalisten sind Leute, die ihr Leben lang sich fragen, welchen Beruf sie verfehlt haben. Ich verstehe mich mit allen sehr gut und wir können die besten Freunde sein. Fängt aber jemand an, etwas dazu zu dichten oder sich auf Kosten anderer zu profilieren oder nicht vernünftig zu recherchieren, sind wir die größten Feinde und dann reagiere ich auch nicht mehr. Aber Journalisten machen auch ihren Job und wollen Geld verdienen, so wie ich es tue und das respektiere ich.“

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Kommentare: 4
  • #1

    YEAH (Samstag, 16 März 2013 12:55)

    Wir eine tolle Sache mit dem neuen Coach...

  • #2

    Ex-Spieler (Samstag, 16 März 2013 21:40)

    Der beste Trainer in Oberhausen und Umgebung

  • #3

    Der Ahnung hat (Dienstag, 19 März 2013 13:30)

    Nach Guido Contrino

  • #4

    Klaus G (Mittwoch, 20 März 2013 14:16)

    Jo weil seine Mannschaft es jetzt im dritten oder vierten Jahr endlich schafft mal was zu reißen??? So viel Ahnung kannst du ja dann doch nicht haben, zumindest nicht vom Fussball. Sorry aber Dirk Wißel ist mit großem Abstand der BESTE Trainer im Umkreis von 50 KM, auch ganz weit vor Contrino, auch wenn er keinen üblen Job macht bei SWA