„Paradiesische Zustände in Gladbeck“

Bei der bereits angesprochenen Fachschaftssitzung am Montag in Gladbeck war ordentlich Brisanz vorhanden. So viel, dass die Stadtspitze um Bürgermeister Ulrich Roland, Sportdezernent Rainer Weichelt und Sportamtsleiter Dieter Bugdoll ebenfalls vor Ort waren und nackte Zahlen, Daten und Fakten den Vereinen, insbesondere dem SV Zweckel, präsentierte. Die neueste Vergabe des nächsten Kunstrasens hat eine alte Diskussion in Gladbeck wieder heraufbeschworen. Selbst der neue Kreisvorsitzende Peter Schywek, der am 4. März Manfred Wichmann nach dessen 23-jähriger Amtszeit ablöste, ließ es sich nicht nehmen, im Laufe des Abends noch extra vorbeizuschauen, um ein paar klare Worte zu finden - auch in Richtung Stadt.

Selbst Fachschaftsleiter Volker Dyba sprach davon, dass die Fehde zwischen dem SV Zweckel und der Stadt Gladbeck langsam der Vergangenheit angehören müsse. Dyba bezog sich nicht nur auf die letzten Monate, in denen der SVZ in den Augen der anderen Vereine und der Stadtspitze wiederholt für unnötige und nicht nachvollziehbare Unruhe gesorgt hatte. Auch an diesem Abend gab es immer wieder Ansätze heißer Diskussionen - insbesondere zwischen Bürgermeister Ulrich Roland und Ulrich Wloch, 1. Vorsitzender der Zweckeler. „Wir bauen den Ligen nicht hinterher“, gab Roland zu verstehen, dass man momentan dem sportlichen Aufschwung Zweckels nicht Rechnung tragen könne. „Es kann natürlich nicht sein, dass der SVZ laut Aussage gegnerischer Trainer den schlechtesten Platz in der Westfalenliga hat. Aber die Stadt Gladbeck kann einfach nicht hinterher bauen“, so der Bürgermeister.

Volker Dyba. Foto: Kurt Kaiser
Volker Dyba. Foto: Kurt Kaiser

   Der wies, in Zusammenarbeit mit Weichelt und Bugdoll darauf hin, dass die Stadt eine Sparvorgabe für den städtischen Haushalt über 25 Millionen Euro pro Jahr bis 2020 hätte. Um den Gladbecker Sport wenigstens wenig zu belasten, sind hier Einsparungen von vergleichsweise läppischen 320.000 Euro pro Jahr geplant. In Gladbeck gibt es knapp 76.000 Sportler. Das Problem: Die Vertreter der Fußballvereine wollen natürlich alle ihre Interessen vertreten und wahren. Doch Fußball ist in Gladbeck nur auf Platz Sieben (!) der beliebtesten Sportarten. Gerade einmal 11,8 Prozent der Gladbecker Sportler spielen Fußball. Auf den Rängen Eins und Zwei sind Radfahrer und Schwimmer. „Wie Herr Wloch sich zuletzt verhalten hat, ist nicht sportkameradschaftlich“, betonte Roland das ein oder andere Mal. Dieser wiederum wehrte sich entschieden dagegen, in eine parteipolitische Ecke gedrängt zu werden. Wloch wies darauf hin, nicht nur mit SPD und CDU, sondern sich auch mit den Grünen und der FDP unterhalten zu haben. „Ich habe keine Zeit und auch keine Lust, Mitglied irgendeiner Partei zu sein“, so Wloch, der unterstrich, dass in Zweckel in den letzten Jahrzehnten nichts gemacht wurde. Wloch hatte auf der politischen Ebene reagiert, nachdem Roland auf einen Artikel der Homepage der CDU hingewiesen hatte, in der unter anderem zu lesen ist: „So wies der Vorsitzende des SV Zweckel darauf hin, dass trotz eingehender Bitten des Fußballvereins gegenüber der Stadt immer noch keine zufriedenstellende Lösung des schlechten Zustandes der Platzanlage sowie der Gebäude erfolgt ist.“ Dazu Roland: „Das kann man so machen, das muss man aber nicht so machen.“ Wloch wiederum: „Das ist billig, Herr Roland.“

   Dass die Stadt in letzter Zeit nichts an der Dorstener Straße gemacht habe, widersprach wiederum das Dreigestirn der Stadt. Zwischen 2006 und 2011 seien für den SV Zweckel insgesamt 660.000 Euro ausgegeben worden, betonte Bugdoll. Außerdem würde der SVZ nicht nur die beiden Anlagen an der Dorstener Straße nutzen (Rasenplatz plus „Käfig“), sondern auch die Anlage an der Enfieldstraße, die Turnhalle und das Lehrschwimmbecken der Willy-Brandt-Schule sowie die Turnhalle der Pestalozzischule. „Die Investitionen allerdings beziehen sich beispielsweise auf einen Fangzaun am Rasenplatz, der aus versicherungstechnischen Gründen aufgezogen werden musste“, gab Wloch in einem Gespräch mit Auf’m Platz vor ein paar Wochen bekannt. Er fühlt sich miss- und falsch verstanden. Schließlich habe er auch schon genügend Vorschläge gemacht, den Fußball zu konzentrieren und beispielsweise drei große Sportanlagen in und für ganz Gladbeck zu bauen, statt immer wieder hier und da jedem Verein „nur“ ein bisschen zu helfen.

„Das ist billig, Herr Bürgermeister“

   So drehte sich die Diskussion an diesem Abend wie schon in den letzten Monaten gefühlt im Kreis. Die Entscheidung, dass SG Preußen Gladbeck den nächsten Kunstrasen bekommt, steht dagegen definitiv fest. Zwar konnte die Stadt bestätigen, dass Herr Wloch ein Angebot gemacht habe, „dass der SV Zweckel sich mit 250.000 Euro an dem Bau eines Kunstrasenplatzes beteiligen würde. Doch diese Zahlen würden nur den reinen Belag decken“, so Bugdoll. „In Zweckel müsste alles neu gemacht werden, die Kosten gehen hier in den siebenstelligen Bereich. Bei SG Preußen wurden vor ein paar Jahren bereits die ersten Vorkehrungen getroffen, so dass hier die Kosten weitaus geringer sind. Zudem hat SG Preußen gemessen an der Quadratmeterzahl die kleinsten Kabinen aller Fußballvereine in Gladbeck und der neue Platz könnte von den vielen Schülern nebenan auch noch genutzt werden.“ Selbst SG Preußens 1. Vorsitzender Kurt Kaiser schaltete sich in die Diskussion an dem Abend ein. „In der Presse jammert und fordert ihr nur. Wir haben beispielsweise auch unser Vereinsheim in Eigenregie aufgebaut. Warum packt ihr nicht selbst mehr mit an? Nur das Geld anbieten, reicht einfach nicht“, so Kaiser in Richtung Wloch, der darauf verwies, dass der Verein beispielsweise auch vor Jahren mit Unterstützung der Stadt alles neu gestrichen habe. Kurz danach betonten Dyba und Roland unisono, dass die Kommunikation in Gladbeck generell besser werden müsse. „Wir müssen mehr miteinander als übereinander reden“, so Dyba. „Wir haben zuletzt viel zu viel über die Presse laufen lassen.“ Auch Roland suchte die Friedenspfeife. „Lasst uns doch vertragen und gemeinsam die nächsten Ziele anpacken.“

 

   Der neue Kreisvorsitzende Peter Schywek hatte fast genug gesehen, als er auch zu Wort kommen durfte. Zunächst begrüßte Schywek alle Gäste und gratulierte Adler Ellinghorst zu dessen neuem und tollen Vereinsheim, das der Verein ein Eigenregie erbaut hatte.  „Dass es immer noch Vereinsheime in Gladbeck gibt, die von der Stadt getragen werden, kann ich nicht verstehen, das muss sich ändern und da könnte die Stadt beispielsweise sparen“, so Schywek, der danach auf die Gelsenkirchener Situation hinwies. „Da gibt es teilweise drei bis vier Vereine auf einem Vereinsgelände. Ihr habt hier paradiesische Zustände.“ Er hatte auch teils deutlich kritische Töne parat in Richtung Stadt. „Wie hier Zahlen präsentiert und vorgehalten werden, kann nicht sein. Das habe ich woanders noch nie gesehen. Gladbeck sollte sich nicht zerfleischen und stattdessen gemeinsam anpacken. Wir können sicherlich in Zukunft sehr viel bewegen, auch über den kurzen Dienstweg, den ich liebe (schmunzelt). Ich kann nur eines auch noch sagen: Fusioniert! In wenigen Jahren werden viele Vereine nicht mehr drum herum kommen. Denn den demographischen Wandel kann niemand wegdiskutieren. Aber wir sind mit großem Abstand vor Dortmund der größte Kreis im FLVW (mehr als doppelte so viele Mitglieder, knapp 170.000, d. Red.) und haben somit auch einen gewissen Einfluss. Den sollten wir gemeinsam nutzen. Ich bin immer offen und stets erreichbar und wer mich kennt, der weiß, dass ich auch kein Blatt vor dem Mund nehme und notfalls auch unbequem werden kann.“

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Kommentare: 5
  • #1

    janosch der kürbispflûcker (Mittwoch, 13 März 2013 21:39)

    Der Sv zweckel muss definitiv mehr anpacken, der Grund Das man in der Westfalen Liga spielt ist billig!!!

  • #2

    jakub der oreganoschnuefler (Mittwoch, 13 März 2013 22:52)

    Stimme dir da zu 100% zu janosch... Zweckel... Nächste ausfahrt -------> insolvenz<----------

  • #3

    Wahnsinn (Donnerstag, 14 März 2013 06:44)

    Steckt noch mehr Geld in Analysen.Das ist doch lächerlich.Gladbeck beruht sich nur auf Analysen.Ich werde mal analysieren,wen ich demnächst wähle.

  • #4

    AntonAusTirol (Donnerstag, 14 März 2013 11:12)

    Meine Güte mich kotzt es mittlerweile echt an: Was juckt Euch das eigentlich so sehr, was Zweckel sagt/macht/tut?

    Anscheinend sind die ja doch soooo wichtig und interessant, dass hier alle sich immer aufs Neue die Mäuler zerreißen müssen. Egal wo man immer mind. 20 Kommentare lesen kann ist Zweckel beteiligt.

    Wenn SuS Rosenhügel pleite geht, juckt es keine Sau in Gladbeck. Aber bei Zweckel schreiben sich alle die Finger wund und blau. Und was macht Zweckel? Die lachen sich kaputt über die Kommentare.

    Lasst die doch in der Oberliga spielen und die zweite nächstes Jahr von mir aus Bezirksliga. Ist doch gut für Gladbeck. Keiner weiß wie liquide Zweckel wirklich ist und was dahinter steckt. Immer nur Vermutungen über Vermutungen. Als wenn hier jeder Finanzbuchhalter des Vereins wäre.

    Und wenn die 20 von der Ersten in die Zweite schicken. Lasst sie doch machen. Was ist daran verwerflich? Ihr macht euch alle Gedanke und Sorgen man man man.....!

  • #5

    1...2...3 (Donnerstag, 14 März 2013 11:16)

    vielleicht guckt man mal nach bottrop die Fortuna hat mit der Stadt den Kunstrasen erbaut... vieles wurde mit eigenen Leuten arrangiert und gestämmt. Der SVZ hat doch so viele Mitglieder, so dass es schon 3 Plätze benötigt um einen Spielbetrieb aufrecht zu erhalten (meine analyse kostet nichts an #3) wie wäre es denn dann sich mit der Stadt zusammen zu setzen... 250000€ von Zweckel aufn Tisch und gewisse Bauabschnitte die vom Verein übernommen werden um eine Stadt (meine analyse: eigentlich kein Geld für sowas hat) zu entlasten!

    Und an #3: wie beginnt der bau einer anlage?(in diesem Fall)Richtig mit einer Planung!
    und wie sieht solch eine Planung aus?
    Ja richtig... man kalkuliert und analysiert kosten für das Projet!

    Gruß
    Analysenkönig