Stellungnahme zum Abwerben in der Jugend

Die Berichterstattung des SV Zweckel über die E-Jugend Hallenstadtmeisterschaft sorgte für Aufsehen. In den Kommentaren unter dem Artikel wurde unter anderem über das Abwerben von Jugendspielern diskutiert. Carlos Enrique Girnt, Koordinator Jugend-Torwartbereich SV Zweckel , nahm dies als Anlass seine Meinung zu diesem Thema und zur Gesamtsituation von Spielerwechseln im Kindes- und Jugendalter aufzuschreiben. Eine Thematik, die schon seit langer Zeit für Unbehagen bei dem ein oder anderen Vereinsverantwortlichen sorgt. Hier nun das Schreiben von Carlos Enrique Girnt:

Trainer und Betreuer gehen immer häufiger auf die Jagd nach Talenten. Besonders begabte Nachwuchsfußballer sind in Gladbeck ein knappes und damit kostbares Gut. Ein Gut, um das es sich offenbar immer mehr zu kämpfen lohnt.

 

Wenn es sein muss, auch mit harten Bandagen. Immer wieder kommt es vor, dass im Jugendbereich Kicker von einem Verein zum anderen wechseln. Die Gründe dafür sind oft privater und weniger leistungsorientierter Natur:

Zwei Kumpels aus der selben Klasse spielen bei einem anderen Club - da möchte man dabei sein. Ein Wechsel an eine weiterführende Schule steht an oder ein Umzug – da kann man auch in der neuen Umgebung seinem Hobby nachgehen.

 

Die Initiative zu einem Vereinswechsel geht allerdings nicht nur von Spielern oder deren Eltern aus.

Mittlerweile entpuppen sich immer öfter die Trainer und Betreuer im Hintergrund als treibende Kraft des Jugend-Spielerkarussells: Da wird beobachtet, gesichtet und notiert; angerufen, besucht und erzählt. Von den Vorzügen des eigenen Vereins oder der Möglichkeit, bevorzugt in der Kreisauswahl spielen zu können und davon, dass die Chancen zur Weiterentwicklung im bisherigen Club doch arg begrenzt sind. Manch Werber schreckt auch nicht davor zurück, den bisherigen Verein des Günstlings in Gänze madig zu machen oder anderen Trainern und Betreuern pauschal die Qualifikationen abzusprechen. »Zum Beispiel bei Kreisauswahlmaßnahmen oder Sichtungen, da sind ja viele gute Spieler zusammen. Da geht es schon mal zur Sache, dass man sich die besten Leute sichert», sagt ein Jugendtrainer. Und ein anderer ergänzt: »Im Jugendbereich ist es ganz schlimm, da muss man aufpassen.

 

Offenbar kennt der Ehrgeiz einiger Verantwortlicher kaum Grenzen, wenn es darum geht, frische Talente in die eigenen Reihen zu lotsen. Hemmungslos werden Leistungsträger anderer Vereine dazu ermuntert, ihren Teams den Rücken zu kehren. Geködert wirdauch mit Fahrtkosten für die Eltern, kleinen Geldgeschenken für den Spieler oder mit geldwerten Vorteilen wie Benzingutscheinen, Handy-Verträgen, Spielekonsolen oder Führerscheinzuschüssen. Das gilt nicht nur für die älteren Kicker im A- oder B-Juniorenbereich, auch bei den C-Junioren oder noch jüngeren Spielern gibt es mittlerweile eine regelrechte Talente- Jagd. Vorzugsweise in den Fußball-Ballungsgebieten mit vielen Nachwuchs-Teams versuchen Vereine und Funktionäre, sich die besten Spielerinnen oder Spieler gegenseitig abzuluchsen. Und alle machen mit.

 

Dem Verband kann diese Entwicklung nicht gefallen. „Das kann man nicht gutheißen“, Die Ausbildung guter Kicker koste viel Zeit, viel Geld und viel Engagement. »Wenn die Besten dann weg- gelobt werden, kann der Verein die Früchte seiner Arbeit nicht mehr ernten!

 

Derartiges Ungemach wird vielen Vereinen widerfahren. Eine Junioren-Mannschaft wird mit vielen Spielern des jüngeren Jahrgangs in der abgelaufenen Saison Zweiter. „Die Perspektive wird nicht schlecht, man hätte in der neuen Serie sicherlich um die Meisterschaft mitgespielt“, Doch daraus wird wohl nichts. Vier Akteure wechselten im Paket zu einem anderen Club, unter anderem mit der Aussicht, dort in einer Leistungsmannschaft mitspielen zu können. Ein weiterer wanderte zu einem anderen Leistungsverein ab. Statt vom Titel zu träumen ist man froh, überhaupt noch eine Juniorenmannschaft angemeldet zu haben. Allerdings zeigt man sich bei vielen Vereinen selbstkritisch. „Man kann es auch so sehen: Wir haben es nicht geschafft, die Spieler bei uns zu halten. Daran müssen wir arbeiten“.

 

Die Vereine nicht aus der Pflicht entlassen. „Der Trainer muss mit seinem Training überzeugen, die Kinder müssen Spaß haben“. „Im Umfeld und in den Mannschaften muss es stimmen, dann kommen Spieler und auch deren Eltern gar nicht auf den Gedanken, zu einem anderen Verein zu wechseln“.

 

Für viele gehört zum Spaß beim Sport allerdings ursächlich der Erfolg. Was zählt, sind Tore und Titel. Die werden aber auch im Jugendfußball nur begrenzt verteilt. Die Aussicht, um Meisterschaften mitzuspielen oder Aufstiege zu feiern, ist für viele Trainer und junge Kicker eine verlockende - und nicht selten auch für deren Eltern. So wissen die Häscher, die auf der Jagd nach frischen Talenten sind, wo die Hebel anzusetzen sind.

 

Das kann zuweilen die Grenze des Fairplays deutlich unterschreiten. So hat sich ein benachbarter Club vor der Saison einen jungen Kicker geschnappt und einen zweiten angesprochen. Beide hatten zuvor ein Jahr lang mit anderen Kindern unter Anleitung von Jungend-Trainer aus Spaß an der Freude Fußball gespielt. Fest eingeplant waren als Stützen der neuen Mannschaft die beiden umworbenen Spieler. Das Anmelde-Prozedere zog sich, es kam zu Missverständnissen. „Wir wussten nicht so recht, ob das mit dem Fußball beim Gladbecker Verein etwas wird», Nun spielt der kleine Kicker für den Nachbarclub, der die Sache weniger dramatisch sieht. Die beiden Kinder gehen in die Grundschule des Ortes, Kontakte gebe es schon länger, und beide seien bereits früher angesprochen worden.

 

Auch in anderen Kreisen läuft es in punkto Jugendspielerwechsel nicht ganz rund. Bei einem Verein meldete sich ein Jugendtrainer »wegen erhöhter beruflicher Belastungen» ab, um dann beim Nachbarverein als Jugend-Coach anzufangen. Hinter dem Rücken des bisherigen Vereins wollte der Betreuer gleich noch vier junge Kicker mit zu seinem neuen Club nehmen. „Er hat behauptet, dass es bei uns in dieser Altersklasse keine Mannschaft mehr geben würde“. Die Eltern und die jungen Spieler waren verunsichert und drängten auf eine Wechsel.

 

Aber bald gibt es ja wieder eine neue Wechselperiode. Und da handeln alle Vereine, der eine so der andere so, Grauer Fußball- Alltag!

 

mit besten sportlichen Grüßen

 

Carlos Enrique Girnt

Koordinator Jugend-Torwartbereich SV Zweckel

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Kommentare: 4
  • #1

    Cesar (Samstag, 09 Februar 2013 11:41)

    Was ist das für ein Quatsch??? Bei der WAZ hätte ich mich gefragt ob die, die Zeitungsseite vollkriegen müssen.

  • #2

    @ Cesar (Samstag, 09 Februar 2013 22:46)

    Quatsch finde ich das nicht! Ich hoffe, damit wird das Abwerben von Jugendspielern innerhalb Gladbecks Einhalt geboten. Das ist doch hoffentlich der Sinn dieses Textes! Wenn allerdings das Gegenteil gemeint ist, dann hat Cesar recht.

  • #3

    Leser (Sonntag, 10 Februar 2013 15:51)

    Liebes Auf'mPlatz-Team, ihr leistet echt tolle Arbeit, aber ungefiltert nicht nachvollziehbare Stellungnahmen zu veröffentlichen, kann nicht eurer Anspruch sein.

  • #4

    Eule (Montag, 11 Februar 2013 13:12)

    wie unnötig ist denn der artikel !?! Lächerlich...