„Man muss schon mal lauter sein“

Unter den vielen männlichen Hauptdarstellern machte sie eine hervorragende Figur. Schiedsrichterin Kathrin Heimann vom SV Zweckel pfiff abwechselnd mit Thomas Pidun die Freitagabendspiele und leistete sich keinen Fehler. In einer von Männern dominierenden Sportart hat sich die 27-Jährige gelernt durchzusetzen. Auf’m Platz sprach mit der Bundesliga-Schiedsrichterin am Rande des ersten Tages der Gladbecker Hallenstadtmeisterschaften, die beim DFB-Pokalfinale 2012 der Frauen bereits Linienrichterin war, aber dennoch ein noch größeres Ziel vor Augen hat. 

Es gab auch in der Gladbecker Halle am 11. Januar abends die ein oder andere knifflige Situation für die Schiedsrichterin Kathrin Heimann, die sie zu lösen hatte. Doch sie fiel vor allem durch ihre gelassene, aber stets aufmerksame und keinesfalls arrogante Haltung absolut positiv auf. Sie hatte die Männer auf dem Hallenparkett voll im Griff. Einmal wurde sie etwas lauter, als ein Spieler meinte sich beschweren zu müssen. 

Auf'm Platz-Redakteur Raphael Wiesweg im Gespräch mit Schiedsrichterin Kathrin Heimann.
Auf'm Platz-Redakteur Raphael Wiesweg im Gespräch mit Schiedsrichterin Kathrin Heimann.

   Heimann verschaffte sich somit Respekt, der Spieler musste tatsächlich auch ein bisschen schmunzeln, blieb aber still. „Ja, der größte Unterschied zwischen Frauen- und Männerspielen ist der, dass man sich bei den Männern doch erst mehr Respekt verschaffen muss. Das klappt meistens gut, wenn man lauter wird. Aber heute hat alles gut geklappt“, so Heimann zu Auf’m Platz. Einmal musste die Schiedsrichterin nach der roten Karten greifen. Leider zu Recht. Ein Spieler von SuS Rosenhügel ging ein bisschen übermotiviert in einen Zweikampf mit dem Artur Drzisga von SG Preußen. Ansonsten verlief der Freitagabend relativ ruhig. Die 27-Jährige ist Männer-Spieler aber auch gewohnt. Denn die Unparteiische pfeift nicht nur die 1. Bundesliga der Frauen, sondern auch bis zur Oberliga der Männer. „Das reicht mir aber eigentlich auch. Viel höher bei den Männern muss es auch nicht sein“, gibt Heimann ehrlich zu. Dennoch hat sie auch noch einen kleinen Traum: Einmal ein FIFA-Spiel als offizielle Schiedsrichterin pfeifen. „Das DFB-Pokalfinale als Linienrichterin war natürlich auch schön. Noch schöner wäre es aber in Berlin gewesen. Leider wurde ja vor kurzem das Pokalfinale der Frauen von Berlin nach Köln verlegt.“ Heimann gibt zu, dass Berlin einfach noch reizvoller von der Stimmung gewesen sei. Schließlich lebte das Frauenfinale auch davon, dass zu dem Zeitpunkt des Finals mit weiblichen Hauptrollen aufgrund des etwas später stattfindenden Männerfinals bereits innerhalb und außerhalb des Stadion mehr los war.

   Samstag und Sonntag wird Heimann nicht mehr zum Einsatz kommen. Erst einmal liegt es daran, dass der SV Zweckel mit zwei Seniorenteams im Einsatz ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass der SVZ mindestens eine Mannschaft am Sonntag in den Finalrunden stellt, ist sehr groß. Die Einteilung der Schiedsrichter wurde schon vorgenommen, also darf Heimann nicht mehr pfeifen. „Ich werde aber auf jeden Fall am Samstag privat mal vorbeischauen, wie sich mein Verein schlägt.“ Danach verabschiedet sie sich mit einem festen Händedruck, der genauso überzeugend ist, wie ihre heutige Leistung auch war.  

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