„Der Aufstieg war schon im März hier Thema“

Ein Grund für Oktay Güney letztes Jahr vom DSC Wanne-Eickel nach YEG Hassel zu wechseln, war der gute Ruf des Bezirksligisten. Disziplin wird hier groß geschrieben und Güney will neben dem sportlichen Erfolg auch weiter mit den typischen Klischees aufräumen. Trotzdem gibt es auch weiterhin ein großes Thema, was dem ganzen Verein ein großer Dorn im Auge ist.

Hinrundenfazit über YEG Hassel (Bezirksliga)

„Ich hätte nicht gedacht, dass wir so gut zusammenarbeiten. Aber wir denken über Fußball absolut identisch, die Zusammenarbeit fruchtet absolut. Das passt einfach wie Faust aufs Auge.“ Oktay Güney (32) spricht über seinen Trainerkollegen Ümit Hoyladi (34), den er vor seinem Engagement zwar schon flüchtig kannte, aber nie mit ihm tiefergehende Konversationen führte.
   Dass Hoyladi sich ab dieser Saison nicht mehr für die Zweit-, sondern für die Erstvertretung von YEG Hassel verantwortlich  zeichnet, liegt für Güney auf der Hand. „Er hat mit dem Aufstieg in die Bezirksliga bewiesen, dass er etwas vom Fach versteht. Nun wollen wir gemeinsam den nächsten Schritt bestreiten und bisher macht es viel Spaß“, so Güney weiter.

Oktay Güney ist beim Gespräch total entspannt auf seiner heimischen Couch. Nach dieser Hinrunde hat er auch allen Grund dazu.
Oktay Güney ist beim Gespräch total entspannt auf seiner heimischen Couch. Nach dieser Hinrunde hat er auch allen Grund dazu.

   Kein Wunder. YEG Hassel steht in der Bezirksliga 11 am Platz der Sonne, gewann 13 von 16 Spiele und stellt gleichzeitig sowohl die beste Defensive als auch Offensive der Liga. Dabei ging der Saisonstart ordentlich in die Hose. YEG verlor die ersten beiden Spiele und Oktay Güney fragte sich schon, was er falsch machen würde. „Ümit und ich saßen teilweise auch stundenlang im Auto zusammen und haben uns unterhalten. Ich habe sogar meinen alten Trainer Klaus Berger angerufen und er gab mir den Tipp, dass ich auf dem Feld kein Trainer und nur Spieler sein darf.“ Und es fruchtete. Zwar kassierten die Hasseler im dritten Spiel gegen den SSV Buer erneut Gegentore, gingen aber erstmals als Sieger vom Platz. Nach drei Spielen stand sechs Gegentore zu Buche. In der gesamten Hinrunde sollten nur noch sechs weitere hinzukommen. „Vor dem Spiel gegen den SSV haben wir von Vierer- auf Dreierkette und erst ein paar Wochen später gegen Deuten wieder auf das eigentlich bevorzugte System umgestellt“, gibt Güney zu Protokoll.

   Was folgte, war für die Bezirksliga-Gegner ein schieres Grauen. YEG Hassel blieb knapp 800 (!) Minuten ohne Gegentor, marschierte von Sieg zu Sieg und grüßt mittlerweile souverän von ganz oben. Für Güney liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Disziplin. „Bei uns wird Deutsch gesprochen, es gibt einen strengen Strafenkatalog und der Erfolg läuft nur über die Mannschaft. Die kollegiale Basis untereinander hilft bei unserem Unterfangen ungemein. Und wir haben noch eine Menge Potential“, so Güneys „Drohung“. „Wir wollen uns von den anderen türkischen Vereinen abkapseln, wir wollen die gängigen Klischees widerlegen“, betont Güney ernsthaft. „Wir sind alle in Deutschland geboren und haben uns meiner Meinung nach wunderbar integriert. Darauf lege ich auch sehr viel Wert. Ich will dem Verein Strukturen verpassen, die bei deutschen Vereinen Gang und Gebe sind. Das heißt nicht, dass wir zu dem türkischen Namen des Vereins stehen, den wir auch nicht ändern wollen. Aber wir wollen damit zeigen, dass auch ein komplett türkischer Verein sehr gut geführt sein kann.“

   Andererseits weiß Güney auch, dass einfach enorme Qualität in dem Kader steckt. „Die Mannschaft muss auch funktionieren. Wenn wir nicht aufsteigen, dann muss ich mich auch hinterfragen, was ich falsch gemacht habe.“ Aber verlassen wird Güney den Verein selbst bei einem Misserfolg wohl nicht. „Ich hatte den Spaß verloren, bevor ich hier hinkam. Man verdient hier keine Reichtümer und ich hätte woanders noch mehr verdienen können“, so der ehemalige Regionalligaspieler. „Aber bei uns heißt es: Einmal YEG Hassel, immer YEG Hassel.“ Der Vorstand hat bereits verlauten lassen, dass wenn Güney überhaupt mal als Trainer aufhören muss, er dem Verein aber in einer anderen Funktion erhalten bleiben wird.
   Vielleicht war es auch die sportliche Überzeugung Güneys, wie er das Abenteuer Hassel angegangen ist und somit im Verein auf Sympathien stieß. Als er im März 2012 kam, musste er noch bis zu seiner Spielerfreigabe am 1. Juli warten. Doch schon damals formulierte er forsch den Aufstieg als Ziel. „Ja, das war damals schon im März hier Thema. Alles andere will ich den Jungs auch nicht verkaufen.“

Oktay Güney im Porträt: Der Mann, der YEG Hassel typisch deutsche Strukturen verpassen will.
Oktay Güney im Porträt: Der Mann, der YEG Hassel typisch deutsche Strukturen verpassen will.

   Damit es auch in der Rückrunde ähnlich stark verläuft, hat YEG Hassel auch noch einmal aufgerüstet. Allerdings auch nur, weil man reagieren musste. Der Kader war mit 18 Spielern schon vor Saisonbeginn eher dünn besetzt für einen Spitzenreiter in der Bezirksliga. Da Benny Bork (TuS Gahlen) und Baris Uysal (Ziel unbekannt) den Verein verlassen haben, mussten neue Spieler her. Die fand Güney in den beiden Defensivspielern Fehmi Colak (TuS Stockum) und Semi Zasoglu (vereinslos, zuletzt Probetraining im Sommer beim Gladbecker Westfalenligisten SV Zweckel) und in dem jungen A-Juniorentorhüter Orhan Akmanoglu (ETB SW Essen).
   Auf der Torhüterposition musste Güney reagieren. Tayfun Kacar zog sich eine starke Schleimbeutelentzündung zu, Abdulkadir Karadeniz hat starke Probleme mit seinem Handgelenk. Auf die Defensive wird Güney weiterhin sehr großen Wert legen, „denn in der Offensive sind wir so gut besetzt, dass wir immer für ein Tor gut sind. Arbeitet die Viererkette aber vernünftig, kann man gegen uns kein Tor schießen“, so seine selbstbewusste Aussage. In der Offensive ist es Güney selbst, der trotz eines verletzungsbedingten sechswöchigen Ausfalls mit acht Toren gut dasteht und Platz Zwei der internen Torjägerliste belegt. Hinter Faruk Gülgün, der bereits 13 Mal knipste.
   „Es ist aber auch egal, wer die Tore schießt. Auch die lange Zeit ohne Gegentore war mir egal. Hauptsache am Ende stehen immer drei Punkte auf der Habenseite“, so Güney weiter, der ein interessantes Vorbereitungsprogramm zusammengestellt hat. Am 22. Januar steht unter anderem ein Box-Training beim WTC Wattenscheid auf dem Programm. „Die kompletteste Sportart, unglaublich hart und schwierig“, findet Güney. Zudem spielt man am 12. Januar bei der U19 des MSV Duisburg, die Bundesliga spielt, am 20. Januar beim A-Ligisten TuS Gahlen, am 2. Februar beim Landesligisten 1. FC Kleve und am 10. Februar beim TSK Herne (Kreisliga A).
   Es läuft einfach beim „vermeintlich türkischen Verein. Auch die Junioren-Mannschaften sind alle voll besetzt. Ein teuflischer Segen für YEG. Denn man besitzt nach wie vor keinen eigenen Sportplatz. „Ich kann die Stadt da auch verstehen, momentan gibt es wirklich nicht einmal ansatzweise eine Lösung für unser Problem. Aber wenn wir weiter wachsen und erfolgreich sein wollen, muss das der logische nächste Schritt sein“, so der Spielertrainer. Derzeit trainiert die Erstvertretung auf dem Ascheplatz vom SC Hassel, die Zweit- und Drittvertretung trainiert auf dem Platz von Hansa Scholven, während die Jugend bei Arminia Hassel unterkommt. Die Heimspiele werden auf der Anlage vom SC Hassel ausgetragen.

   Es ist Güney ein Dorn im Auge. Was YEG Hassel dafür geschaffen hat, ist enorm. Da passt es ins Bild, wenn er sagt: „Auch unsere Zweitvertretung wird in der anderen Bezirksliga noch den Klassenerhalt packen.“ Es wäre das sportliche Sahnehäubchen, weil die dritte Mannschaft auch vor dem Aufstieg in die Kreisliga B steht. Der deutsche Verein YEG Hassel boomt.

 

Hier geht es zu YEG Hassel bei Auf'm Platz

 

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Kommentare: 8
  • #1

    Kurt Kaiser (Freitag, 11 Januar 2013 13:04)

    Viel Glück dem YEG in der Rückrunde. Solch klare Aussagen wünsch ich mir auch von anderen deutsch-(türkisch?)en Vereinen. Wünsch Euch den Doppelaufstieg (I. Und III.) sowie Klassenerhalt für Eure II.

    Sportl. Grüße nach YEG
    Kurt Kaiser
    SG Preußen Gladbeck

  • #2

    Türke (Freitag, 11 Januar 2013 18:22)

    Warum endert ihr nicht Euren Namen?
    Die aussage ,wir sind nicht wie die andere türkische Vereine
    finde ich nicht schön. YEG Hassel war für mich ein sympatisch Verein . Jetzt aber nicht mehr.

  • #3

    Mike Groth (Freitag, 11 Januar 2013 20:50)

    Kann mich dem nur anschließen!

  • #4

    Mike Groth (Freitag, 11 Januar 2013 22:46)

    Ich meinte den Eintrag Nr1

  • #5

    bottroper (Samstag, 12 Januar 2013 18:37)

    NR2 du hast recht

  • #6

    Göki (Montag, 14 Januar 2013 20:22)

    Was hat deutsch sprechen mit disziplin und struktur zu tun .dann sollten wir deutschkurse besuchen um mindestens in der Regionalliga zu zocken.

  • #7

    Eren (Montag, 14 Januar 2013 22:32)

    Ich bin selber Türke und finde es schade, dass kein Verein mit türkischem Hintergrund in Gladbeck auch nur ansatzweise das erreicht hat, was YEG auf die Beine gestellt hat. Tsb hatte eine Möglichkeit hat sie leider vertan und über VdK

  • #8

    Eren (Dienstag, 15 Januar 2013 10:58)

    Gestern streikte mein Handy, ich hol mal meinen Beitrag nach.

    Kurt und Mike haben absolut recht. Ich wäre auch froh gewesen, wenn sich die türkischen ( deutschen ) Vereine in Gladbeck besser präsentiert hätten. Gsk Gladbeck ist kein Vorbild, Tsb Gladbeck war auf einem halbwegs guten Weg bis ihnen der Erfolg über Kopf stieg und sie den Verein ruinierten. Diese beiden Mannschaften hatten genug Chancen und haben sie leider oft nicht genutzt.

    Mir war es meist sehr unangenehm, wenn Spiele eskalierten und ja, ich bin selber ein Türke, aber ich sah etliche Spiele, die beschämend waren, aber abgehakt, TSB ist Geschichte und für GSK sieht es auch nicht gut aus.

    Weiter mit YEG....

    Güney sagt :

    ,,Wir wollen uns von den anderen türkischen Vereinen abkapseln, wir wollen die gängigen Klischees widerlegen“

    Achso ist das... insgeheim heisst das man hält sich für etwas besseres. Ok, gesunde Arroganz sag ich, aber Herr Güney übersieht gerade, dass gerade sein Verein ein einziges grosses Klischee ist. Was unterscheidet euch den von anderen türkischen Vereinen. Vielleicht gibt es keine Eskalation, die Organisation ist etwas besser, aber das wars. Euer ganzer Vorstand ist türkisch, von der ersten Mannschaft bis zur F1 spielen fast nür türkische Männer oder Jungs. In der Mädchenmannschaft sieht das nicht anders aus. Keine deutschen Trainer, keine deutschen Betreuer, ich lass mal die deutschen Mitglieder raus, keine Spanier, Italinener, Griechen.

    Und Herr Güney hat die Unverschämtheit von Integration zu reden.
    Ihr seid genau wie die anderen deutsch türkischen Vereine, eure Philosophie tut nichts für Integration, eher im gegenteil eher Abkappselung und Arroganz.

    Vereine wie Horst Emscher , Preussen Gladbeck, Sv Zweckel etc. tun etwas für die Integration, da wo Kinder und Männer egal welcher Nationalität zusammen an ihren Zielen arbeiten.

    Was haben Religion und Fussball gemeinsam: stimmt YEG Hassel und ehemals TSB Gladbeck. Wir wissen das die Moscheen Fussballer unterstützen, sollen sie ja auch, dagegen habe ich nicht, aber ich glaube kaum das sich ein kleiner Jürgen in der Kabine so ohne weiteres bekreuzigen kann. Auch wenn er könnte, ob er das will, ist eine andere Frage.

    Aber egal, lassen wir auch mal das raus.

    Güney sagt: ,, Man verdient hier keine Reichtümer und ich hätte woanders noch mehr verdienen können " .

    Stimmt wohl, aber wir wissen auch, dass bei euch einige Spieler mehr verdienen, als zwei Ligen höher. Also ein großer Witz, was dort erzählt, ich hätte diesen Seitenhieb auch vermeiden können. Warum tat ich es nicht? Weil es eben doch kaum Unterschiede zu anderen türkischen Vereinen gibt. So schnell wie möglich hoch und was kommt dann?

    Tsb Gladbeck hatte früher schwarze Trikot und ihr läuft in grünen Trikots auf den Platz, das ist der Unterschied: alleine die Farbsubstanz.

    Der Reporter schreibt: Der deutsche Verein YEG Hassel boomt.

    Frei nach Euro News: NO COMMENT.